K: Nur ein Traum I

Der Staub hinterließ einen toten Geschmack auf Nadjas Zunge. Er schmuggelte ein Gefühl der Einsamkeit in ihr beengtes Zimmer. Und selbst der stete Luftzug ihres kaputten Fensters wusste die Fusseln nicht zu vertreiben. Lieber entlockte er ihrem Windspiel ein schwerfälliges Lied. Dieses echote gepeinigt durch den Raum. Es sang mit seinen tristen Klängen von Kummer. Von Sorgen. Von Qualen.

So wie jede Nacht …

Zügig ignorierte Nadja die Töne. Stattdessen bemühte sie sich, die Schemen ihrer Möbel auszumachen. Ein schwieriges Unterfangen, da sie ohne den Mond die Ecken und Kanten nur erahnen konnte. Sie nahmen geisterhafte Konturen an, die stumm miteinander zu verschmelzen schienen.

„Gute Nacht und träum was Schönes. Wir sind zurück, ehe der Morgen anbricht“, hatte ihre Mutter vorhin noch gesagt.

Worte, die nun so weit entfernt wirkten.

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M: Ihre Kompetenz ist wirklich einwandfrei!

Noah schleppte sich erschöpft nach Hause. Der selige Feierabend beflügelte ihn beinahe. Kein Wunder! Nachdem seine unfähigen Kollegen die Wache einzig mit ihren Lächeln verziert hatten! Wie konnten sie nur allesamt so dumm sein? Wenn die Fälle weiterhin so unaufhaltsam über sie herfielen, würden sie nie fertig werden! Es war zum verrückt werden!

Genervt schob er sich durch die Haustür eines Mietshauses und schleppte sich die Treppe hoch.

Er war müde. Müde und so kaputt. Wegen des Personalmangels hatte er zwei Doppelschichten hinter sich. Er hatte den Fundort von fünf kopflosen Leichen sichern müssen. Irgendein Wahnsinniger trieb sich also wieder in der Stadt rum. Traurig eigentlich, dass er zwischen den üblichen Kranken kaum weiter auffiel. Und dann noch so kurz vor Heiligabend!

Als er seine Gedanken meckernd geäußert hatte, hatten ihm seine Kollegen nur einen schiefen Blick zugeworfen. Als ob ein Fest die Kriminellen zur Einsicht lenken könnte … Noah hätte es besser wissen sollen.

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