Minki und die Kakteen

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Es begab sich zu einer Zeit, als Minki frisch bei seinem Retter eingezogen war. Er war noch sehr klein. Sehr jung.

Extrem unerfahren.

So kam es auch, dass der junge Kater alle Kuriositäten bei den Zweibeinern erkunden musste. Zum Beispiel war es wirklich seltsam, dass diese ihre eckigen Steinwände mit so lustigem Papier beklebten. Ach, war das herrlich, wenn er seine Krallen daran wetzte! Nun musste nur noch die Frau seines Retters aufhören, ständig danach mit ihm zu schimpfen. Also echt! Das war so gemein …

Aber wo er gerade bei seinen neuen Mitbewohnern war, so waren diese eh schon ganz schön komisch. Täglich zogen sie ihre spärlichen Felle aus. Sie zogen sie aus, knüllten sie zusammen und am Ende wurden sie gewaschen! Gewaschen! Mit Wasser! Brrr…

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Fujis Entschluss

„Danke“, flüsterte er Alpe zu, als Sabine langsam über den Horizont schielte und die Lichter verblassen ließ.

Er würde den nächtlichen Anblick nie vergessen.

„Nicht dafür“, belustigt wandte sich die andere Wolke ab und wollte bereits weiter fliegen.

„Doch! Nach den Sternen … und nach Sabine … Mir war gar nicht bewusst gewesen, wie einsam ich mir vorgekommen war. Es hatte sich so angefühlt, als wäre die ganze Welt gegen mich gewesen. Aber nun …“

Fuji stockte. Er hatte in der Nacht den wahren Grund verstanden. Er wusste nun, warum er sich nicht ergossen hatte. Ein Teil von ihm war zu verletzt gewesen. Er wollte nicht, dass die Welt unter ihm prachtvoll gedeihen könnte, während er Schmerzen litt.

Er war so egoistisch gewesen.

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Minki und die Kuckucksuhr II

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Minki starrte unnachgiebig auf das kleine Häuschen. Kein Ticken, kein Surren entging ihm. Er war sogar so vertieft in den stetigen Rhythmus, dass er nichts anderes mehr wahrnahm. Dass er auf nichts anderes mehr achtete …

Er musste diesen Vogel fang-

Erschrocken sprang der Kater auf, als plötzlich die Hand seines Retters auftauchte. Sie war aus dem Nichts gekommen. Hatte ihn liebevoll gestreichelt. Hatte ihn aus seiner Konzentration gerissen!

Minki legte seine ganze Empörung in einen gedehnten Mauzer und sogleich lachte der Zweibeiner auf. Ein vertrautes Wort fiel.

Sogleich sprang der Kater auf und folgte seinem Retter in die Küche.

Es ging um Fressen!

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Die plätschernde Melodie der Freiheit

© Katharina Kolata

Kevin Strauss ließ seinen Chef still gewähren, als dieser den nächsten Kunden übernahm, der in ihre Filiale marschierte. Eigentlich hätte Kevin ihm helfen müssen, aber ein einziger Blick des gepflegten Fremden hatte jedes Vorhaben im Keim erstickt. Die Abscheu war Kevin aus den blauen Augen geradezu entgegengesprungen und so zog er sich lieber zurück.

Er wusste, dass er nicht der ansehnlichste Zeitgenosse war. Als Bankangestellter von Brooks ‘n Coal aus der Hauptstadt Centy sollte er zwar ein ordentliches Erscheinungsbild an den Tag legen, doch wäre es einfacher, einen Löwen zu frisieren. Seine Haare glänzten mit jeder Dusche fettiger und seine Akne war ein Dämonenwerk für sich. Obwohl er bereits Mitte dreißig war, wollten die Pickel einfach nicht verschwinden! Zusätzlich dazu wirkte er in seinem Anzug eher wie ein formloser Kleiderständer und nicht wie ein menschliches Wesen. Selbst ein Blinder hätte erkannt, dass er hier nicht reinpasste!

Nachdenklich schielte er hinter sich aus dem Fenster des dritten Stockwerks und beobachtete einen umherfliegenden Vogel. Er war schwarz. Vielleicht eine Krähe? Das war selten zu dieser Jahreszeit. Sonst konnte er nur Möwen beobachten, die über dem glitzernden Fluss flogen. Die frei waren.

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Fujis Überraschung

„Noch nicht“, belehrte ihn Alpe erneut und mürrisch richtete die Wolke ihre Augen in die Höhe.

„Ich weiß“, beharrte Fuji, „Aber je mehr du mich warten lässt, desto neugieriger werde ich!“

„Na, na. Du willst dir doch nicht deine eigene Überraschung kaputt machen, oder?“

Seine eigene Überraschung … Das gefiel der Wolke! Bislang hatte sich noch nie jemand darum bemüht, ihn zu überraschen. Gewiss war es den Sternen nicht in den Sinn gekommen und die anderen Wesen … Die anderen Wesen kannte er ja gar nicht richtig. Er hatte sich nie ernsthaft mit ihnen beschäftigt. Stets hatte er seinen Fokus auf die Sonne oder die Erdoberfläche gelenkt. Er war den Vögeln ausgewichen, hatte nie das Gespräch mit den anderen Wolken gesucht, war einzig an den bunten Blumen und Bäumen interessiert gewesen …

Bis er gesehen hatte, dass sie auf dem trockenen Boden nicht gedeihen konnten.

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