Motte

Motte,
So nanntest du mich.
Ein Name, der so vieles verspricht.
Ein Wesen – ganz klitzeklein.
Immer angezogen vom Schein.

Motte,
Sie versteckt sich im Laub
Mit Flügeln voll Staub
Mit Fühlern so zart
Ist sie von anderer Art.

Motte,
Denn was soll ich
Mit Titeln wie kleiner Wicht,
Krümel oder Knutschkugel
Bin ich denn euer Pudel?!

Motte,
Ein einzigartiger Name,
Ich schließe ihn in meine Arme.
Ich nehme ihn an,
Lasse nichts anderes heran.

Motte,
Ich halte fest an dem Klang,
Halte fest an dem Gesang.
An dem Gesang vom Licht,
Das so vieles verspricht.

Eine Motte.
Das bin ich.


Der Fluch

Pinselstrich
Um Pinselstrich.
Erkennbar im matten Licht
Das eingefall’ne Gesicht.

Verfilzte Haare,
Asche und Ruß.
Weil es keine zehn Jahre
Alte gewesen sein muss.

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen
Taten.

Soll es verwirktes Leben
Wirklich immer geben?

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen
Sünden.

Soll dieser endlose Schmerz
Wirklich einziehen ins Herz?

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen-
Nein!

Dies ist kein Ende.
Dies ist kein Punkt.
Es ist ein Und-
Und eine Rückblende.

So erklärt dieser Fluch
Den wütenden Besuch
Der lodernden Hölle.

Einsamkeit

Hörst du das?

Diese Stille?

.

.

.

Verlassen, allein,

Gebrochener Wille?

.

.

.

Mir ist nicht kalt,

Mir ist nicht warm.

.

.

.

Dennoch hält mich

Keiner im Arm.

.

.

.

Das Herz wird

Zerdrückt,

Fortgerückt,

Verrückt?

Verrückt von der Einsamkeit?

.

.

.

Verrückt von dem,

Was keinen befreit.

Was keinem-

-hilft.

.

.

.

Einsamkeit:

Ruhestunde.

Klaffende Wunde?

.

.

.

Ist’s doch still,

Weil auch ich

Schweig.

.

.

.

Ist’s nicht mein Will,

Fehlt mir der

Zweig?

.

.

.

Nein.

Nicht ein Ast.

Mir fehlt ein Mast.

Ein Mast des Vertrauens?

Einer, der mich hält?

Einer, der mich schelt?

.

.

.

Einer, der mich beschützt.

Einer, der mein Innerstes

Beglückt.

Mit seinem Lächeln.

.

.

.

Deswegen fehlt der Ton.

Deswegen fehlt die Musik.

Deswegen fehlt der Rhythmus.

Ein sanftes Wiegenlied.

.

.

.

Es fehlt und ich schrei!

Ich schrei mir Hilfe herbei!

Ich suche die Arme!

Ich suche den Weg –

.

.

.

Den Weg aus der stillen

Einsamkeit.

Tintenfleck

Tropf! Heck!
Tintenfleck!
Geht nimmer weg.

Nicht vornehmlich,
Nein!
Sondern hämisch,
Glänzt es obendrein!

Sollte dort doch das Papier weiß bleiben.
Sollte dort doch die Pause verweilen.
Die Pause, die dem Satz
Vermacht einen Schatz.

Und nun?

Nun findet sich ein fetter Fleck
-ein Schreck!-
Und erfüllt keinen einzigen Zweck.

Die Tinte zerrinnt.
Die Farbe beginnt,
Fort zu fliehen,
Muster zu ziehen.

Ein Strich dort.
Ein Kringel hier.
Eine Gabelung da.
Ein Gewirr vor mir.

Etwas Wirres?
Etwas Schönes.
Etwas Einzigartiges!
Etwas-

Etwas, das mein Herz erstrahlt,
Während es munter weitermalt.

Ich muss wohl redigieren
Und darf es nicht korrigieren.

Dieser Tintenfleck
Kommt hier nicht weg.
Er ist auf diesem Papier
Richtig bei mir.  

Zwischen den Seiten

Zwischen den Seiten
Finden sich:
Mehrere Verse, Zeilen,
Eines Gedichts.

Das Papier duftet nach Altem,
Weiß sich kaum zusammenzuhalten.
Weiß sich kaum zu offenbaren,
Versteckt sich in vergessenen Tagen.

Doch die Tinte,
Und die Worte
Über ferne Orte,
Über ferne Welten,
Über fremde Wesen,
Die alles anders sehen,
Die anders fühlen,
Die im Licht verglühen,
Deren Hoffnungen und Träume,
Und deren soziale Zäune,
Uns mitreißen.

Wie mögen die heißen?

Es raschelt,
Aufgestachelt
Flattert das Papier
Fort von mir.

Die nächste Seite wartet gewiss.
Und darauf ein wunderbarer Bliss.