K: Für unseren Sohn II

Die ersten Absonderlichkeiten fielen Thomas vier Wochen später auf.

Ihre Nachbarn schienen abends immer einen Teller mit Essen vor die Tür zu stellen. Keine Essensreste wohlgemerkt. Sondern richtige Menüs! Teilweise gingen sie sogar extra dafür einkaufen oder verzichteten auf ihren Nachschlag, um ihre Opfergabe vollständig darbieten zu können! Irritiert hatte er Selina nach dem Grund gefragt, doch sie schüttelte nur ratlos den Kopf.

„Die Leute hier sind anders. Sie sind zwar freundlicher und offener. Aber ihre Angewohnheiten sind … eigenartig. Ist dir aufgefallen, dass die Teller am nächsten Tag immer leer sind, Thomas? Aber man findet keine Pfotenabdrücke oder andere Spuren drum herum …“

„Vielleicht waren es Vögel?“

„Vielleicht …“

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ZHuF: Prolog – Schmerzende Realität

Einmal ab.

Einmal ran.

Einmal raus.

Einmal rein.

Linksherum.

Rechtsherum.

Weil ich‘s kann!

Leben sang. Sie sang mit wiedergefundener Neugier. Mit Aufregung. Mit solchem Lebenswillen, dass sie sich selbst beinahe nicht wiedererkennen konnte.

Lachend beugte sie sich näher an die andere heran. Sie beäugte ihren Schmerz. Ihre Verzweiflung. Die stummen Bitten einer Verstümmelten.

Für wozu sollte ihr Spielzeug sprechen können?

Für wozu sollte es laufen können?

Für wozu sollte es frei sein?

Sie schenkte ihrem Spielzeug neues Licht, neue Kräfte und schenkte ihm einen Augenblick der Genesung.

Dann ging es weiter.

Es lebte, um ihr zu dienen!

C: Nur eine Story

Chem Wak beobachtete das Gebäude vor ihm. Es war groß. Modern. Edel. Kurzum: ein Sinnbild von Reichtum und Ästhetik. Er hatte so etwas bereits abfällig erwartet. Dieser Luxusbunker erklärte stumm so viele Ungerechtigkeiten, die-

Ruckartig schüttelte er seine Gedanken ab. Stattdessen bedeutete er seinem Fahrer, hier auf ihn zu warten, ehe er durch den Schnee zum extravaganten Haus hinüber watschelte.

Ein Dienstmädchen öffnete ihm.

„Mr. Belial? Die werte Dame erwartet Sie bereits. Darf ich Ihnen Ihre Jacke abnehmen?“, ihre Worte waren von einer kühlen Höflichkeit geprägt.

Nicht von Wärme.

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Der Fluch

Pinselstrich
Um Pinselstrich.
Erkennbar im matten Licht
Das eingefall’ne Gesicht.

Verfilzte Haare,
Asche und Ruß.
Weil es keine zehn Jahre
Alte gewesen sein muss.

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen
Taten.

Soll es verwirktes Leben
Wirklich immer geben?

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen
Sünden.

Soll dieser endlose Schmerz
Wirklich einziehen ins Herz?

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen-
Nein!

Dies ist kein Ende.
Dies ist kein Punkt.
Es ist ein Und-
Und eine Rückblende.

So erklärt dieser Fluch
Den wütenden Besuch
Der lodernden Hölle
Und erinnert uns …

Tickende Zeitbombe

Tick. Tack.
Tick. Tack.
Und: ZACK!
Wer ist ein Wrack?

Sicher bin ich mir nicht –
Nicht mal in diesem Gedicht.
Denn die Unwissenheit erschüttert mich,
Denn die Unwissenheit ergreift mich!

So ist das Schicksal nur in einem gewiss,
Dass man uns eines Tages vergisst.
Daher weiß keiner hier,
Wann das Schicksal verlangt:
Nach dir.
Nach mir.

Tick.
Tack.
Tick.
Tack …

Werden die Zweifel verbannt.
Ist das arrogant?
Oder sind wir nun verdammt?

Das Leben ist zu vergänglich.
Der Tod unumgänglich.
Die Liebe anhänglich.

Und dennoch tickt in Jedem,
Etwas, was keiner kann überleben.

Tick.
Tack.
Tick.
Tack.

Unser Ende naht,
– ob hart oder zart –
– ob gewollt oder nicht –
Hält es, was es verspricht.

So bringt unsere Zeitbombe,
Eine düstere Katakombe.
Sie hinterlässt Trauer und Leid
Und ach so viel Einsamkeit!

Wer wird der Gewinner?
Von so viel Gewimmer?

Und wer wird der Verlierer?
Gibt es gar keine Sieger?

Denn egal wie, es wurde etwas entrissen.
Etwas, was wir alle vermissen.

Tick. Tack.
Tick. Tack.

Boom.