Jane Strom betrat das erste ihrer zwei neuen Häuser vorsichtig. Sie hatte beide aus Centy heraus erstanden. Ohne sie zu besichtigen. Ohne Danni diese Aufgabe zu übertragen. Oder Mrs. Kleid. Das war am sichersten gewesen. Ohne die Aufmerksamkeit ihres Vaters zu erregen.
„Hier … wohnen wir jetzt?“, erkundigte sich ihr Mann.
„Ja und nein“, sie wandte sich Mrs. Kleid zu, die Janes verschlafene Zwillinge in ihren Armen trug, „Für dich habe ich ein zweites Haus gekauft. Eine Straße weiter. Ich weiß ja, dass du auch mal deine Ruhe magst.“
„Königin Helene – ich konnte sie nicht finden. Ihre Dienerin hat sie zuletzt zu Eurem Aufbruch gesehen. Sie-“, der Diener brach ab, als Liber aufsprang.
„Du hast auch mit den Wachen gesprochen?“, fragte der König und lief mit seinen nassen Schuhen herüber.
Maggie fühlte sich wie in einer Traumwelt. Das Zimmer war ihres. Es war dasselbe vertraute Bett, in dem sie jahrelang geschlafen hatte. Derselbe Tisch vor dem Fenster. Nur der Stuhl war ein anderer. Auch lag nirgends ihre Schultasche. Stattdessen tummelten sich Schulbücher aus der ersten Klasse auf dem Nachttisch. Die Türen des Kleiderschranks waren etwas offen, weil ein viel zu buntes Shirt dazwischen klemmte. Und an der Türklinke hing ein kleines Glöckchen.
Doch die größte Veränderung war die kleine Hushen, die noch friedlich unter der Decke schlief. Neben ihrem Kopf flatterte ein Desson hastig umher. Dein Desson, der sich jedoch eilig aufs Kissen setzte, als würde er von dort aus über TC wachen.
Urlaub. Frei. Ach, wie schön! Daran könnt‘ ich mich gewöhn! Ich strecke alle Glieder aus. Denn heute geht es nicht hinaus. Faul sein, wird heut‘ verlangt. Faul sein, klingt sehr charmant!
Morgens wird entspannt gemacht, Mittags über Haushalt gelacht, Abends wurde Essen gebracht, Gelesen wird die ganze Nacht!
Ach, wie wunderbar! Ach, wie sonderbar. Ach, wie … still ich doch bin.
Kein Wort fällt in diesen vier Wänden. Die Gespräche mussten alle enden. Die Gespräche werden doch vermisst. Die Gespräche waren einst ein Bliss.
Auf Arbeit waren sie mir stets zu viel. Zu viel Gemecker, zu viel, zu viel! Stets gab es Streit, stets gab es Wut, So verglühte mein wackliger Mut.
Mein Mut etwas zu tun, Mein Mut zu reden, Mein Mut zu singen, Mein Mut zu leben!
Meine Stimme versagte Und die Stille obsiegte.
Meine Stimme versagte Und die Einsamkeit wiegte.
Meine Stimme versagte Und mein Herz ward verschlossen.
Meine Stimme versagte Und mein Ich ward gebrochen.
In aller Heimlichkeit roll‘ ich mich zusammen. Ich taste mich an mich selbst heran. Ich teste einen Laut, dann ein Wort. Höre einen schiefen Akkord.
Meine Stimme ward von Außen verstummt. Meine Stimme, einst so kunterbunt, Wurde sie zerrissen – Aus Hass? Aus Neid? Wurde sie zerrissen – Und ich bekam das Leid.
Lilith schüttelte sich. Sie verrenkte sich, um ihren Rücken im Spiegel sehen zu können. Kratzte ihre Haut. Ihre Haut, die sich so glatt und eben anfühlte. Ihre Haut, die sich doch uneben anfühlen sollte. Ihre Haut, auf der Blaincs wahrer Schlüssel prangen sollte …
„Das darf nicht-“, sie drehte sich halb, um über ihre andere Schulter zu sehen, „Das kann nicht- Chemy!“