Winter

Weiß. Flockig. Strahlend.
Die Welt bemalend.
Ein sanftes Kleid,
Der Gelassenheit.
Oder Einsamkeit?

Einst trennte es:
Dich und mich.

Einst nahm es:
Unser Licht.

Denn so hell sie doch sind,
Die Flocken im Wind,
So stahlen sie den Schein,
Ließen uns allein.
Die Nacht brach heran,
Umarmte ein jedermann.
Wog uns in Abgeschiedenheit.
Wog uns in Friedlichkeit.

So wundervoll der Winter erblüht,
So wundervoll ist er bemüht,
Wundervoll zu sein.

Der Frost ist eine andere Pein.
Glänzend im Angesicht der Sonne.
Fehlt ihm jegliche Wonne-

Winterkleid.
Winterneid.
Winterzauber.
Winterschauder.
Winterfrost-

Nein.

Nicht alles ist wundervoll.
Manches verlangt seinen Zoll.

Bitte seid vorsichtig. So sehr ich den Schnee und den Winter auch liebe, so gefährlich kann er auch sein.

Tickende Zeitbombe

Tick. Tack.
Tick. Tack.
Und: ZACK!
Wer ist ein Wrack?

Sicher bin ich mir nicht –
Nicht mal in diesem Gedicht.
Denn die Unwissenheit erschüttert mich,
Denn die Unwissenheit ergreift dich!

So ist das Schicksal nur in einem gewiss,
Dass man uns eines Tages vergisst.
So weiß keiner hier,
Wann das Schicksal verlangt:
Nach dir.
Nach mir.

Tick.
Tack.
Tick.
Tack…

Werden die Zweifel verbannt.
Ist das arrogant?
Oder sind wir nun verdammt?

Das Leben ist zu vergänglich.
Der Tod unumgänglich.
Die Liebe anhänglich.

Und dennoch tickt in ein Jedem,
Etwas, was keiner kann überleben.

Tick.
Tack.
Tick.
Tack.

Unser Ende naht,
-ob hart oder zart-
-ob gewollt oder nicht-
Hält es, was es verspricht.

So bringt uns unsere Zeitbombe,
In eine düstere Katakombe.
Sie hinterlässt Trauer und Leid
Und ach so viel Einsamkeit!

Wer wird der Gewinner?
Von so viel Gewimmer?

Und wer wird der Verlierer?
Oder gibt es keine Sieger?

Denn so oder so, wurde was entrissen.
Etwas, was wir alle vermissen.

Tick. Tack.
Tick. Tack.

Boom.

Zum Mond

Einsam stehe ich hier,
Blicke in endlose Gier,
Rasend wie ein Tier,
Schier!
Ein wütender Stier.

            Die endlose Dunkelheit.

Die Arme umschlingen den Leib.
Sie verbieten den Neid.
Sie lassen das kleine Boot ziehen,
Können blind nicht fliehen,
Können nur niederknien.

            Erstreckt sich weit und breit.  

Der Mond bekümmert,
Erstrahlt zertrümmert,
Er flimmert und wimmert,
Glimmert und Schimmert,
Heller noch
Als das Loch
Hinter mir.

            Sie nimmt Geborgenheit.

Denn der Leuchtturm ist kalt,
Er ist düster und alt.
Er knirscht und knarrt
Von altem Verrat.

            Wandelt sie hilfsbereit.

Verrat, den das Meer beging,
Als es den Kahn empfing,
Als es mein Urteil verhing.

            Bei jeder Gelegenheit.

Und die Glühwürmchen
Aus dem Türmchen
Lockte.

            In Einsamkeit.

Nun sind sie im Himmel,
Bedecken ihn mit Gewimmel
Mit diesem Mond,
Der dort oben wohnt.
Der so grell und hell erstrahlt
Und meine Glühwürmchen bemalt.

Elf Punkt, Elf Punkt

Elf, Punkt,
Elf, Punkt.

Gerunzelte Stirn, 
Angestrengtes Hirn, 
Angeknabberte Finger,
Beine wie ein Springer.

Ich weiß nicht,
Was die Zeichen soll’n.
Ich weiß nicht,
Was sie von mir woll’n.

Da frag ich mich zurecht: 
Sind die Punkte echt?
Sind die Einsen recht?

Vier Linien-
Von oben nach unten,
Gemalt mit bunten:

Lilien, 
Fuchsien,
Zinnien,
Lobelien.

Dazwischen getunkte,
Disjunkte,
Samenpunkte:

Akazie
Und Pinie.

Doch was soll es mir sagen?
Warum kann es so an mir nagen? 

Dieses Blumengesteck,
Dient gewiss einem Zweck!
Bloß habe ich ihn noch nicht entdeckt…
Oder ist er zu gut versteckt?

