B: Die Zeichnungen

„Papa?“, rief Liane durch das große Haus, „Ich bin wieder da!“

Eine ungewohnte Stille antwortete ihr. Sie fühlte sich vertraut und gruselig zugleich an. Wie eine unförmige Erinnerung.

Unsicher stellte das Mädchen ihre Schuhe neben der Tür ab und schlich sich in die Küche. Alles andere wäre ihr falsch vorgekommen. Sie wollte hier keinen noch so kleinen Mucks von sich geben. Jedes Rascheln erschien ihr so endlos laut. Jeder Schritt wie Hufgetrampel. Es hatte etwas von einem Gewitter, das sich über ihr zusammenbraute.

Schaudernd trat Liane in die Küche. Sie mochte keine Gewitter. Wenn der Himmel die Beherrschung verlor, fühlte es sich immer wie eine tobende Apokalypse an. Niesel, Regen, Hagel ließen sie gleichermaßen erschaudern.

Nur Schnee war in Ordnung.

Schnee hatte sie schon immer gemocht …

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M: Kollateralschaden

Erschrocken schnappte Matt nach Luft, als die kleine Flamme am Herd wirklich aufloderte. Er hätte sie eigentlich erwarten müssen. Sie hatten hier ja einen Gasherd und das leuchtende Feuerchen erschien jedes Mal, wenn seine Mutter kochte. Nur …

Seine Mutter schlief noch selig nebenan.

„Meinst du, das muss noch doller?“, fragte sein Bruder leise und drehte unruhig am Knauf herum.

„Hm … Je heißer es ist, desto schneller müsste das Essen fertig sein und desto früher können wir Mama wecken, oder?“, gab Matt zu bedenken.

Das schien Lucas zu überzeugen. Sicher drehte er den Knauf auf die höchste Stufe und warf Eier und Speck in die Pfanne.

„Du machst dafür Kaffee“, flüsterte der Ältere.

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Am Abgrund

Ernste Themen sollten nie totgeschwiegen werden.
Deswegen schreibe ich in meine Gedichte ja seit jeher in einem eher düsteren Unterton. Diesmal fühle ich mich jedoch verpflichtet, hierbei eine Triggerwarnung zum Thema Suizid rauszugeben.

Bitte seid gewarnt und geht verantwortungsbewusst mit dem Inhalt/Weiterleiten um.

Beste Grüße
Medra

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K: Nur ein Traum II

„Du bist spät dran“, begrüßte er JM, als sie sich endlich ins Zimmer schlich.

Hockend wartete er bereits seit Stunden neben dem bewusstlosen Mann auf sie. Am liebsten hätte er den Trunkenbold raus gezerrt. Er wollte ihn weit weg von dem kleinen Mädchen wissen, welches ihm so sehr ans Herz gewachsen war!

Aber Oni war nicht stark. Er war noch nie stark gewesen. Selbst damals, als seine Vertraute ihn brauchte, als er sie vor der ganzen Welt verteidigen wollte und Zähne fletschend vor ihr stand, war er ihr nur ein Klotz am Bein gewesen.

„Ich hatte zu tun“, erwiderte die neu angekommene Frau ausweichend und schob sich an ihm vorbei.

Zwei rot leuchtende Augen tauchten neben ihr auf. Sie erschienen aus dem Nichts und blieben mitten in der Luft hängen. Zuerst bohrten sie sich in Oni, dann in den schlafenden Mann.

„Hast du ihn umgebracht?“

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DSdP: Prolog – Farbenspiel

Kräftiger. Heller. Lebhafter. Bunter. Ja. Bunter. Sie mussten bunter werden!

Seine linke Hand packte fester zu. Er spürte, wie ihn Gefühle einnehmen wollten. Doch zwang er sie fort. Diese Gefühle zählten nicht. Sie durften nicht zählen. Nein. Denn …

Er strich über das Heiligtum in seinen Händen.

Er musste vorsichtig sein. Wenn er es vermasselte –

Der Faden färbte sich grün.

Beziehung lächelte müde.

Leben drehte sich seufzend um. Ihre violetten Augen wanderten über ihn. Noch immer meckerte sie über die zerstörten Betten. Sie reparierte gerade das zweite. Richtete gelegentlich das Wort an ihn.

Nur vermochte Beziehung kaum, sich darauf zu konzentrieren.

Sie hatte noch zwei Betten vor sich.

Er jedoch noch dutzende Fäden.

Vorsichtig ergriff der Gewandelte die nächste Verbindung, die die Schöpferin mit einem der anderen verband.

Neugier tauchte vor seinem inneren Auge auf.

Ihre leeren Augenhöhlen.

Tod.

Beziehung zögerte, ehe er diesen Faden begutachtete.

Nein.

Daran durfte er jetzt nicht denken!

Der Frust überkam ihn so plötzlich und so nachdrücklich, dass er diesen Faden beinahe zerquetscht hätte. Er atmete tief durch.

Nur er konnte die Fäden sehen. Nur er konnte sie verändern. Nur er konnte ETWAS verändern.

Also musste er es doch tun?

Für die anderen im Tal.

Für seine Kinder.

Für Zeit.