Minki und das Glöckchen II

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Beleidigt saß Minki im Garten. Sein Schwanz peitschte gegen den schattigen Boden und seine Ohren richteten sich auf die Zweibeiner. Auf seinen Retter und die anderen beiden Felllosen.

Verächtlich fuhr er mit den Krallen in den sandigen Boden.

Normalerweise genoss der Kater diese Idylle. Normalerweise spielte er liebend gerne in seinem Paradies. Normalerweise jagte er in seinem Königreich Nagetiere und Eichhörnchen. Aber nie Vögel. Nein. Bloß keine Flattermonster!

Doch normalerweise war gerade gestrichen.

Die junge Zweibeinerin lachte auf und rannte zu einigen Pflanzen mit roten Früchten herüber. Schnatternd pflückte sie drei Stück und machte sich damit auf den Rückweg, um sie mit den anderen zu teilen.

Minki verengte die Augen zu Schlitzen.

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Minki und das Glöckchen I

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Minki spürte, dass etwas im Busch war, sobald die Tür aufging. Diese Zweibeinerin … Die Tochter seines Retters … Sie kam so leise auf ihn zu. So vorsichtig. So zögerlich …

Es behagte ihm nicht.

Langsam hob der Kater den Kopf und betrachtete die Felllose warnend. Egal, was sie vorhatte, sie sollte es gewiss zügig überdenken! Er würde sich nicht noch einmal wie ein Spielzeug von ihr rumschubsen lassen. Sollte sie sich doch eine andere Beschäftigung suchen. Er wollte seine Ruhe!

Ein Lächeln legte sich auf ihre Züge. Es wirkte so zart. So zerbrechlich! Wenn er die Zweibeinerin nicht besser kennen würde, hätte er diese Mimik als Olivenzweig angenommen. Er hätte sie wie eine tote Maus gewertet, die ihm entschuldigend dargeboten wurde.

Aber Zweibeiner fingen keine Mäuse.

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Minki und die Balkontür

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Mauzend kratzte er an der Tür nach draußen, doch bemühte sich keiner der Zweibeiner, auf sein Betteln einzugehen! Nun gut. Minki musste schon zugeben, dass sein Draußen vielleicht kein richtiges Draußen war. Es war nur ein winziges Draußen. Aber es war draußen! Es war sein kleines Draußen. Sein persönliches. Es war sein Sonnenbaden-Draußen. Es war sein Weg-von-der-Zweibeinerin-Draußen. Und es war sein Rückzugs-Draußen.

Dennoch saßen die Felllosen bloß auf ihren Hintern und starrten in den Flimmerkasten, statt ihm nach draußen zu helfen!

Empört stolzierte der Kater vor ihnen entlang. Er mauzte erneut. Lauter. Kläglicher.

Die Frau seines Retters zischte ihn an. Das tat sie immer, wenn er Ruhe geben sollte. Dabei wandte sie ihm nicht einmal den Blick zu! Ihre Augen klebten lieber auf dem Flimmerkasten wie seine sonst an ihrem Essen. Jedoch bekam sie dafür keinen Ärger …

Die Welt war ungerecht.

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Minki und die neue Wohnung

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Der neue Ort war … kleiner. Die Fenster wirkten tiefer. Es gab keine Dachterrasse. Er konnte nicht mehr so schön im Kreis rennen. Die wenigen Dinge, die die Zweibeiner mitgenommen hatten, standen alle woanders. Andere Felllose liefen hier überall herum. Sie sprachen durcheinander. Irgendetwas brüllte. Dann schwieg es. Dann-

Die Wohnung fühlte sich so falsch an!

Minki mochte sie nicht.

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Minki und der Umzug

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Seit Tagen waren die Zweibeiner … anders. Sie rannten umher. Packten Dinge in Kisten. Stapelten die Kisten. Verschwanden. Kamen wieder. Nahmen die eckigen Bäume auseinander. Stellten die Wände der Bäume fein säuberlich zusammen. Gingen dann wieder. Kamen mit mehr Kisten wieder.

Kisten über Kisten über Kisten.

Für Minki war es das reinste Paradies!

Zufrieden mit den neuen Klettermöglichkeiten ignorierte er sogar ihr ulkiges Verhalten. Denn so wichtig konnte es sicherlich nicht sein. Immerhin schienen sie es nicht für nötig zu befinden, ihn einzuweihen. Wahrscheinlich war es nur eine Phase der Zweibeiner. Nicht weiter tragisch.

Er bekam wie gewohnt Essen. Er konnte sich wie gewohnt in der Sonne aalen. Er schlief wie gewohnt auf dem Bett seines Retters, bis die Zweibeinerin ihn runterwarf.

Und dann kamen eines Tages noch weitere Zweibeiner in die Wohnung, die Minkis Schlafplätze wegtrugen.

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