Minki und das kleine Wesen

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Heftig peitschte er mit seinem Schwanz und starrte auf das kleine Wesen vor ihm. Dieses immer wieder grässlich kreischende Wesen, das eines der Zweibeiner angeschleppt hatte. Ein Wesen, das die Zweibeiner auf seinem Lieblingsfleck abgelegt hatten! Mitten in der Sonne! Auf seinem Bett!

Nun gut. Es war vielleicht nicht direkt Minkis Bett. Aber es war das Bett seines Retters und das machte das Möbelstück doch wahrlich zu seinem Katzeneigentum! Immerhin war die Decke so schön weich und die Kissen so schön flauschig und die morgendliche Sonne …

Genervt wandte er den Kopf von dem Wesen ab. Er wandte sich dem Licht zu. Dieser herrlichen Wärme!

Und schielte unauffällig zu dem schlafenden Etwas hinüber.

Er mochte es nicht. Alle paar Stunden schrie es herum. Es trat um sich. Schlug auf Dinge und auf ihn ein. Gestern erst hatte es an Minkis Schwanz genuckelt!

Nur wenn einer der Zweibeiner ihm etwas in den Mund schob oder jemand die Geruchswolke entfernte, die sich alle paar Stunden über dem Wesen bildete, hörte es mit dem Terz auf. Es schien sie dann auszulachen, während die Felllosen sanft auf den Quälgeist einredeten! Diese Dussel ermunterten das Wesen dazu, mehr zu trinken. Sie freuten sich über jedes einzelne Geräusch, das es fabrizierte. Gaben diesem nervigen Etwas so viel Liebe und Aufmerksamkeit, dass Minki beinahe schlecht davon wurde!

Sie waren wahrlich Zweibeiner, die viel zu nachsichtig mit der Kastration ihrer Ohren umgingen. Denn wie dieses Wesen schreien konnte! Minki brannten noch immer die Ohren vom letzten Mal. Er hatte mehrfach mit dem Gedanken gespielt, sein Revier vor diesem nervigen Wesen zu verteidigen! Aber … es war ihm einfach zu suspekt. Zu fremd. Zu eigenartig. Und seit seinen Federvieherfahrungen in der Wildnis, wollte er sich auf keine Konflikte mit zu andersartigen Lebewesen einlassen.

Neugierig sah er abermals zu dem Quälgeist herüber. Er musterte das Gesicht. Diese Züge: geschlossene Augen, gerümpfte Nase, dünner Mund, angespannte Brauen, die Falten auf der Stirn …

Moment. Diese Falten hatte er gestern schon einmal gesehen. Sie hatten sich dort gebildet, ehe der Gestank kam. Als müsste sich das Wesen anstrengen, um diesen zu fabrizieren. Als würde es ihm und vielleicht noch den Zweibeinern eine Freude damit machen wollen!

Minkis Schnurrhaare zuckten genervt.

Womit hatte er das verdient? Das hier war sein Sonnenplatz! Schlimm genug, dass sein Retter diesem Wesen mehr Aufmerksamkeit schenkte als seiner Wenigkeit. Schlimm genug, dass er nun immer länger auf sein Fressen warten musste. Schlimm genug, dass dieses Vieh so laut schrie!

Aber wieso musste es nun noch die Luft in seinem Sonnenbad verpesten?

Ein fiependes Geräusch verfing sich in Minkis Ohren und sofort zuckten sie umher. Er starrte das Wesen an. Beobachtete die Mimik ausführlicher. Studierte diese Gesichtszüge genaustens. Die bebenden Lippen, die-

Dann entspannte sich das Wesen wieder.

Es war nur falscher Alarm.

Erleichtert legte Minki den Kopf auf seine Pfoten. Er ignorierte den beißenden Geruch gekonnt. Er war das kleinere Übel. Und das kleinere Übel würde ihn noch nicht vertreiben. Denn noch schlief das Wesen. Noch würde es schweigen. Noch konnte Minki die Sonne in vollen … oder zumindest halbvollen Zügen genießen. Und das gedachte er auch zu tun! Er würde jeden Strahl mit seinem dunklen Pelz aufsaugen. Er würde diese Wärme schnurrend in Empfang nehmen, nachdem es die letzten Tage so frisch gewesen war. Nachdem die Nacht so kühl gewesen war. Nachdem so viel Hektik und Stress sein armes Katzenleben heimgesucht hatten.

Sachte schloss Minki die Augen. Er blendete seine Sorgen aus. Konzentrierte sich einzig auf das angenehme Gefühl auf seinem Fell. Dieses Paradies, das er darauf spürte. Der Himmel auf Erden, der ihm-

Ein weiteres Fiepen. Schriller. Bestimmter. Launischer.

Und damit entschied Minki, dass alle Sonne der Welt keinen Tinnitus Wert war.

Genervt sprang er vom Bett, ehe die Stimme lauter werden konnte. Er drückte die Türen auf. Trabte in die Küche. Ließ seinen vorwurfsvollen Blick über die anderen Zweibeiner gleiten. Zweibeiner, die seine Anwesenheit kaum zu würdigen wussten. Zweibeiner, die sofort aufsprangen, als das Wesen nebenan aufschrie.

Entschlossen versperrte Minki jedoch seinem Retter den Weg. Er mauzte ihn tadelnd an. Peitschte gereizt mit seinem Schwanz. Verlangte nach der Aufmerksamkeit, die ihm die letzten Tage verwehrt wurde!

Und forderte so sein Frühstück ein.

Danach durfte der Zweibeiner sich gerne von seinen Ohren verabschieden gehen. Aber ein bisschen Ordnung würde Minki in diesen Haushalt zurückholen!

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