Ich muss es wagen!
Da seit Tagen
Mich die Fragen
Plagen-
Oder jagen?

Lächelnd kommst du rein und nickst. 
Nun fühle ich mich ausgetrickst. 
Wie du mir eine Botschaft schickst-
Mit einem einzigen Blick. 

Verständnis erblüht in mir, 
Lässt mich lachen mit dir. 
Wir kuscheln uns gemeinsam ein.
Lassen keine Kälte herein!

So war es doch vor vielen Jahren geschehen. 
Wir hatten uns erstmalig wahrhaftig gesehen. 

Danke für Dich.

Mit Fantasie

Sieh nur, sieh!
Das errätst du nie!
Mit Fantasie
Erblickst du sie,
Die gesamte Galaxie!

Blau und Weiß sind ihre Farben,
Doch wollen sie’s bunter haben.

Rot und Rosa, Gelb, Orange-
Eine wahre Melange
Oder Revanche?

Eine Revanche an Ältere,
Die einst emporblickten,
Wunder abnickten,
Diese wegschickten,
Ihre Jugend abknickten.

Sie konnten die Bilder nicht mehr seh‘n,
Sie konnten die Märchen nicht mehr versteh’n.

Stattdessen wurde der Blick gesenkt.
Die Arbeit hat sie seither beschenkt.
Die Bildung hat sie fortgelenkt.

Fantasie wollte keiner mehr haben.
Keiner wollte sich an Wundern laben.

Damit wurde der Himmel dunkel
Und man sah nachts nicht einen Funkel.
Der Mond verbarg sich im schwarzen Teer-
Wolkenbehangen wirkte es leer.

Eine Revanche an Ältere?
Aber doch auch an Jüngere!
Jüngere, die zu früh erblinden,
Die ihren Weg nicht finden,
Die die Tradition nicht überwinden,
Die sich stattdessen abschinden,
Und sich im Teufelskreis befinden.

Denn nur mit Fantasie,
Erblickst du sie,
Die einzigartige Galaxie,
Geschichten voller Magie,
Farben mit Melodie,
Welch Philosophie!
Oder gar Ironie?

Die Zukunft

Die Flammen sie zerren
Die Zukunft hinfort.

Die Meere sie fluten
Hoffnung immerfort.

Veränderungen fordern
-schlussendlich-
Die Leben – sofort!

Denn was man auch wünscht,
Was man auch glaubt,
Ist nichts zu alledem,
Was uns den Atem raubt.

So lasset den Komfort ruh’n.
So lasset Effort erblüh’n!

Anstrengungen werden belohnt,
Mit Jahrzehnten in denen
Gefüllt von Streben
Nachwuchs hier wohnt.

Kinder, die sich freuen,
Die nicht die Sonne scheuen,
Die Regenbogen sehen,
Polarlichter verstehen.

Und all die Tierarten,
Die sich allein finden im Garten
Die gerettet wurden von Taten,
Winzigen Schritten, die Gutes wahren.

Ist das nicht ein besseres Bild?
Als das in dem
Die Menschheit die Welt grillt?

Viele wollen helfen,
Erzählen viel,
Handeln nur selten.

Doch ist das nicht genug.

Der Mord der Erde
Wird nicht gestoppt
von dem Wort der Ehre.

Das eigene Ich

Das eigene Ich
Verliere sich.

Der Eine wolle dies.
Der Andere wolle das.
Ein Jeder will alles.
Doch keiner will – was?

Sich zwischen den Leuten verlieren?
Einzig für fremde Geschmäcker musizieren?
Die eigene Seele vergessen?
Sich mit fremden Worten erpressen?

Das eigene Ich
Verliere sich.

Denn das Leben fordert
Keine persönliche Note,
Für die täglichen Brote.

Das Leben fordert
Zusammenhalt

Auf Kosten von
Rückhalt.

Das eigene Ich
Verliere sich.

Also verbiege dich für den Einen,
Entschuldige dich beim Anderen,
Verstecke dich vor Jedem,
Werd‘ selbst zum Fremdem.

Moment.

Halt.

Stopp!

Wer ist dieses leere Gesicht,
Das zu mir aus dem Spiegel spricht?
Dieses gebrochene Lächeln,
Dessen Züge schwächeln,
Hat wohl die Abfahrt verpasst
Und ist vor Jahren verblasst.

Das eigene Ich
Vergesse es nicht.

Uneinsichtig ins Verderben

Das Lachen erklang.
Die Abscheu gelang.
Gemeinsam erfüllten sie den Raum.

„Pflanzet einen Baum.

Lasset ihn sprießen,
Die Äste hoch hinauf fließen…
Lasset ihn recken,
Sich strecken,
Die Wolken lecken,
Den Himmel verdrecken…

Isset es kein Abschaum,
Dieser Baum?
Er ist natürlich,
Unwillkürlich
Ein Alptraum.

