B: Die Lüge im Spiegel

„Guten Tag. Mein Name ist Lia- Nein. Ich meine, ich heiße Lian- Argh! Es freut mich, euch kennenzulernen. Ich bin Lia-“, wütend fuhr sie sich durch die offenen Haare und wandte sich vom Spiegel ab.

„Liane. Liane. Liane. Lian… Lili-“

Hastig biss sie sich auf ihre Zunge. Nein. Sie war nicht Lilith. Sie war Liane. Benannt nach der Mutter ihres Vat-

Vat-

Vate-

Erschöpft ließ sie sich auf ihr neues Bett fallen. Auf dieses neue Bett. In diesem viel zu großen Zimmer. In diesem viel zu großen Haus. In diesem Haus, das sie von Isa Silver geerbt hatte. Von Isa Silver, die ihre Mutter gewesen sein sollte. Die sich nicht wie ihre Mutter anfühlte … Es fühlte sich so falsch an. Alles fühlte sich so falsch an!

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Minki und das Glöckchen I

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Minki spürte, dass etwas im Busch war, sobald die Tür aufging. Diese Zweibeinerin … Die Tochter seines Retters … Sie kam so leise auf ihn zu. So vorsichtig. So zögerlich …

Es behagte ihm nicht.

Langsam hob der Kater den Kopf und betrachtete die Felllose warnend. Egal, was sie vorhatte, sie sollte es gewiss zügig überdenken! Er würde sich nicht noch einmal wie ein Spielzeug von ihr rumschubsen lassen. Sollte sie sich doch eine andere Beschäftigung suchen. Er wollte seine Ruhe!

Ein Lächeln legte sich auf ihre Züge. Es wirkte so zart. So zerbrechlich! Wenn er die Zweibeinerin nicht besser kennen würde, hätte er diese Mimik als Olivenzweig angenommen. Er hätte sie wie eine tote Maus gewertet, die ihm entschuldigend dargeboten wurde.

Aber Zweibeiner fingen keine Mäuse.

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M: Über die Familie

Lucifer atmete tief ein. Dann aus. Sachte rollte er seine Schultern nach hinten.

Noch immer konnte er die Wunde auf seinem Rücken spüren. Sie brannte. Jedoch war kein Gift dafür verantwortlich. Eher der Verrat, der ihn pochend verfolgte. Der ihn mit seinen Krallen in der Nacht heimsuchte. Der seine Messer nach ihm-

Wie hatte er ihr nur vertrauen können?!

„Und ihr seid heute Abend zurück?“, fragte der Junge gerade die Polizistin. Sue. Oder Lydia. Was wusste Lucifer schon. Sie war unwichtig. Der Bengel war unwich-

Nein.

Lucifer atmete nochmal durch.

Der Junge war nicht unwichtig. Er war Angelines Bruder. Er kümmerte sich um das Baby. Um seinen Neffen. Er blieb zurück, während der Rest auszog, um Michael zu retten. Dieser Junge gehörte zu seiner Familie. Er …

Er ähnelte Michael.

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Reminiscing: Brief

Erneut wird ein Brief den Klappentext von Merichaven ersetzen. Diesmal wird jedoch auch im Buch aufgeklärt, wann die Briefe entstanden sind und warum sie mit jedem Wort an Emotionen gewinnen.

Und wer die Briefe verwahrt hat.

Was haltet Ihr also von einer kleinen Reise in die Vergangenheit? Lasst uns doch ein wenig in Erinnerungen schwelgen, ehe wir uns der Zukunft zuwenden.

Nur so können wir doch den morgigen Tag lächelnd begrüßen, oder?

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In Schubladen

Schuhe hier hin.
Hosen da hin.
Blusen dort hin.
Socken, wohin?

Alles hat seinen Platz.
Ob hier, ob da, ob dort…
Kaum mehr als ein Wort?

Alles hat seinen Platz.
Alles hat seinen Ort.
Alles muss fort…

Alles wird durchnummeriert.
Alles wird wegsortiert.
Alles wurde renoviert.

Nach dem Bild unserer Gesellschaft.

Ob nun Kleidung oder Wissen,
Nichts will seinen Platz missen.
Nichts soll seinen Platz missen. 
Nichts darf seinen Platz missen?

Menschen werden zugewiesen!
Ob sie nun klein sind oder Riesen.
Wer sich sträubt wird eingewiesen:

Mädchen sind pink, Jungen blau.
Manche sind dumm, manche schlau.
Kinder werden nach Bildung sortiert.
Extreme gelten aussortiert.
Der Standard wird nominiert.
Alles andere sei zu „kompliziert“.

Die einen sind Schuhe,
Kamen zuvor aus guter Stube,
Kamen zuvor aus guter Schule,
Sind nie zu finden in einer Grube.

Die nächsten sind die Hosen,
Sie gelten als dumme Dosen.
Keiner kann sie je liebkosen,
Sind mehr Stacheln als Rosen!

Dort hinten sind die Blusen,
Die Kreativen mit den vielen Musen.
Sie sind die stets konfusen
Heulsusen.

Und zuletzt die Socken,
Die bocken,
Waren stets am Zocken,
Konnten nur schocken,
Ihre Gegenparts nicht locken
Und sind nun auf ewig allein…

So soll es richtig sein?
Das soll unsere Gesellschaft sein?
Das soll unser Leben sein?
Das soll unsere Zukunft sein?!

Ein Leben in Schubladen…
Gehört umgedacht.

Ein Leben in Schubladen
Gehört ausgelacht.

Ein Leben in Schubladen
Gehört abgeschafft.