K: Nur ein Traum I

Der Staub hinterließ einen toten Geschmack auf Nadjas Zunge. Er schmuggelte ein Gefühl der Einsamkeit in ihr beengtes Zimmer. Und selbst der stete Luftzug ihres kaputten Fensters wusste die Fusseln nicht zu vertreiben. Lieber entlockte er ihrem Windspiel ein schwerfälliges Lied. Dieses echote gepeinigt durch den Raum. Es sang mit seinen tristen Klängen von Kummer. Von Sorgen. Von Qualen.

So wie jede Nacht …

Zügig ignorierte Nadja die Töne. Stattdessen bemühte sie sich, die Schemen ihrer Möbel auszumachen. Ein schwieriges Unterfangen, da sie ohne den Mond die Ecken und Kanten nur erahnen konnte. Sie nahmen geisterhafte Konturen an, die stumm miteinander zu verschmelzen schienen.

„Gute Nacht und träum was Schönes. Wir sind zurück, ehe der Morgen anbricht“, hatte ihre Mutter vorhin noch gesagt.

Worte, die nun so weit entfernt wirkten.

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Dieses Leben

Am Anfang steh ich da –
Ganz klein
Allein
Daheim.

Meine Taschen sind leer,
Ich hätte gern mehr,
Ich hätte gern nichts,
Entgegen des Gewichts.

Ist Verantwortung eine Bürde?
Eine viel zu große Hürde?
Eine Verletzung der eigenen Würde?

Ah, nein! Nun bin ich losgelaufen,
Während sich die Fragen raufen.
Sollte ich nicht lieber verschnaufen?

Ich stoppe sogleich wieder,
Senke meine Lider,
Schaue nieder.

Hinter mir liegen drei Schritte.
Drei endlos lange Schritte.
Drei winzig kleine Schritte.
Meine Schritte.

Vor mir liegt ein endloses Feld.
Kein Weg, kein Pfad,
Der mir gefällt.

Ich habe kein Geld,
Bin zu Fuß, nicht zu Rad
Unterwegs durch die Welt.

Also ziehe ich die Luft ein.
Ich mache mich nicht mehr klein.
Ich bin bald nicht mehr allein.
Ich gründe mein eigenes Heim!

Dieses Leben –
Das ist mein.