K: Die Grün-Augen-Kobolde II

„Was. Habt. Ihr. Euch. Dabei. Gedacht!?“

Die Worte knallten wie Kanonenschüsse durch Robbys Kopf und mit jedem Peng zuckte er etwas mehr zusammen. Verunsichert suchte er nach Isabels Hand. Seine Schwester erwiderte seine Geste fürsorglich. Doch ihre Mine blieb dabei genauso verängstigt, wie er sich fühlte.

Einzig Christoph ließ sich nach außen hin nichts anmerken. Er stand auf Isabels anderer Seite auf dem Treppenabsatz. Den Rücken durchgedrückt. Die Schultern gespannt. Die Augen harsch auf Sabine gerichtet.

„Was denn? War doch lustig“, säuselte er beinahe vergnügt.

Das Gesicht ihrer Betreuerin lernte neue Rottöne kennen.

„Lustig?“, wiederholte sie, „Wirklich? Lus-tig?“

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Fujis Seelenverwandte

Fuji fühlte sich verlorener denn je. Früher hatte er wenigstens auf die Sterne vertrauen können. Aber seitdem er sich mit ihnen zerstritten hatte, um der Sonne zu helfen …

Und nun wollte Sabine seine Hilfe nicht einmal …

Die Wolke sackte in sich zusammen.

Hatte er dem Himmelskörper wirklich nur helfen wollen, um sich selber gut zu fühlen? Nein! Oder doch? Machten andere das so? Halfen sie einzig, um im Anschluss den Dank einzuhamstern?

Eine dunkle Erinnerung kämpfte sich in ihm hoch.

„Wir leben um zu sterben“, murmelte er vor sich hin.

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B: Lianes erste Freundschaft

„Tschüss!“, rief Liane hastig durchs Haus.

„Soll ich dich nicht noch-“

Geflissentlich ignorierte sie ihren Vater und zog den überraschten Oliver mit sich zur Straße. So sehr sie ihren alten Herren auch liebte, wenn er erstmal Mutterhenne spielen würde, kämen sie garantiert nicht mehr rechtzeitig los!

„Komm schon“, drängte sie – nur um drei Schritte später ihre Richtung zu korrigieren.

Denn Oliver zeigte stumm nach links statt nach rechts.

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Minki und das Glöckchen II

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Beleidigt saß Minki im Garten. Sein Schwanz peitschte gegen den schattigen Boden und seine Ohren richteten sich auf die Zweibeiner. Auf seinen Retter und die anderen beiden Felllosen.

Verächtlich fuhr er mit den Krallen in den sandigen Boden.

Normalerweise genoss der Kater diese Idylle. Normalerweise spielte er liebend gerne in seinem Paradies. Normalerweise jagte er in seinem Königreich Nagetiere und Eichhörnchen. Aber nie Vögel. Nein. Bloß keine Flattermonster!

Doch normalerweise war gerade gestrichen.

Die junge Zweibeinerin lachte auf und rannte zu einigen Pflanzen mit roten Früchten herüber. Schnatternd pflückte sie drei Stück und machte sich damit auf den Rückweg, um sie mit den anderen zu teilen.

Minki verengte die Augen zu Schlitzen.

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M: Take a Shot

Erschöpft ließ sich Shooter auf den Barhocker fallen. Eigentlich hieß er nicht Shooter. Eigentlich war sein Name Augustus. Aber wer würde einen Influencer-Photographen namens Augustus überhaupt ernst nehmen? Es war ja schon nervig genug, dass seine Eltern ihn mit sieben unsäglichen Vornamen gestraft hatten – einer schlimmer als der nächste!

Da war Augustus noch sein geringstes Übel.

Shooter ließ den Rucksack mit seinem Equipment unter den Sitz wandern. Er wollte seine Kamera fürs Erste nicht mehr sehen. Er brauchte eine Pause. Und nach fünf Stunden des Ausharrens hatte er sich diese auch redlich verdient! Es war kalt auf dem Dach gegenüber gewesen. Kalt und windig und der Gestank der Großstadt war ihm bestialischer denn je vorgekommen. Jedoch hatte er all das in Kauf genommen, um den perfekten Sonnenaufgang zu fotografieren. Er hatte gewartet und gezittert und gefroren, bis die Strahlen endlich das Meer geküsst hatten. Ein paar Möwen waren auf seine Fotos gehuscht. Die Vögel hatten den Bildern Leben eingehaucht. Sie und diese verzaubernden Reflexionen auf dem Wasser.

»Was darf’s sein?«

»A Shot für the Shooter!«, antwortete er mit dem Catchphrase, der ihm seine meisten Followers eingespielt hatte, »Oder two, wenn du so good bist!«

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