Diabetes

Vorwürfe und Ängste allerhand
Tummeln sich unterm edlen Gewand.
Hinter einem sanften Lächeln gut verborgen,
Kennt niemand die erstickenden Sorgen.

„Seid ihr gut eingestellt?“
„Läuft alles fein?“
„Warum muss es noch wichtig sein?“

Fremde Finger erkennen keinen Sinn.
Sie weisen auf die Technik hin:
Auf Pumpe, Sensor, Messgeräte, Spritze-

Machen sie Witze?!

Würde es Sinn ergeben,
Gäbe es kein ängstliches Streben.
Wäre die Lösung so leicht,
Wären wir nicht so bleich.

Bleich vor Sorge.
Bleich vor Angst.
Bleich – ein neues Gewand?

Denn alles wirkt auf den Körper ein.
Die Sonne. Der Schatten. Die Wärme – oh nein!
Hitze. Kälte. Was passiert beim Kranksein?!
Hormone. Wachstum. Stress und Sorgen.
Nun wird das Essen von Morgen
Zeitabhängig immer anders gewertet,
Proteine und Fette gesondert bewertet.
Das Essen von gestern hat ein Gewicht.
Und vergesse bloß die Reihenfolge nicht!
Da klingelt es schon: Viel zu tief!
Weil der Körper nach Zucker rief.
Kurz darauf heißt es: Viel zu hoch!
Korrektur hilft nicht, also Sport nun noch …
Ketone ziehen Nummern: eins, zwei, drei!
In der vierten Stunde ziehen sie vorbei.
Sollte sich das Kind nun noch übergeben,
Geht’s zum Arzt auf schnellsten Wegen.
Vielleicht bleibt man eine Nacht da-
Vielleicht zwei Wochen, das wäre ja klar!
Oder weißt du, wie es um die innere Waage steht?
Weißt du, wie viel Insulin oder Zucker noch fehlt?
Oh, und da Diabetes keinen Schlaf kennt,
Es selbst nachts durch die Wohnung rennt.
Dann piepen die Alarme: Zu hoch! Zu tief!
Damit das Kind nicht das letzte Mal einschlief.

Nun sag mir nochmal, wie soll man sich nicht sorgen?
Wie geht es unbedacht in den neuen Morgen?
Wie soll man nicht mehr ausgelaugt sein?
Und mit den Gefühlen im Reinen sein?

Noch immer muss ich daran denken,
Wie die Augen mir Tränen schenkten,
Wie die Ringe darum so dunkel pochten,
Wie der Schauder kroch durch alle Knochen,
Wie sich die Hände in mich krallten,
Wie die Kinderworte mich zermalmten:

„Mama?
Muss ich jetzt sterben?“

Hinter einem sanften Lächeln gut verborgen,
Kennt niemand die erstickenden Sorgen,
Die einem das Herz zerstören.

Niemand will die Wahrheit wissen.
Niemand will seinen Komfort missen.
Denn fremde Finger wollen nur hören:

„Alles gut. Alles fein!“
Schon können sie wieder im Alltag sein.
Und man selbst bleibt mit dem Diabetes allein.

B: Die Scherben Blaincs

Pico lehnte sich über das Replika von Blainc. Die Karte ihrer Welt, in der die Hügel, Täler und Berge mit echten Felsen und die Gewässer mit kleinen Pfützen nachgestellt waren. Die Martals hatten diese Karte angefertigt, als sich ihre Gemeinschaft gegründet hatte. Sie hatten es so echt dargestellt, dass er fast erwartete, sich selbst darauf entlanglaufen zu sehen!

Nachdenklich strich er über den Hügel, der seine einstige Heimat darstellte. Jener, an dem sich der erste Bannkreispunkt befand. Obwohl er außerhalb ihrer Stadt lag, so verlief das Replika dahinter noch weiter. Genauso weit, wie der Bannkreis ursprünglich reichte.

Ehe er geschrumpft war.

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Timothy – Marias Untergang

Um bei Verstand zu bleiben und auf keinen Fall die Zeit zu vergessen, schlüpfte ich in den Körper eines Pferdes, das Marias Kutsche zur Kirche zog. Es war eigenartig, mich plötzlich mit vier Füßen fortzubewegen. Zumal ich sonst ja nicht einmal einen hatte. Auch spürte ich, wie das Pferd mich nicht in seinem Kopf haben wollte. Doch unterdrückte ich seine Seele. Ich machte mich breit. Lenkte den Körper weiter. Ließ erst am Ziel von ihm ab.

Am Ziel, wo das Pferd erschöpft umfiel. Wo es zitterte. Wo die Menschen davon sprachen, dass es wie besessen wirkte. Dass es nicht normal wäre!

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M: Schutzbefohlen

Radius beobachtete, wie Lisa ihren viel zu kleinen Jungen mit den Armen schaukelte. Lucas war so mickrig. So verletzlich! Sie konnte es immer noch nicht wahrhaben, dass sie der erste Mensch gewesen war, der seinen viel zu winzigen Körper berührt hatte. Dass er wegen ihr lebte.

Sonst nahm sie doch nur Leben.

„Er ist so klein“, flüsterte sie erneut.

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Märchenstunde: Die neue Prüfung III

Liber durfte keine Zeit verlieren. Er hatte sich mit einem Ruderboot zurück in den Hafen begeben. Hatte nach einem Pferd gerufen und direkt drei vorgeführt bekommen. Dann war er mit dem Boten und einer Wache losgeritten.

Er musste seine Königin retten!

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