Fujis endloser Morgen

Mittlerweile hasste Fuji den Morgen.

Erschöpft flog die kleine Wolke dem dämmernden Horizont entgegen. Seine Augen fokussierten sich auf einen kleinen Fleck in der Ferne. Dort hinten, dort konnte er schon ihren Schimmer ausmachen. Genau dort hinten würde Sabine erneut erscheinen.

Und sie würde sich wieder an nichts erinnern.

Betrübt blieb die kleine Wolke stehen und atmete tief durch.

Nein. So durfte er nicht an die Sache herangehen! Er durfte es nicht! Er musste sich zusammenreißen! Für sie. Für die Sonne. Für seine Sabine!

Sie war doch seine Freundin …

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Kletternde Erwartung

Wie auf einer Skala
Rennt es hinauf.
Hitze obsiegt,
Gewinnt jeden Lauf.

Die Temperaturen steigen
Strich um Strich.
Mit ihnen vergeht
Ein sanftes Licht.

Phantasie ist zweitrangig,
Freude vergeht.
Dem Glück wird bange,
Spaß verweht.

Denn gefordert wird viel,
Gefordert wird alles,
Gefordert wird stets,
Die Seele des Krawalles.

So heißt es:
Lernen. Trainieren.
Üben. Musizieren.

So wird verlangt:
Werd‘ besser. Werd‘ besser.
Zur Not auch mit Messer!

Wird man schlechter,
Hat man versagt.

Wird man nicht gut,
Man hat es gewagt!

Gewagt zu verlieren.
Gewagt zu enttäuschen.
Gewagt diese Erwartungen,
Die täglich mehr verlangten,
Die täglich höher sprangen,
Die täglich fordernd langten,

Nicht zu erfüllen!

Egal sind die Umstände.
Irrelevant alle Einwände.
Und wenn man Ruhe fände,
Sich entfremde,
Bestände
Auf ein baldiges Ende,
Wird man gefragt:
Warum man sich denn abwände?

Warum verletzt man jene,
Die alles für einen gäben?
Wahrlich ist es nicht fair!
Erkennt man nicht den Segen?
Den Segen, den man durch sie erlangt,
Der sicherlich nicht zu viel verlangt!

Denn diese klitzekleinen Erwartungen,
Die ja nur mit dem Alter,
Die einzig mit dem Können,
Mit dem Erlernten und Obsiegten
Stiegen-
Sie waren doch sicherlich nicht zu viel?

Sie waren doch sicherlich
Rechtens und
Motivation,
Kein Grund zur folgenden
Separation.

Separation von Kindern
Zu ihren Eltern,
Zu ihren Lehrern,
Den drängenden Älteren,
Der inneren Stimme-

Oh, weh! Oh, weh!
Sollte man dieser nicht vertrauen?
Damit man mit deren Imagination,
Die Welt bringt zum Staunen?

Imagination,
Dessen Motivation
Verborgen in Isolation …

So frag‘ ich nun jene,
Die andere fordern,
Und stets herumbeordern:

War das Ziel,
Ein tödliches Spiel,
Nicht ein wenig zu viel?

Das kleine Boot

Ich weiß nicht, wo es herkam.
Dieses kleine Boot, unbiegsam!
Im wilden Gewässer,
Am schneidenden Messer.

Würde es nicht übersteh‘n,
Würde es gewiss untergeh’n,
Dieses kleine Boot –
Verloren in Seenot …

Doch waren meine Sorgen unbegründet,
Denn als wäre das Holz angekündet,
Wurde es umwoben,
Emporgehoben.

Ich beobachtete es vom Leuchtturm aus,
Bedachte es aus diesem sicheren Haus,
Konnte die sanften Wellen nicht verstehen,
Die ihm liebevoll beistehen …

Was, oh, was nur war besonderes daran?
An diesem einfachen, winzigen Kahn?
Warum vermochte er zu schwimmen?
Während andere verglimmen …
Während andere ertrinken,
In tiefen Wellen versinken,
Vermag es zu treiben,
Die Eifersucht einzuverleiben!

Meine Glühwürmchen, sie singen,
Sie tanzen und springen,
Sie freuen sich gar sehr,
Für dieses kleine Boot im Meer.

Nur weiß ich nichts zu zusagen.
Ich will es nicht mal wagen.
In meinem Inneren schreie ich auf:

Verschwinde!
Du weißt nichts über frühere Winde!
Wünschte ich Dir:
„Ersauf“?

Sturm der Gefühle

Man vermag sie kaum zu bändigen.
Man vermag sie kaum zu halten.
Sie fliegen umher.

Den Worten Anderer ausgesetzt.
Durch die Worte Anderer verletzt.
Nackt.

So lernte ich diese zu akzeptieren.
Das Innere zu maskieren.
Das Innere zu massakrieren.
Mich selbst zu verlieren.

Die Bande, sie brachen.
Und nun im Vorbeigehen
Mit versteckten Tränen –
Mit gekünsteltem Lachen
Fragst Du mich,
Warum sagte ich nichts?

Und so erwidere ich,
Bedeutete ich Dir nichts?!

Das Herz wart verschlossen.
Abgehackt die Sprossen,
Die einem Kind sonst halfen,
Die Welt zu gestalten.
Vergossener Schweiß –
Blut und Tränen waren Preis.
Doch waren sie viel zu leis‘
Im Vergleich zum frostigen Eis.

Das Eis, das die Seele umwob.
Mich in die Tiefen des Hurrikans schob,
Ins Auge des Sturms
Auf dem Balkon des Leuchtturms.

Apathie umkreiste die Gedanken,
Verschlang Freude und Glück.
Während sie im Meer versanken,
Führte kein Weg mehr zurück.

Ein Lächeln wurde aufgesetzt.

Dein Wille durchgesetzt.

Die Gedanken ersetzt.

Die Seele zerfetzt.

Unwissend, nichtsahnend –
Ich war ein Kind.
Was hätte ich sagen können?
Mein Innerstes zerrann zu geschwind …

Ich ließ mich fallen,
Ließ mich tragen,
Ließ mich ertränken,
Ließ mich verjagen,
Nickte artig ja,
Sagte kaum nein,
Akzeptierte stumme Ohren,
Wenn ich nur wollte schrei‘n!

Hörst Du mich nicht?!
Siehst Du mich nicht?!
Oder hast Du es bereits vergessen?
Mein Gesicht?

Die Dunkelheit brach ein,
Ließ kein Licht herein.
Sie schottete mich ab,
Schaufelte mein viel zu frühes Grab.

Ich war bereit zu gehen,
Konnte all das nicht mehr verstehen,
Konnte das Scheinheilige nicht sehen,
Wollte nur noch durchdrehen …

Da erblickte ich den ersten Funken.
Ich fühlte mich ertrunken,
Doch griff meine tote Hand danach,
Und weckte mich aus dem ewigen Schlaf.

Glühwürmchen –
So klein, so zierlich,
Verbreiteten ihr helles Licht,
Wärmten mein eisiges Gesicht,
Erleuchteten meine Sicht.

Eines nach dem anderen
Flogen sie in mein Leben,
Erweckten in meinem Inneren
Einen Traum nach ewigem Streben.

Ach! Wie sehr die Tränen doch flossen!
Wie warm meine Gefühle uns umschlossen,
Als die Glühwürmchen mich lenkten
Und mir endlich Liebe schenkten.