Minki und der Maulwurf

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Für Minki war der Garten ein Paradies. Es war ein wunderbarer Ort, an dem er sich selbst verlieren konnte. Stets genoss er die Sonne, mied die Vögel und fing sich gelegentlich sogar ein kleines Nagetier für den hohlen Zahn.

Im Garten kannte er jeden Winkel – jeden Baum, jeden Strauch, jedes Blatt. So musste er nicht einmal mehr die Augen öffnen, wenn er unter der strahlenden Sonne über den Rasen stolzierte und-

Erschrocken stoppte der Kater und blickte nach unten. Seine Pfote steckte fest. Da, wo eigentlich Rasen sein sollte, befand sich plötzlich ein kleiner Hügel. Ein Häufchen Erde. Mitten in seinem Garten!

Empört mauzte Minki.

Das hatte er nicht erlaubt!

Gefrustet leckte er sich seine Pfote, während er Ausschau nach dem Übeltäter hielt. Weit konnte dieser nicht entfernt sein. Dafür war die Erde zu feucht. Sicherlich versteckte er sich irgendwo. Aber Minki durfte ihn nicht entkommen lassen. Nicht, dass er nochmal SEINEN Garten verunstaltete!

Mürrisch sah sich der Kater um.

Doch nichts regte sich. Der frühe Morgen war genauso still und verlassen, wie sonst. Hier war niemand. Kein Vogel. Kein Frosch. Keine andere Katze.

Komisch …

Lauernd legte sich Minki in den Rasen und blieb den ganzen Tag in der Nähe. Stets behielt er ein Auge auf den Erdhügel und den umliegenden Rasen. Alles andere blendete er aus. Zum Mittag aß er sogar nur das Fressen, das ihm die Zweibeiner gaben. Nichts weiter.

Dennoch wollte sich der Übeltäter nicht zeigen.

Erschöpft fielen ihm abends die Augen zu und er kuschelte sich unter die Hecke. Hier versteckte er sich gern. Es war schön ruhig und selbst im Hochsommer blieb es ein wenig kühl. Hier konnte er-

Ein Geräusch schreckte ihn aus seinen Träumen. Es war zu leise, um es festzuhalten. Aber laut genug, dass es ihm auffiel.

Müde hob er den Kopf.

Stille.

Irritiert legte Minki ihn auf seine Pfoten und starrte wieder auf den Erdhügel vor sich. Er konnte nicht glauben, dass er den Schuldigen immer noch nicht ertappt hatte! Irgendwo musste sich der Übeltäter totlachen und-

Minki hielt inne und starrte auf seine Pfoten. Er hatte etwas unter seinen Ballen gespürt. Nicht doll. Es war ein sachtes Beben gewesen. Als würde etwas darunter langkrabbeln … Dabei befand sich unter ihm doch nur Erde … oder?

Ehe sich der Kater versah, bildeten sich Risse auf dem Boden neben ihm. Dünne Risse. Wie ein Spinnennetz griffen sie um sich und zeichneten ein faszinierendes Muster ab.

Dann brach die Erde auf.

Eine kleine schwarze Nase streckte sich in die Luft. Sie war lang. Spitz. Dahinter starrten zwei Knopfaugen ins Leere.

Ein Maulwurf.

Minki war so überrascht, dass er sich nicht regen konnte. Schnuppernd lehnte er sich näher heran, als das andere Tier ihn bemerkte und die Beine in die Hand nahm!

Kurz darauf war es fort.

Der Kater schüttelte sich.

Hatte er Angst gehabt? Nein … Nein! Nicht doch! Er nicht! Wenn jemand fragte, er hatte gekämpft. Mit jeder Faser seines Körpers, verstand sich! Deswegen würde der Maulwurf auch nie zurückkehren. Er hätte zu viel Angst vor Minki. Genau!

Damit legte sich der Kater wieder auf den Boden und schloss die Augen.

Der Schlaf wollte trotzdem nicht wieder kommen.

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