Die Zukunft

Die Flammen sie zerren
Die Zukunft hinfort.

Die Meere sie fluten
Hoffnung immerfort.

Veränderungen fordern
-schlussendlich-
Die Leben – sofort!

Denn was man auch wünscht,
Was man auch glaubt,
Ist nichts zu alledem,
Was uns den Atem raubt.

So lasset den Komfort ruh’n.
So lasset Effort erblüh’n!

Anstrengungen werden belohnt,
Mit Jahrzehnten in denen
Gefüllt von Streben
Nachwuchs hier wohnt.

Kinder, die sich freuen,
Die nicht die Sonne scheuen,
Die Regenbogen sehen,
Polarlichter verstehen.

Und all die Tierarten,
Die sich allein finden im Garten
Die gerettet wurden von Taten,
Winzigen Schritten, die Gutes wahren.

Ist das nicht ein besseres Bild?
Als das in dem
Die Menschheit die Welt grillt?

Viele wollen helfen,
Erzählen viel,
Handeln nur selten.

Doch ist das nicht genug.

Der Mord der Erde
Wird nicht gestoppt
von dem Wort der Ehre.

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C: Bürokratische Hürden

„Wie war nochmal der Name?“

„Enoch Belial“, antwortete er der Sozialarbeiterin ruhig, wenngleich ihm dieser Ort nur Unbehagen bescherte und er am liebsten fliehen wollte.

Vor über zehn Jahren war er zuletzt hier gewesen. An genau dieser Stelle hatte er gestanden, während die damaligen Sozialarbeiter ihn umzingelten. Sie hatten ihn mit Fragen bombardiert. Hatten sein unsicheres Schweigen als Zugeständnis der Schuld ausgelegt. Hatten ihm das hilflose Mädchen aus den Armen gerissen, das er begleitet sollte. Hatten ihn in ein Heim geworfen.

Er hätte es vorhersehen müssen.

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Minki und die Schränke II

(Nach sehr vielen wahren Geschichten)

Minki stolzierte mauzend an der jüngsten Zweibeinerin vorbei durch den Flur. Sein Blick glitt über das erneute Chaos, das er angerichtet und für das die Felllose bestraft wurde. Schuhe lagen überall verteilt. Große Schuhe, kleine Schuhe, stinkende Tuben daneben und dort noch eine seltsame Bürste – es war wirklich mühevoll gewesen, das ganze Zeug zu verteilen, aber der Anblick war es allemal wert!

Immerhin war der Streit Musik in seinen Ohren. Er genoss es, der Frau seines Retters zu lauschen. Wie sie mit der Anderen meckerte. Wie das Gezeter hin und her ging. Wie sie ihn ignorierten.

Keiner vermutete seine Tücke!

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K: Über Kamillentee

„Das macht dann 47,43“, las Paul von der Kasse ab.

Der Kunde legte ihm einen Fünfziger auf den Tresen und noch ehe das Wechselgeld seinen Weg aus der Kasse finden konnte, war der Mann verschwunden. Klingelnd schlossen sich die Türen hinter ihm. Ihre Bewegung schob eine Hitzewelle durch das Gebäude der Tankstelle und Paul beobachtete, wie der Fremde in seinen Truck stieg, einen kräftigen Schluck aus einer Wasserflasche nahm und von einer der drei Zapfsäulen wegfuhr.

„Ihnen auch noch einen schönen Tag“, bemerkte er sarkastisch.

Seufzend warf der Kassierer das Trinkgeld in einen alten Aschenbecher und überschlug seine zusätzliche Einnahmequelle. Vielleicht könnte er noch auf Fünfzehn Mücken kommen. Dann könnte er seiner schwangeren Freundin endlich mal wieder ihre Lieblingspizza bestellen. Jedoch machte er sich keine allzu großen Hoffnungen. Nicht viele Leute waren auf den Landstraßen nach Havbolt unterwegs.

Und noch weniger reisten während der Mittagshitze Ende Juni umher.

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Das eigene Ich

Das eigene Ich
Verliere sich.

Der Eine wolle dies.
Der Andere wolle das.
Ein Jeder will alles.
Doch keiner will – was?

