M: Im Auge des Schützen II

Es dauerte fast zwei Stunden, ehe Jennifer ein Zimmer in einem Hotel fand. Ausgelaugt bezahlte sie die teure Kaution und brachte Ann zum zweiten Mal in dieser Nacht ins Bett – doch dauerte es diesmal nicht so lange.

Ihr Kind war am Ende ihrer Kräfte.

Seufzend rollte sich Jennifer wieder von der Matratze und schlich zum Fenster. Von dort aus starrte sie auf die schlafende Stadt.

Ihre Mutter hatte sie so abrupt rausgeworfen. Sie hatten nichts mitnehmen können. Weder Anns Lieblingspuppe noch ihre Jacken. Es war gewiss ein Wunder, dass die Frau ihrer Flocke ein paar Schuhe zugestanden hatte, ehe sie das Mädchen durch die Nacht gezerrt hatte!

Wie sollte es nur weitergehen?

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Die Realität

Rufen tat mich keiner
Und dennoch bin ich da.
Ich schmerze meinen Nächsten –
Egal ob klein, ob Schar.
~Die Pein

Rufen tat mich keiner
Und dennoch steh‘ ich hier.
Ich bringe dunkle Stunden
Jedem – sogar dir.
~Die Verzweiflung

Rufen tat mich einer
Ohne zu verstehen:
Mein Nehmen ohne Geben
Verdient kein Wiederseh’n.
~Der Krieg

Mich rufen ach so viele,
In Kummer, Glück und Tod
Wünschen sie sich Wärme,
Mein Licht in jeder Not.
~Die Liebe

Mich rufen ach so viele
Am Ende ihrer Kraft,
Sie hängen an dem Schimmer,
Träumen von einer höheren Macht.
~Die Hoffnung

Rufen tun mich alle
Und nehm’n sich Hand an Hand.
Doch stolpert auch nur einer,
Zerreißt das edle Band.
~Der Frieden

Drum stehe ich daneben
Male alles schwarz und weiß,
Werd‘ nicht angerufen,
Denn ich offenbare jeden Preis.
~Die Realität

Am Abgrund

Ernste Themen sollten nie totgeschwiegen werden.
Deswegen schreibe ich in meine Gedichte ja seit jeher in einem eher düsteren Unterton. Diesmal fühle ich mich jedoch verpflichtet, hierbei eine Triggerwarnung zum Thema Suizid rauszugeben.

Bitte seid gewarnt und geht verantwortungsbewusst mit dem Inhalt/Weiterleiten um.

Beste Grüße
Medra

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Fujis Seelenverwandte

Fuji fühlte sich verlorener denn je. Früher hatte er wenigstens auf die Sterne vertrauen können. Aber seitdem er sich mit ihnen zerstritten hatte, um der Sonne zu helfen …

Und nun wollte Sabine seine Hilfe nicht einmal …

Die Wolke sackte in sich zusammen.

Hatte er dem Himmelskörper wirklich nur helfen wollen, um sich selber gut zu fühlen? Nein! Oder doch? Machten andere das so? Halfen sie einzig, um im Anschluss den Dank einzuhamstern?

Eine dunkle Erinnerung kämpfte sich in ihm hoch.

„Wir leben um zu sterben“, murmelte er vor sich hin.

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Fujis Verzweiflung

Stumm schwebte die Wolke vor dem Mond auf und ab. Die letzten Worte des Mondes, nein, seiner Sabine, nein, seiner zweiten-

Woher wollte er wissen, dass der Mond die zweite Sabine war und nicht die erste? Immerhin behauptete der Mond ja, sich an alles erinnern zu können!

Der Preis des Lebens …

Deswegen war seine Sonnen-Sabine so vergesslich. Weil sie sich für die Welt und das Leben darauf aufopferte. Tagein. Tagaus. Tagein. Tagaus …

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