Minki und der Maulwurf

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Für Minki war der Garten ein Paradies. Es war ein wunderbarer Ort, an dem er sich selbst verlieren konnte. Stets genoss er die Sonne, mied die Vögel und fing sich gelegentlich sogar ein kleines Nagetier für den hohlen Zahn.

Im Garten kannte er jeden Winkel – jeden Baum, jeden Strauch, jedes Blatt. So musste er nicht einmal mehr die Augen öffnen, wenn er unter der strahlenden Sonne über den Rasen stolzierte und-

Erschrocken stoppte der Kater und blickte nach unten. Seine Pfote steckte fest. Da, wo eigentlich Rasen sein sollte, befand sich plötzlich ein kleiner Hügel. Ein Häufchen Erde. Mitten in seinem Garten!

Empört mauzte Minki.

Das hatte er nicht erlaubt!

Gefrustet leckte er sich seine Pfote, während er Ausschau nach dem Übeltäter hielt. Weit konnte dieser nicht entfernt sein. Dafür war die Erde zu feucht. Sicherlich versteckte er sich irgendwo. Aber Minki durfte ihn nicht entkommen lassen. Nicht, dass er nochmal SEINEN Garten verunstaltete!

Mürrisch sah sich der Kater um.

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B: Aus der Zeit gerissen

„Bis nachher“, rief Liane hastig in die Küche, während sie in ihre Schuhe schlüpfte.

„Alles gut?“, verwundert eilte ihr Vater herüber, „Ich dachte, wir frühstücken zusammen?“

„Ich muss noch etwas vor dem Unterricht erledigen. Wir sehen uns später!“, sie versuchte normal zu klingen. Als hätte sie einfach nicht genug Zeit, um zu quatschen. Als wäre alles in Ordnung.

Erst dann sprang sie raus und rannte die Straßen entlang.

Wenn sie länger geblieben wäre, wären die Fragen über sie hergefallen. Dann hätte sie ihn anlügen müssen. Aber das fühlte sich falsch an. Sie wollte nicht lügen. Sie konnte nicht …

Erst als sie die anderen Teenager sah, verlangsamte sie ihr Tempo und schlüpfte zwischen die fremden Gesichter. Kaum eines kam ihr bekannt vor. Wie auch? Ihre Mitschüler lagen ja noch selig im Bett, um ihre Ausfallstunden zu verschlafen.

Sie war viel zu früh dran …

Und dennoch war es vielleicht schon zu spät.

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Timothy – Siehst du mich?

Zuerst wusste ich nichts mit mir anzufangen. Alles fühlte sich falsch an. Alles fühlte sich so sinnlos an! Sollte ich hier bleiben? Hier, in den Ruinen meines Bettes? Oder sollte ich irgendwo hin? Aber wohin? Wo sollte ich lang? Was sollte ich tun? Nein. Was machte man generell, wenn man tot war? Musste man etwas Bestimmtes tun? Oder war alles egal, weil man eh tot war?

Und wo war eigentlich Evangeline?

Schwerelos hing ich in der Luft. Direkt über meinem Bett. Dort, wo ich verbrannt war. Mein Körper lag bestimmt noch immer unter dem Schutt begraben. Unter diesen verkohlten Holzbalken.

Ich wollte ihn nicht sehen. Er war nicht weiter wichtig. Er war nur eine Hülle. Eine leere Hülle, die sich einst von jeder Krankheit kontrollieren ließ.

Ja.

Etwas fiel von mir ab.

Mein Körper war nicht weiter wichtig. Nichts konnte mich mehr zurückhalten. Niemand kam, um mich zu sich zu rufen. Ich … Ich war frei.

Frei…

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K: Aus dem Sturm

„Ernsthaft, Flo?“, murmelte Paul ungehört, als er die Actionfigur seines Stiefbruders auflas.

Sie war nicht der einzige Gegenstand, den der Jüngere im Rasen liegen gelassen hatte. Daneben lagen ein verrostetes Fahrrad, eine offene Tüte Gummitiere und ein Fußball. Und noch ein Stück weiter konnte Paul eine Decke mit einem Buch erkennen. Moment. War das Flos verschollenes Englischbuch?!

„Ich werd‘ nicht mehr …“, kopfschüttelnd schaute er in den verhangenen Himmel. Würde sein kleiner Stiefbruder je allein in der Welt zurecht kommen?

Ein Regentropfen landete auf seiner Wange.

„Hilft doch alles nichts“, seufzend sammelte er das Schulbuch und die Fressalien auf. Am liebsten hätte er die Figur wieder auf den Boden geworfen. Um Flo eine Lektion zu erteilen. Als er jedoch das abgewetzte Gesicht erkannte, hielt er inne.

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M: Kollateralschaden

Erschrocken schnappte Matt nach Luft, als die kleine Flamme am Herd wirklich aufloderte. Er hätte sie eigentlich erwarten müssen. Sie hatten hier ja einen Gasherd und das leuchtende Feuerchen erschien jedes Mal, wenn seine Mutter kochte. Nur …

Seine Mutter schlief noch selig nebenan.

„Meinst du, das muss noch doller?“, fragte sein Bruder leise und drehte unruhig am Knauf herum.

„Hm … Je heißer es ist, desto schneller müsste das Essen fertig sein und desto früher können wir Mama wecken, oder?“, gab Matt zu bedenken.

Das schien Lucas zu überzeugen. Sicher drehte er den Knauf auf die höchste Stufe und warf Eier und Speck in die Pfanne.

„Du machst dafür Kaffee“, flüsterte der Ältere.

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