Das Schokoei

Auf dem Tisch lag ein Schokoei.
Nun ist es nur noch Plauderei.
Der gold‘ne Müll die Platte ziert.
Das Süße ist pulverisiert.

Zwei Verdächtige sind gefunden.
Sie stehen in sich versunken.
Sie halten die Schultern verrenkt.
Wirken beinahe gekränkt!

„Wer war es?“, frage ich.

Doch keiner spricht.

Beide üben sich in Schweigen,
Lassen sich zu nichts treiben.
Lippen versiegelt, Kopf gesenkt,
Die Wahrheit zwischen ihnen ertränkt!

Verzweifelt tret‘ ich hinaus,
Schreie meine Sorgen raus!
Sammle mich genervt nochmal.
Höre ein Flüstern – so fahl!

Ein Plan wird ausgeheckt.
Ein Plan, der alles versteckt.
Ein Plan aus purem Respekt.
Ein Plan, der mich erschreckt …

So aß jeder ein halbes Ei,
So wünschen sie sich Gerechtigkeit herbei.
So soll keiner allein‘ büßen,
So waren beide verzaubert vom Süßen.

Einer will ihre Idee verantworten.
Einer übernimmt die gierigen Pfoten.

Perplex starre ich die Tür an –
Eingezogen vom Wortebann.
Diese Übeltäter – alle zwei –
Verstehen doch so allerlei.
Sie wünschen sich Frieden, Harmonie!
Und spielen die süßeste Symphonie.

Des Ruckes Echo

Ruck. Leben. Ruck. Leben.
Ein stetiges Beben.

Alles verdreht. Alles verschoben.
Das zweite Kind fühlt sich verloren.
Der Rhythmus ihr Leben verbaut.
Der Rhythmus ihre Kindheit raubt.

Sei froh, du bist gesund!
Rufen Ärzte ihr zu.
Nun halt deinen Mund!
Ertönt es immerzu.

Ruck. Leben. Ruck. Leben.
Ein stetiges Beben.

Sie zieht sich Stück für Stück zurück.
Weint tief in ihr Kissen gedrückt.
Zugleich kämpft der erste ums Leben,
Lernt neu, mit diesem Ruck zu gehen.

Ruck. Leben. Ruck. Leben.
Ein stetiges Beben.

Ich zerreiße mich vor beiden.
Verstecke meine Leiden.
Wir erbauen Burgen und Träume,
Erschaffen fantasievolle Räume,
Lassen die Einhörner drin tanzen
Und Piraten ziehen Bilanzen.

Ruck. Leben. Ruck. Leben.
Ein stetiges Beben.

Der Ruck bestimmt nicht ihre Tage.
Sein Echo nicht die Kindheitsfrage.
Ärzte, Medizin und Zahlen
Werden im Spiel zermahlen.

Ruck. Leben. Ruck. Leben.
Ein stetiges Beben.

Der erste kann nun wieder leben.
Man muss ihn kaum noch pflegen,
So kann er auch alleine gehen!

Die zweite traut sich zu lächeln.
Sie weiß, sie darf auch mal schwächeln.
Sie muss nicht immer g‘rade stehen …

Ruck. Leben. Ruck. Leben.
Ein stetiges Beben.

Stark müssen sie nicht sein.
Sie sind ja uns‘re Kinderlein.
Sie muss sich nicht kümmern.
Er wird nicht verkümmern.

Ruck. Leben. Ruck. Leben.
Ein stetiges Beben.

Denn wir sind für beide da.
Wir schützen sie mit Ruck.
Wir schützen sie ohne Ruck.
Wir schützen vor dem Druck.
Wir schrecken nie zurück!

Ruck. Leben. Ruck. Leben.
Ein stetiges Beben.

Und beide Kinder werden gesehen.
Die Ärzte müssen’s nicht verstehen.

Ruck. Leben. Ruck. Leben.
Ein stetiges Beben.

Denn mit der Empathie in ihrem Herzen,
Erfüllt sein Ruck auch sie mit Schmerzen.

Der Ruck

Stets normales Leben.
Tagein. Tagaus.
Alltägliches Streben.
Tagein. Tagaus.

Doch ist immer viel zu viel zu tun:
Lernen, Arbeit und Konsum …
Dann kommt der Ruck.
Und alles wird schwarz.