Sich zwischen den Leuten verlieren?
Einzig für fremde Geschmäcker musizieren?
Die eigene Seele vergessen?
Sich mit fremden Worten erpressen?

Das eigene Ich
Verliere sich.

Denn das Leben fordert
Keine persönliche Note,
Für die täglichen Brote.

Das Leben fordert
Zusammenhalt

Auf Kosten von
Rückhalt.

Das eigene Ich
Verliere sich.

Also verbiege dich für den Einen,
Entschuldige dich beim Anderen,
Verstecke dich vor Jedem,
Werd‘ selbst zum Fremdem.

Moment.

Halt.

Stopp!

Wer ist dieses leere Gesicht,
Das zu mir aus dem Spiegel spricht?
Dieses gebrochene Lächeln,
Dessen Züge schwächeln,
Hat wohl die Abfahrt verpasst
Und ist vor Jahren verblasst.

Das eigene Ich
Vergesse es nicht.

Minki und die Schränke I

(Nach sehr vielen wahren Geschichten)

Minkis Hobbys waren eher begrenzter Natur. Immerhin schränkte die Stadtwohnung viele seiner Freiheiten aufs Diabolischste ein. Die Fenster blieben über die meiste Zeit verschlossen, die Tür nach draußen verriegelt, der Besuch fiel viel zu mickrig aus und keiner dieser Gäste wusste seine Anwesenheit angemessen zu würdigen!

Alles in allem hatte der Kater nur wenige Möglichkeiten, sich den Tag zu versüßen. Klar, er konnte sein Fell auf den Polstern hochwürgen oder sich Essen stehlen, Wände ankratzen, auf die eckigen Bäume klettern und dort Dinge runterkicken oder mal versehentlich das Katzenklo verfehlen. Aber irgendwie war der Frau seines Retters immer viel zu schnell bewusst, dass er der Übeltäter hinter alledem war.

Die alte Zweibeinerin hatte ihn bereits mehrfach fluchend den Flur hinuntergejagt und mit diesen lästigen Kittelträgern oder Essensverboten bedroht. Es waren Horrorvorstellungen, auf die unser Protagonist dankend verzichten konnte.

Wie gut, dass Minki also kein gewöhnlicher Kater war. Während die meisten Exemplare seiner Art sich wohl schlafend zusammengerollt und ihr Schicksal in allen neun Leben akzeptiert hätten, so entschied er sich stattdessen, seinen Horizont zu erweitern.

Wenn auch nur, um es dieser felllosen Monstrosität heimzuzahlen.

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AdHdEk: Die Geburt

Tod

Als er die Augen das erste Mal öffnete, erfüllte ihn ein Name. Es war ein sturer Name, der sein Wesen gänzlich einnahm. Ein Name, den er nicht verstand. Den er für böse hielt. Der richtig und falsch zugleich schien und – und dennoch! Dennoch spürte er, welche Rolle dieser Name im großen Ganzen spielte, wenngleich er es nicht in Worte zu fassen glaubte-

Wenngleich er das große Ganze nicht zu begreifen erhoffte.

Was er wusste, war… Nichts. Und trotzdem fühlte er sich, als müsse er nur an einem einzigen Gedanken festhalten, um alles zu wissen. Um diese trostlose Einöde zu verstehen, die ihn umgab. Diese… Erde? Diese zerrissene tote Erde, die kein Feuer in sich trug. Kein Wasser. Keinen Geist. Nicht mal eine Seele.

Eine Seele?

Was war eine Seele?

Warum kümmerte sie ihn?

Er wandte sich ab. Zog sich hoch. Fand heraus, dass sein Körper sich nicht entscheiden konnte. Dass sich seine Knochen noch formten. Dass das Fleisch sich noch wandelte. Experimentierte.

Erst hatte er ein Bein.

Dann plötzlich zwei.

Dann vier.

Seine Arme wurden erst länger.

Dann kürzer.

Sein Rücken juckte und er spürte etwas daran wachsen.

Er sah Flügel, spürte Hörner und einen Schwanz aus ihm sprießen.

Und dann?

