B: Hilfesuche

Das erste Steinchen prallte gegen den Fensterrahmen. Das zweite traf allerdings die Glasscheibe. Ehe sie das dritte werfen konnte, tauchte Olivers verschlafene Gestalt dahinter auf.

Erleichtert wank Liane ihrem Freund zu. Sie deutete zur Haustür. Dann eilte sie auch schon um das Haus herum und wartete ungeduldig darauf, dass er ihr öffnete.

„Es ist noch nicht mal um fünf“, murmelte Oliver, als er ihr öffnete.

„Ich weiß. Es ist wichtig. Und- Entschuldige für die Steinchen. Ich bin vorhin ohne Handy los. Ist ziemlich verrückt und- Ich brauche deine Hilfe“, sie fühlte sich atemlos an.

Atemlos, aber entschlossen.

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M: Kraftlos

Diana zog sich wie ein Roboter an. Ruckartig. Still. Ohne Nachzudenken. Wenn sie die Gedanken zuließe, würden auch die Gefühle kommen. Und dann würden die Tränen sie wieder überwältigen.

Dabei hatte sie schon so viel geweint …

Ihre Finger rutschten an einem kleinen Knopf ab. Er war schwarz. Genauso schwarz wie ihre restlichen Anziehsachen. Alle würden heute schwarz tragen. Es war immerhin Ma-

Erneut rutschte sie ab. Diesmal am zweiten Knopf. Sie atmete tief durch. Schloss die Augen. Versuchte es noch einmal.

Aber sobald sie ihre Finger anspannte, begannen sie zu zittern.

Nein!

Diana kniff die Augen zu. Sie stellte sich vor, wie sie etwas anderes anzog. Irgendetwas buntes. Genau. Sie hatte so ein grünes Top im Schrank. Das hatte so ähnliche Knöpfe am Kragen. Marie hatte immer gemeint, dass es wie-

Marie.

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M: Ich kann das schon allein!

„Danke, dass Sie ihn gefunden haben. Es kommt nicht wieder vor“, beschwichtigte Sophie die Erzieherin, dessen Kopf den Farbton einer Tomate angenommen hatte.

„Das hoffe ich auch! Ich musste das ganze Gelände nach ihm absuchen!“, schrie diese immer noch erbost.

So erbost, dass Tyler sich weiter hinter seine ältere Schwester schob.

„Und dafür danke ich Ihn-“

„Dank, dank, dank!“, wiederholte die Erzieherin verächtlich, „Du kannst eurer Mutter ausrichten, dass der Betreuungsvertrag so nicht aufrecht erhalten werden kann! Kinder in dem Alter müssen sich beneh-“

Etwas in Sophie verkrampfte sich. Entschlossen drückte sie den Rücken durch. Sie starrte die Erwachsene eindringlich an. Dachte an das Häufchen Elend, das ihr Bruder war.

„Bei allem Respekt – ist es nicht Ihre Aufgabe auf die Kinder aufzupassen? Wie können Sie Tyler einen Vorwurf machen, wenn Sie es doch waren, die Ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt hat?“

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K: Nach vorn oder zurück?

Schweigend beobachtete TJ das Waisenhaus. Es lag so abgelegen von der restlichen Welt – beinahe versteckt. Nur eine einzige, einsame Straße führte an dem riesigen Gebäude vorbei, das von Shizens Wäldern verborgen lag. Wenn die Apokalypse einträfe, würde man hier nichts davon mitbekommen.

Und wenn hier ein Unglück geschehen würde …

Besser hier, als woanders, versuchte er sich einzureden.

Ist klar, meldete sich John, seine zweite Seele, mürrisch zu Wort, Lass mich wissen, wenn du es wirklich ernst meinst.

Kopfschüttelnd lief TJ am Waldrand entlang. Er achtete darauf, nicht gesehen zu werden. Wenn man ihn sah, würden die Leute ihn ansprechen. Dann müsste er sich mit einer fremden Person beschäftigen. Dann müsste er höflich bleiben, obwohl er am liebsten-

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K: Prolog – Todeswunsch

© Medra Yawa

Der Regen fiel schwerfällig aus dem hellblauen Himmel. Nicht eine Wolke war zu sehen. Dennoch fanden die Tropfen kein Ende. Unentwegt rieselten sie herab und fluteten den Pfad mit schlammigen Pfützen.

Pfützen, die fast schwarz aussahen.

Nein. Nicht ganz. Eher … dunkler-

Bevor das Mädchen ihren Gedanken beenden konnte, stürzte sie. Eine Schlammschicht bedeckte ihr Kleid. Am liebsten wäre sie liegen geblieben. Warum war sie überhaupt gerannt? Sie wusste ja gar nicht, was sie zuerst durchnässt hatte. Der Regen oder ihr eigener Schweiß?

»Wo bist du? Steffen?«, schluchzte sie leise.

Die Kopfschmerzen durchfuhren sie wie ein Peitschenhieb. Da war eine riesige Tatze. Schreie. Blut!

Jemand war verletzt. Wer? Und wo? Was machte sie hier? Sollte sie Hilfe holen? War sie deswegen gerannt? Aber wohin?

Und wer war sie?

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