Es begann sachte – mit weniger Gewicht.
Es begann sachte – mit verschwommener Sicht.
Der zehnte Becher wird nun geleert.
Die Unruhe an der Seele zerrt.

Sie vergeht bestimmt schon bald,
Hoffe ich, so zitternd kalt.
Dann kommt der Ruck.
Man fliegt aus den Charts.

Es geht nicht um mich selbst.
Daher kann ich nur mutmaßen.
Es geht nicht um mich selbst.
Ich kann mein Kind nur bespaßen.

Es wird besser.
Vielleicht habe ich mich geirrt?
Es wird besser.
Und der Ruck hatte sich verirrt?

Plötzlich wippt es auf und ab.
Plötzlich wirkt es viel zu schlapp.
Plötzlich glaubt es zu verdurst-

RUCK!

Blaues Licht.
Sirenen.
Wilde Stimmen.
Sie reden.
Worte.
Viel zu viele!
Fragen.
So unendlich viele!

RUCk!

Blutwerte.
Piepen.
Wirre Zahlen.
Ein Fiepen.
Meine Stimme ist weggebrochen.
Meine Stimme wird neu gegossen.

RUck!

Ich kann nicht mehr sitzen.
Ich kann nicht mehr stehen.
Kann kaum noch zuhören.
Oder gar verstehen …

Ruck!

Der Ruck gehört nun zum Alltag dazu.

Ruck.

Frühere Sorgen vergehen im Nu.

Ruck.

Er ist des Kindes zweites Herz.

Ruck …

Und ohne ihn mein größter Schmerz.

Apokalypse

In erdrückender Kälte
Sehe ich dich.

Im zerrenden Wind
Höre ich dich.

Einsam sitzt du dort, allein, nur du!
Bibbernd trägst du keinen einzigen Schuh.
Tränenstraßen kleben auf deiner Wange.
Tränenstraßen, wegen derer ich um dich bange.
Die Kleidung schief und viel zu groß,
Dennoch zogst du das bessere Los?

Das Los zu leben.
Das Los zu trauern.
Das Los zu pflegen,
Was noch nicht tat versauern.

Du wartest auf den Bus,
Ob er für dich hält?

Du wartest auf den Bus,
Ob er kommt, wie bestellt?

Du wartest auf den Bus,
Hast aber kein Geld …

Alles Geld ist vergessen.
Es dreht sich nur noch ums Essen.
Es dreht sich nur noch ums Überleben.
Es dreht sich alles ums falsche Geben.

Wer auf Versprechen zählt ist verloren.
Diese Menschen sind bald erfroren.
Sie werden vom Winter gefordert,
Werden zu den Toten beordert …

Angespannt schüttle ich mich,
Dorthin sollst du nicht!
Ich will deine Fähre zahlen.
Ich will dir nehmen die Qualen!

Der Bus hält und ich steige ein.
Ich schaue zurück, sehe dich allein.
Winke dich zu mir, rufe dich!
Nur erwiderst du es nicht …

Denn ich sehe, wie du dich nicht regst.
Ich sehe, wie du dich nicht bewegst.
Sehe, deinen glasigen Blick.
Weiß, für dich gibt es keinen Weg zurück …

Ich zahle meine Fähre:
Mit drei Äpfeln auf die Leere.
Einer landet prompt beim Fahrer im Mund.
Er nickt, fährt fort über wankenden Grund.
Er schaut nicht zu dir, scheint dich nicht zu seh’n,
Während ich dir flüster‘: „Auf Wiederseh’n“.

Verschluckt

Der Wind rennt durch Äste, durch Blätter.
Er singt vom stürmischen Wetter.
Er tanzt zu seinem eigenen Lied,
Ein Lied, das nur er liebt.

Denn der Rhythmus ist fordernd,
Denn die Töne sind lodernd,
Denn die Melodie ist in Moll.
Denn so zahlst du den Zoll.

Den Zoll des Verschluckens.
Den Zoll des Geheules.
Den Zoll des Verbergens.
Den Zoll des Diebstahles!

Der Wind ist ein Dieb!
Ein Dieb, den niemand sieht.
Ein Dieb der Worte.
Ein Dieb mit forte!

Sprichst du leis,
Hört man dich nicht.
Brüllst du laut,
Lacht er dir ins Gesicht!
Er achtet keinen Schweiß,
Verschenkt lieber stets Laub –

Blätter mitten in den Mund,
Eh er sich lacht rund!