So wachset er und -Was?
Macht er etwa die Erde nass?
So raubt er doch Wasser,
So raubt er Platz,
Dieser mickrige, kleine Spast!
Wandelt stumm
Die Luft um.

Das kann doch nicht weiter wichtig sein!“,

Sagte er stur
Und ging ein.

Das Alte erkennt selten,
Die Wunder dieser Welten.
Die kleinen, unscheinbaren Dinge,
Die ihren Hals retten wollten
Aus der drohenden Schlinge.

Sie hatten die Fehler erkannt,
Einsicht erlangt,
Konsequenzen verlangt,
Probleme benannt,
Die Situation nicht länger

Verkannt.

Erholende Ruhe

Inmitten von Geschrei, Geplär,
Hupen, Kreischen, dem ganzen Verkehr,
Den Tönen der Feuerwehr
Und so vielem mehr!
Kommt man heut‘
Zwischen all den Leut‘
Stets bereut
Nicht erfreut
Einfach
Nimmermehr
Zur Ruh.

Stets steht etwas an.
Stets wird man gerufen.
Stets gibt es was zu tun.
Stets sitzt man zwischen den Stufen.

Aufgaben stapeln sich,
Die Arbeit wartet nicht,
Sie fordert dich!

Sie fordert dich
Ein,
Heraus,
An,
Immerzu,
Ohne Ruh.

Denn das Leben wurde durchgeplant.
Es hat sich Deiner nicht erbarmt.
Es hat die Jahre ermahnt.
Einen Zeitplan entsandt.

Erst hierhin
Dann dorthin.
Zieht es dich
Von A
Nach B
Zu C
Über D
Hinaus zu E
Hinfort zu F…

Der Schlaf ist auf die Minute datiert,
Das Träumen wurde dreifach halbiert.
Stattdessen nahm das Lernen zu,
Das bisschen Arbeit schaffe man doch im Nu!
Pausen wurden abgeschafft,
Der Tag weitestgehend gestrafft.

Erholung wäre überbewertet,
Die Herzen seien alle verhärtet!
Ach, wann werde ausgewertet:

Der Stress in jungen Tagen
Im Vergleich
Zu den erholsamen Jahren,
Die doch nicht jeder von uns
erreicht.

Kletternde Erwartung

Wie auf einer Skala
Rennt es hinauf.
Hitze obsiegt,
Gewinnt jeden Lauf.

Die Temperaturen steigen
Strich um Strich.
Mit ihnen vergeht
Ein sanftes Licht.

Phantasie ist zweitrangig,
Freude vergeht.
Dem Glück wird bange,
Spaß verweht.

Denn gefordert wird viel,
Gefordert wird alles,
Gefordert wird stets,
Die Seele des Krawalles.

So heißt es:
Lernen. Trainieren.
Üben. Musizieren.

So wird verlangt:
Werd‘ besser. Werd‘ besser.
Zur Not auch mit Messer!

Wird man schlechter,
Hat man versagt.

Wird man nicht gut,
Man hat es gewagt!

Gewagt zu verlieren.
Gewagt zu enttäuschen.
Gewagt diese Erwartungen,
Die täglich mehr verlangten,
Die täglich höher sprangen,
Die täglich fordernd langten,
Nicht zu erfüllen!

Egal sind die Umstände.
Irrelevant alle Einwände.
Und wenn man Ruhe fände,
Sich entfremde,
Bestände,
Auf ein baldiges Ende,
Wird man gefragt:
Warum man sich abwände?

Warum verletzt man jene,
Die alles für einen gäben?
Wahrlich ist es nicht fair!
Erkennt man nicht den Segen?
Den Segen, den man durch sie erlangt,
Der sicherlich nicht zu viel verlangt!

Denn diese klitzekleinen Erwartungen,
Die ja nur mit dem Alter,
Die einzig mit dem Können,
Mit dem Erlernten und Obsiegten
Stiegen-
Sie waren doch sicherlich nicht zu viel?

Sie waren doch sicherlich
Rechtens und
Motivation,
Kein Grund zur folgenden
Separation.

Separation von Kindern
Zu ihren Eltern,
Zu ihren Lehrern,
Den drängenden Älteren,
Der inneren Stimme-

Oh, weh! Oh, weh!
Sollte man dieser nicht vertrauen?
Damit man mit deren Imagination,
Die Welt bringt zum Staunen?

Imagination,
Dessen Motivation
Verborgen in Isolation…

So frag‘ ich nun jene,
Die andere fordern,
Und stets herumbeordern:

War das Ziel,
Ein tödliches Spiel,
Nicht ein wenig zu viel?