Minki und das Geheule

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Vieles musste der Kater bei seinen Zweibeinern ertragen. Von schiefen Stimmen über kratzige Schalplatten zu heulenden Radios. Wenn er konnte, suchte er das Weite. Der Krach peinigte seine Ohren einfach zu sehr. Wenn nicht …

Minki zuckte zusammen, als die Frau seines Retters ein Lied anstimmte.

Qualvoller Krähengesang! Das war eine Pein. Eine Tortur! Anders konnte man dieses Geheule nicht beschreiben!

Hastig floh der Kater ins Schlafzimmer. Er stemmte mit Kopf und Vorderpfoten eine Lücke zwischen Matratze und Bettzeug. Er musste einfach unter die dicken Kissen. Dort sollte es leiser sein. Dort sollte er verschont blei-

Er konnte es immer noch hören.

Nicht nur das, nun war da noch etwas anderes. Es wirkte melodisch und schreiend zugleich. Pfeifend. Schrill!

Minki entkam ein flehendes Mauzen.

Womit hatte er das verdient? Konnte er nirgends seine Ruhe haben? Er hatte eigentlich seinen dritten Mittagsschlaf beginnen wollen. Er war schon älter. Er brauchte die Pause! Dann kam erst der nervige Besucher und nun der Lärm. Das war reinste Belästigung! Was sollte er nur tun? Wie sollte er nachts genug Energie haben, um an all den Türen zu kratzen, wenn er kein Auge zubekäme?!

Er musste etwas unternehmen!

Voller Elan schob sich der Kater aus seinem Versteck. Er quälte sich nach nebenan. Zu der Frau seines Retters und deren Besucher. Ein Zweibeiner, der so einen glänzenden Stock an den Mund hielt. Gut gelaunt wippte der Fuß des Fremden auf und ab. Passend zu den quälenden Tönen, die Minkis Ohren attackierten.

Der Kater ließ einen empörten Klageruf erklingen.

Keiner sah ihn an.

Natürlich. Es waren ja nur die Krachmacher anwesend. Warum sollten sie schon auf ihn hören? Er war ja nur eine kleine Fellkugel. Nicht weiter der Rede wert!

Doch diese kleine Fellkugel hatte Krallen.

Erneut machte Minki sich bemerkbar. Er jaulte und warf der Frau seines Retters einen ungehaltenen Blick zu.

Sie schob ihn mit dem Fuß beiseite und krächzte weiter.

Das. War’s.

Sofort verflog der gute Willen des Katers. Er hatte die Angelegenheit friedlich lösen wollen. Aber sie?

Beleidigt machte er auf dem Absatz kehrt und stolzierte in den Flur. Er brauchte nicht lange, um die Schuhe des Besuchers zu finden. Es waren die einzigen, die ungeschützt herumlagen. Nun gut. Dann sollte er sich auch nicht beschweren. Er hätte ja auch aufhören können!

Genüsslich stellte sich Minki über die Fußbekleidung und ließ es regnen. Nicht viel. Das wäre zu offensichtlich. Es war eher eine penetrante Markierung. Ein Zeichen, das er das Geheule nicht guthieß und das der Zweibeiner mit dem jaulenden Stock nicht zurückkommen brauche.

Er wäre hier unerwünscht.

Von milder Vorfreude gepackt, verkroch sich der Kater unter einem nahe stehenden Hocker. So musste er zwar seine Ohren weiter peinigen, jedoch hatte er einen Platz in der ersten Reihe, als der Zweibeiner bald darauf in den Flur kam und sich die Nase zuhielt. Er mauzte in dieser ulkigen Zweibeinersprache, packte seinen Stock ein. Zog sich an. Schimpfte.

Die Frau seines Retters blieb beschwichtigend nebenan stehen. Sie redete auf ihn ein. Wies zurück zur Küche. Dann auf das tickende Ding an der Wand.

Der andere Zweibeiner schüttelte den Kopf. Dann eilte er hinaus.

Minki rollte sich schnurrend unter dem Hocker zusammen.

Bestimmt würde sich dieser Zweibeiner hier nicht so schnell wieder blicken lassen.

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