Minki und der Abschied

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Auch wenn eine Katze sieben oder gar neun Leben haben soll, so lebt sie dennoch nur ein einziges. Dieses eine ist nicht einmal besonders lang. Im Durchschnitt kommt es vielleicht auf 15 Menschenjahre. Plus/Minus.

Minkis erreichte sogar stolze 17 Jahre, ehe sein Körper eine Pause brauchte.

Der Kater spürte, dass er nicht mehr lange hatte. Von Tag zu Tag wurde er schläfriger. Er schmiegte sich immer häufiger an seinen Retter. Ärgerte dessen Frau weniger. Verzieh der kleinen Zweibeinerin ihre Lappalien öfter.

Alte Fehden erschienen ihm plötzlich so unwichtig.

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Der Abschied

>Wieso bin ich hier?<

Inmitten von Ruinen,
beschattet von Toxinen,
Von des Meeres Gier,
Festgekettet wie ein Tier.

>Wieso kann ich nicht weg?<

Er gibt kein Elixier.
Nur dieses scharfe Rapier.
Es ist neu im Gepäck
Und erfüllt einen quälenden Zweck.

>Wieso kommen keine Tränen?<

Im Schrecken steck‘
Ich fest an diesem Fleck.
Ich möchte mich grämen,
Will es nicht annehmen!

>Wieso?!<

Wie Hyänen mit blitzenden Zähnen
Scheint das Meer sich auszudehnen.
Es wirkt beinah‘ froh!
Aufdringlich sowieso …

>…<

Es hatte den Nebel bemerkt.
Es hatte ihn nicht abgewehrt.
Hatte das Meer ihn verehrt?
Hatte es ihn gar begehrt?
Ihn hergezerrt?
Ihn ernährt?!

>Ich vermisse dich …<

Des Leuchtturms Licht
Erhellt keine Sicht.
Es sticht mir schlicht
– nimmermehr –
Ins verweinte Gesicht.

In Liebe und ewiger Trauer für meinen Großvater
~17.10.1934 – 09.08.2022
Medra

Fujis Entschluss

„Danke“, flüsterte er Alpe zu, als Sabine langsam über den Horizont schielte und die Lichter verblassen ließ.

Er würde den nächtlichen Anblick nie vergessen.

„Nicht dafür“, belustigt wandte sich die andere Wolke ab und wollte bereits weiter fliegen.

„Doch! Nach den Sternen … und nach Sabine … Mir war gar nicht bewusst gewesen, wie einsam ich mir vorgekommen war. Es hatte sich so angefühlt, als wäre die ganze Welt gegen mich gewesen. Aber nun …“

Fuji stockte. Er hatte in der Nacht den wahren Grund verstanden. Er wusste nun, warum er sich nicht ergossen hatte. Ein Teil von ihm war zu verletzt gewesen. Er wollte nicht, dass die Welt unter ihm prachtvoll gedeihen könnte, während er Schmerzen litt.

Er war so egoistisch gewesen.

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Am Abgrund

Ernste Themen sollten nie totgeschwiegen werden.
Deswegen schreibe ich in meine Gedichte ja seit jeher in einem eher düsteren Unterton. Diesmal fühle ich mich jedoch verpflichtet, hierbei eine Triggerwarnung zum Thema Suizid rauszugeben.

Bitte seid gewarnt und geht verantwortungsbewusst mit dem Inhalt/Weiterleiten um.

Beste Grüße
Medra

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K: Nicht zurück

„Stevie … Komm her …“

Zögerlich trat der Junge an das Bett, in dem sein zittriger Großvater lag. Erst gestern hatte er einen Krankenwagen für den alten Mann rufen müssen. Für Otto Naar, hatte der Vierjährige ins Telefon geschluchzt, für seinen Opa.

Er war so überfordert gewesen. Die Frau am Telefon hatte ihre Adresse wissen wollen. Und was sein Großvater hatte. Und was passiert war!

Steve hatte nur schluchzen können.

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