Fujis Auferstehung

Manche Erinnerungen verblassen über Nacht – wie ein flüchtiger Traum, der sich in der Tür geirrt hatte. Andere vergehen mit der Zeit – wie ein Baum, der seine Äste schläfrig gen Himmel reckt. Am Ende sind sie alle nur wirre Schatten, die zwischen unendlich vielen Gedanken umherschwirren. Befangen flattern sie durch den Geist. Nehmen unklare Formen an. Erkennen das Déjà-vu. Lassen es im Winde vergehen. Schweben in Nostalgie, die sie nicht verstehen …

Das Leben ist zu kurz für eine solche Gedankenflut.

Die Wassertropfen schoben sich näher zusammen. Unruhig flogen sie durch die Atmosphäre – verzerrt von Wind und Wetter. Die kleine Wolke hatte sich erst vor Kurzem gebildet und wäre seitdem schon mehrere Male beinahe von größeren verschluckt worden! Unwillkürlich traf sie stattdessen auf eine kleinere und verschmolz mit dieser.

Es krachte.

Gewaltig ragte eine finstere Wolke neben ihr auf und strich wortlos an ihr vorbei. Zwischen ihnen prickelte die Luft. Die Atmosphäre versuchte, Nieser aus ihnen zu kitzeln. Der Wind juckte. Die Sonne versteckte sich hinter einem Schleier von grauen, dunklen Massen.

Das Bild von einem freudigen Feuerball schoss durch den Kopf der kleinen Wolke.

Weiterlesen

Minki und die Dachterrasse

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Minkis Welt war seit seiner Rettung wahrlich geschrumpft. Doch das störte ihn kaum. Immerhin war diese kleinere Welt sehr viel bequemlicher und trug zu allerlei Unterhaltungen bei. Schon lange betrachtete er seine Aufnahme in dieses Heim nicht mehr als „Rettung“. Nein.

Es war lediglich ein gut gemeinter Umzug gewesen. Ein Umzug, dem er jederzeit widersprechen konnte. Etwas, was er mehrfach in Erwägung zog, wenn ihn die Frau seines Retters aus seinen Verstecken verscheuchte.

Wütend durchkämmte Minki die Wohnung also nach einem Ort der Ruhe. Er hatte eigentlich das perfekte Versteck suchen wollen, aber dann säuselte der Wind ihm Worte der Freiheit ins Ohr!

Weiterlesen

Minki und das kleine Wesen

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Heftig peitschte er mit seinem Schwanz und starrte auf das kleine Wesen vor ihm. Dieses immer wieder grässlich kreischende Wesen, das eines der Zweibeiner angeschleppt hatte. Ein Wesen, das die Zweibeiner auf seinem Lieblingsfleck abgelegt hatten! Mitten in der Sonne! Auf seinem Bett!

Nun gut. Es war vielleicht nicht direkt Minkis Bett. Aber es war das Bett seines Retters und das machte das Möbelstück doch wahrlich zu seinem Katzeneigentum! Immerhin war die Decke so schön weich und die Kissen so schön flauschig und die morgendliche Sonne …

Genervt wandte er den Kopf von dem Wesen ab. Er wandte sich dem Licht zu. Dieser herrlichen Wärme!

Und schielte unauffällig zu dem schlafenden Etwas hinüber.

Weiterlesen

Minki und die warmen Tage III

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Minki hatte einen ganzen Tag gewartet, ehe er sein Versteck verlassen hatte. Von da an war er vorsichtiger geworden. Er vermied es nun, anderen Flatterviechern zu begegnen. Er sah stets zum Himmel auf. Bedachte ihn argwöhnisch. Peilte immer erst die Lage ab.

Obwohl er die Gärten und Natur wieder zu genießen gelernt hatte, so wollte er nie wieder der Gejagte sein. Es war eine Erfahrung, die er nicht wiederholen musste. Stattdessen wollte er dieses Paradies mit all seinen Wundern genießen. Er wollte im Schatten der Bäume schnurren. Er wollte sich in der Sonne aalen. Er wollte frei sein!

Frei von seinen Ängsten.

Frei von den Zweibeinern.

Frei in der Idylle, die ihn so bereitwillig empfing!

Weiterlesen

Minki und die warmen Tage II

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Schnurrend aalte sich Minki im Schatten der Bäume. Die Sonne schien nur vereinzelt durch das Blätterdach und kitzelte dabei Teile seines Pelzes. Für sein weißes Fell war es ein angenehmer Segen, für sein schwarzes eine brenzlige Angelegenheit.

Der Schrei eines Vogels schlich sich durch seine Gedanken. Ein unangenehmes Geräusch, das nicht vergehen wollte. Genervt öffnete er ein Auge und starrte auf das Federvieh hinter einem Zaun.

Warum wollte es ihm seinen Schlaf rauben? Minki hatte die ganze Nacht über Mäuse gejagt und fühlte sich noch etwas träge von den Nagetieren. Die letzte Piepnase hatte er gar nicht mehr geschafft, weil sein Magen bereits so voll war. Er hatte sie dort hinten irgendwo liegen lassen. Dort, wo nun dieser Vogel keine Ruhe geben wollte!

Minki fuhr die Krallen aus und streckte sich. Er schüttelte die Erde von seinem Fell. Diese trockenen Krümel, die die Kühle des Schattens in sich trugen. Die er in der Wohnung der Zweibeiner nirgends gefunden hätte. Die einen so vollen, beruhigen Duft verströmten.

Weiterlesen