So erschreckend schnell wie es begann, stoppte es wieder. Die Flügel waren verschwunden. Die Hörner geschrumpft. Der Schwanz abgefallen. Einzig zwei Beine trugen seinen Körper keuchend aufrecht. Einzig zwei Arme mit zwei Händen umklammerten seinen Kopf.

Seinen Kopf mit diesen kleinen Dellen. Mit diesen Hörnern.

Hörner, die sich falsch anfühlten.

Die dennoch blieben.

Er zwang seine Füße einige unsichere Schritte voran. Ließ sie ihn tragen. Vertraute ihnen.

Konnte rennen.

Konnte springen.

Noch ehe er die Worte verstand.

Und dann stolperte er.

Er fiel der Länge nach hin. Spürte, wie seine Knie schmerzten. Wie schwer sich sein Körper anfühlte. Wie sehr sich seine Glieder weigern wollten, wieder aufzustehen. Wie er viel lieber liegen bleiben wollte. Wenn nötig auch für immer!

Sodass er nie wieder verletzt werden würde.

Und so fand sie ihn.

Bist du auch tot?

Müde blickte er auf diese neue Kreatur.

Sie war klein. Sah ihm so ähnlich.

Hatte zwei Arme. Zwei Beine.

Silbernes Haar.

Große violette Augen.

Ich bin Tod.

Seine Stimme klang ruhig. Tief. Nicht so hoch wie ihre und überrascht drehte er sich um. Er starrte sie an. Sah, dass sie ihn verstanden hatte.

Lauschte ihrem Kichern.

Dann bist du so wie ich?

Ihre Worte irritierten Tod. Ohne an seine Ängste zu denken, setzte er sich auf. Er beobachtete das Mädchen, das ihm gerade so auf Augenhöhe begegnete. Das so klein war. So zierlich.

Er wollte sie beschützen.

Kann sein. Oder du bist wie ich.

Er legte den Kopf schief. Spürte, wie sie seine Hörner betrachtete. Ließ sie die Hände danach ausstrecken. Sie berühren.

Und mit der Berührung verstand er plötzlich, warum er die Augen nicht von ihr nehmen konnte. Warum er sie so sehr anstarrte. Nichts anderes in dieser Einöde mehr sehen konnte.

Für sie war sein Licht.

Und er eine so dunkle Finsternis.

Er konnte es sehen. Wie dieses Licht sie erfüllte. Konnte eine Flamme sehen. Ein warmes Etwas, das ihr ganzes Wesen erstrahlen ließ. Konnte darin eine Energie finden. Eine Abhängigkeit, die er vorher nie zu beschreiben gewusst hätte.

Sowas hab ich nicht…

Ihre Worte klangen neidisch. Aber auch überrascht und neugierig. Als könne sie seine Hörner nicht verstehen. Als sähe sie kein Zweck in ihnen.

Sie streichelte über die toten Erhebungen.

Zog langsam die Hände zurück.

Dafür stehen dir die Haare besser.

Sie lachte. Es war ein so klares Lachen., als würde sie plötzlich glücklich mit ihm sein.

Na dann! Muss ich wohl gut genug für uns beide aussehen!

Sie drehte sich weg. Tanzte über die tote Erde und summte dabei eine Melodie, die von ihrem Glück erzählte.

Die sein Herz erwärmte.

Er beobachtete, wie ihre Schritte über die Erde glitten. Sah, wie ihr Feuer aufloderte. Dieses Licht, das das gesamte Zwielicht vertrieb. Das diesen kalten Stern im Himmel aufleuchten ließ. Das in die Erde glitt.

Er schob die Hände über den Boden. Glaubte ein Pochen zu spüren. Ein Gesang, der von ihrer Melodie geweckt wurde. Ein Rhythmus, dem noch die Instrumente fehlten. Der trotzdem beschloss, den Anfang zu machen.

Und dieser Symphonie zu verfallen.

Was ist? Willst du ewig da rum hocken?

Ihre Frage irritierte ihn.

Ihr Lächeln verzauberte ihn.

Seine Beine standen aufrecht, ehe er verstand, wieso.

Hör nicht auf.

Seine Bitte klang so egoistisch. Zumindest in seinen Ohren.

Er beobachtete, wie sie nickte.

