Am Abgrund

Ernste Themen sollten nie totgeschwiegen werden.
Deswegen schreibe ich in meine Gedichte ja seit jeher in einem eher düsteren Unterton. Diesmal fühle ich mich jedoch verpflichtet, hierbei eine Triggerwarnung zum Thema Suizid rauszugeben.

Bitte seid gewarnt und geht verantwortungsbewusst mit dem Inhalt/Weiterleiten um.

Beste Grüße
Medra

Hier stehe ich
Und starre ins Nichts.

Hier stehe ich
Fernab vom Licht.

Hier stehe ich …
Noch.

Die Schwärze umarmt,
Sie liebkost und umgarnt,
Sie ruft und frohlockt,
Bis mir der Atem stockt.

Heute war wieder so ein Tag.
Einer von besonderer Art.
Einer der mich nur trat,
Einer der nichts gab.

So bin ich allein?
Allein mit dieser Pein?
Sollte ich wein‘?
Sollte ich schrei‘n?
Verzweifelt ist mein
Heiligenschein

Verloren gegangen.

Meine Tränen sind längst versiegt.
Verstummt ist mein Klagelied.
Keiner wollte es hören.
Keinen konnte ich betören.

Kurz zu lauschen.

Es zählten nur Ergebnisse.
Es zählten nur Befugnisse.
Es zählten nur Zeugnisse!

Und ich-
Ich kann nicht,
Kann nicht mehr!

Es ist zu schwer.
Ich stell mich quer!
Ich setze mich zur Wehr!
Und hoffe doch so sehr …

Die Schwärze
Streckt ihre Finger aus.
Sie streichelt sanft
Über meine Haut.
Sie schleicht sich
Näher
Und flüstert:
„Komm her.“

Einen Schritt,
Zwei Schritte,
Drei Schritte
Bis zum Abgrund.

Mehr benötigt es nicht.
Dann gibt’s ein Ende
Zu diesem fahlen Gedicht.

Das Gedicht meines Abschieds,
Das stumm durch meinen Kopf reist.
Das Gedicht meines Abschieds,
Das mich zum Abgrund weist.

Einen Schritt,
Zwei Schritte
Bis zum Abgrund.

Mehr benötigt es nicht.
Meine Hände
Sind schon so erpicht!

Sie wollen nicht mehr kämpfen
Gegen andere Menschen.
Sie wollen nicht mehr wetteifern
Oder gegen andere geifern-

Sie wollen endlich Frieden!
Sie wollen in Ruhe liegen.
Sie wollen sich nicht mehr verbiegen,
Brechen, schmerzen oder erliegen …

Einen Schritt
Bis zum Abgrund.

Und die Schwärze rückt näher,
Sie ruft und schreit immer mehr:
„Komm her!
Steig hinab zu mir!
Ergib dich mir!“

Meine Finger streifen die Finsternis
Sie ist kein Hindernis.
Sie ist doch gewiss
Ein erhoffter Bliss
Der Bitternis.

Am Abgrund stehe ich
Und erblicke mein Gesicht,
Das dort unten liegt,
Das zu mir hoch schielt.

Schaudernd taumle ich nieder,
Starre durch gesenkte Lider

Und die Finsternis meldet sich wieder:

„Das da unten,
Das bist du.
Das da unten
Ist deine selige Ruh‘.

Da unten
Kann dir keiner was.
Da unten
Beißt du ins Gras!“

Am Abgrund kniee ich
Und erblicke mein Gesicht,
Das da unten liegt,
Das zu mir hoch schielt.

Die Finsternis
Umgarnt meine Sinne.
Die Finsternis
Liebkost meine Sinne.
Die Finsternis
Vertreibt meine Sinne.

Die Finsternis
Zerrte mich herab
In ein wartendes Grab.

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