K: Das Herz einer Mutter II

Maggie fühlte sich wie in einer Traumwelt. Das Zimmer war ihres. Es war dasselbe vertraute Bett, in dem sie jahrelang geschlafen hatte. Derselbe Tisch vor dem Fenster. Nur der Stuhl war ein anderer. Auch lag nirgends ihre Schultasche. Stattdessen tummelten sich Schulbücher aus der ersten Klasse auf dem Nachttisch. Die Türen des Kleiderschranks waren etwas offen, weil ein viel zu buntes Shirt dazwischen klemmte. Und an der Türklinke hing ein kleines Glöckchen.

Doch die größte Veränderung war die kleine Hushen, die noch friedlich unter der Decke schlief. Neben ihrem Kopf flatterte ein Desson hastig umher. Dein Desson, der sich jedoch eilig aufs Kissen setzte, als würde er von dort aus über TC wachen.

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Die Stille

Urlaub. Frei. Ach, wie schön!
Daran könnt‘ ich mich gewöhn!
Ich strecke alle Glieder aus.
Denn heute geht es nicht hinaus.
Faul sein, wird heut‘ verlangt.
Faul sein, klingt sehr charmant!

Morgens wird entspannt gemacht,
Mittags über Haushalt gelacht,
Abends wurde Essen gebracht,
Gelesen wird die ganze Nacht!

Ach, wie wunderbar!
Ach, wie sonderbar.
Ach, wie … still ich doch bin.

Kein Wort fällt in diesen vier Wänden.
Die Gespräche mussten alle enden.
Die Gespräche werden doch vermisst.
Die Gespräche waren einst ein Bliss.

Auf Arbeit waren sie mir stets zu viel.
Zu viel Gemecker, zu viel, zu viel!
Stets gab es Streit, stets gab es Wut,
So verglühte mein wackliger Mut.

Mein Mut etwas zu tun,
Mein Mut zu reden,
Mein Mut zu singen,
Mein Mut zu leben!

Meine Stimme versagte
Und die Stille obsiegte.

Meine Stimme versagte
Und die Einsamkeit wiegte.

Meine Stimme versagte
Und mein Herz ward verschlossen.

Meine Stimme versagte
Und mein Ich ward gebrochen.

In aller Heimlichkeit roll‘ ich mich zusammen.
Ich taste mich an mich selbst heran.
Ich teste einen Laut, dann ein Wort.
Höre einen schiefen Akkord.

Meine Stimme ward von Außen verstummt.
Meine Stimme, einst so kunterbunt,
Wurde sie zerrissen –
Aus Hass? Aus Neid?
Wurde sie zerrissen –
Und ich bekam das Leid.

B: Nackte Panik

Lilith schüttelte sich. Sie verrenkte sich, um ihren Rücken im Spiegel sehen zu können. Kratzte ihre Haut. Ihre Haut, die sich so glatt und eben anfühlte. Ihre Haut, die sich doch uneben anfühlen sollte. Ihre Haut, auf der Blaincs wahrer Schlüssel prangen sollte …

„Das darf nicht-“, sie drehte sich halb, um über ihre andere Schulter zu sehen, „Das kann nicht- Chemy!“

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Timothy – Wahre Worte

Ich beobachtete Julies schlafenden Körper. Wie sie einatmete. Wie sie ausatmete. Ein. Und aus. Ein. Und aus. Ein stetiger Rhythmus, an dem ich mich festklammerte. Damit ich bei Sinnen blieb. Damit ich nicht abschweifte. Damit-

Als Bernhard sich in den frühen Morgenstunden vorsichtig aus dem Bett schob, war ich bereit. Ich beobachtete, wie er an Julie herantrat. Wie er seine Ehefrau beobachtete. Wie er die Hand nach ihr ausstreckte. Wie er diese seufzend zurückzog. Wie er sich lieber einen Morgenmantel überwarf.

Dann schlich er sich aus dem Zimmer.

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M: Der erste Myles IV

David Kleid war Arzt. Ein Allgemeinarzt mit eigener Praxis, die er nur dreimal die Woche für ein paar Stunden führen konnte. Für mehr hatte er keine Zeit. Selbst diese Öffnungszeiten konnte er ja teilweise kaum wahrnehmen. So bekam er manchmal mittendrin überraschenden Besuch, der seine sofortige Anwesenheit verlangte.

Besuch wie jener, der auch nun in seinen Untersuchungsraum polterte, während er die Lunge einer alten Dame abhorchte.

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