Wie sie in die Hände klatschte.

Wie um sie herum die Welt erwachte.

Wunderschön.

Er starrte auf ihre Flammen. Auf ihr Licht. Auf diesen wundervollen Glanz, der den Boden begrünte. Der der rissigen Erde etwas schenkte. Der ihn veränderte. Ihn schuf. Ihn liebkoste. Ihn wieder veränderte. Bunt werden ließ. Stärkere Grünlinge erschuf.

Grünlinge? Nein. Das waren Bäume.

Und Blumen.

Gras.

Pflanzen.

Du bist ein Wunder…

Irritiert öffnete sie die Augen. Bedachte die Idylle, die sie selbst erschaffen hatte, so verwundert. So überrumpelt.

Sie schüttelte den Kopf.

Nein. Ich bin nur Leben.

Uneinsichtig ins Verderben

Das Lachen erklang.
Die Abscheu gelang.
Gemeinsam erfüllten sie den Raum.

„Pflanzet einen Baum.

Lasset ihn sprießen,
Die Äste hoch hinauf fließen…
Lasset ihn recken,
Sich strecken,
Die Wolken lecken,
Den Himmel verdrecken…

Isset es kein Abschaum,
Dieser Baum?
Er ist natürlich,
Unwillkürlich
Ein Alptraum.

So wachset er und -Was?
Macht er etwa die Erde nass?
So raubt er doch Wasser,
So raubt er Platz,
Dieser mickrige, kleine Spast!
Wandelt stumm
Die Luft um.

Das kann doch nicht weiter wichtig sein!“,

Sagte er stur
Und ging ein.

Das Alte erkennt selten,
Die Wunder dieser Welten.
Die kleinen, unscheinbaren Dinge,
Die ihren Hals retten wollten
Aus der drohenden Schlinge.

Sie hatten die Fehler erkannt,
Einsicht erlangt,
Konsequenzen verlangt,
Probleme benannt,
Die Situation nicht länger

Verkannt.

M: Erwischt!

Jane ließ gedankenverloren den Stift über das Papier schweben. Erschöpft überflog sie die nächsten Aufgaben. Übungen, wie sie auch George neben ihr lösen musste, während seine jüngeren Geschwister auf dem Teppich spielten oder sich an einigen aktiveren Projekten versuchten.

Wie Jane die Kinder doch beneidete!

Und wie sehr sie doch ihre Schwester beneidete. Immerhin ging diese nun auf eine richtige Schule. Mit Mitschülern in ihrem Alter. Sie lernte nur die Dinge, die man auf der Straße als normal bezeichnete. Mathe. Sprachen. Naturwissenschaften. Sport. Kunst.

Ganz anders als das hier.

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Fujis Auferstehung

Manche Erinnerungen verblassen über Nacht wie ein Traum, der sich in der Tür geirrt hatte. Andere vergehen mit der Zeit wie ein Baum der stetig und schläfrig seine Äste gegen den Himmel reckt. Im Endeffekt sind sie nur noch wirre Schatten, die zwischen unendlich vielen Gedanken umherschwirren. Unsicher flattern sie durch den Geist. Nehmen ab und zu Formen an. Erkennen das Déjà-vu. Lassen es im Winde vergehen. Schweben in Nostalgie, die sie nicht verstehen…

Das Leben ist zu kurz für all diese Gedanken.

Die Wassertropfen in der Atmosphäre schoben sich weiter zusammen.
Unruhig flogen sie umher – verzerrt von Wind und Wetter. Die kleine Wolke hatte sich erst vor wenigen Stunden gebildet und wäre seitdem schon mehrere Male beinahe von anderen, größeren verschluckt worden, ehe sie sich nun mit einer anderen kleinen verschmolz.

Gewaltig ragte eine finstere Wolke neben ihr auf und strich wortlos an ihr vorbei. Zwischen ihnen prickelte die Luft. Die Atmosphäre versuchte, Nieser aus ihren Nasen zu kitzeln. Der Wind juckte. Die Sonne war hinter einem Schleier von grauen, dunklen Massen verschollen.

Ein Bild von einem freudigen Feuerball schoss durch den Kopf der Wolke.

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