Minki und die Kuckucksuhr I

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Jeden Tag entschloss Minki aufs Neue, dass er die neue Wohnung nicht mochte. Sie war so klein! Außerdem gab es nur so wenig Zimmer und die Zimmer, die es gab, wirkten alle so voll. Platz war Mangelware. Und am schlimmsten: Wenn Minki seine fünf Minuten bekam, so konnte er sich kaum austoben. Denn im Nu war der Kater durch die ganze Wohnung gerannt. Dann musste er umdrehen. Umdrehen, um zurück zu rennen? Was für eine Verschwendung!

Er vermisste sein Rundel …

Allerdings war der fehlende Platz kaum der Rede wert, wenn Minki an sein anderes Problem dachte. Denn hier waren alle Geräusche um ein Vielfaches lauter. Sobald jemand den Schlüssel ins Schloss steckte, bekam der Kater es mit. Er hörte, wie sich die Zweibeiner erleichterten. Er hörte, wie die Frau seines Retters sich auf dem Balkon unterhielt. Er hörte, wie sich die Nachbarn stritten, wenn das Essen anbrannte!

Und niemals hatte der Kater seine Ruhe …

Vor allem nicht nun, wo er das Ticken in der ganzen Wohnung hörte. Das Ticken und das Geschrei …

Langsam schaute Minki zu dem Kasten auf, der an der Stubenwand hing.

Die Geräusche entsprangen einem kleinen Haus. Einem Haus mit einem winkenden Kiefernzweig, der im Rhythmus des stetigen Tick-Tack durch die Luft wippte. Das hatte er auch zu akzeptieren gelernt.

Aber das quietschende Etwas?

Das war ein anderes Thema.

Der Kater hatte die ersten Tage versucht, sich in den anderen Räumen zu verschanzen. Er hatte sich im Bett seines Retters verkrochen und wurde von dessen Frau aus dem Zimmer geworfen. Er hatte versucht, sich im Zimmer daneben hinter das Sofa zu quetschen, doch hatte sie ihn auch dort vorgezerrt. Er hatte versucht, sich im Bad zu verkriechen, aber der ständige Besuch der Zweibeiner und all das Wasser dort hatten ihn wieder vergrault.

Und so war Minki mutig zum Ort der Pein geschritten und beäugte nun den tickenden Kasten über dem Thron seines Retters misstrauisch.

Er hatte noch nicht herausgefunden, warum dieses Ding immer wieder qualvoll ausschrie. Sobald er die schrillen Töne vernahm, verkroch er sich sonst nur hastig und wartete auf seine baldige Erlösung-

Aber nicht heute. Heute wollte er den Ursprung der Pein anpacken.

Mürrisch folgten Minkis Augen dem winkenden Kiefernzweig. Es war kein richtiger Kiefernzweig. So viel wusste der Kater. Er hatte ihn einmal zwischen die Pfoten bekommen und herausgefunden, dass er kalt war. Kalt und starr und gruselig.

Es erschien ihm wie ein böses Omen, das die baldige Ohrpein ankündigte.

Das Pendel tickte lauter und der Kater spannte sich an. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. Er presste den Kopf auf seine Pfoten. Schob die Hinterläufe unter seinen Bauch. Sein Schwanz zuckte. Glei-

Mit großen Augen betrachtete er den Vogel, der aus diesem tickenden Gerät sah. Er schrie schrill auf. Seine Flügel flatterten. Dann verschwand er wieder im Kasten.

Er schaute schreiend raus.

Und verschwand.

Er schaute schreiend raus.

Und verschwand.

Er schaute schrei-

Ungläubig mauzte der Kater auf.

Als hätte sich der Vogel vor Minki erschrocken, blieb er nun in seinem tickenden Haus sitzen. Er hatte die Tür verrammelt. Das Haus verschlossen.

Nur der tickende Kiefernzweig blieb zurück.

Das … das hatte er nicht erwartet. Schrie der Vogel etwa so kläglich, weil er in diesem Kasten gefangen war? Das Haus sah ja nicht sonderlich groß aus!

Beinahe mitleidig putzte Minki sich die Schnauze.

Vielleicht sollte er den Vogel auf seine Speisekarte packen, um ihn aus seinem Elend zu befreien? Das wäre ja nur fair! Der Vogel wäre erlöst. Und Minki?

Minki bekäme einen kleinen Leckerbissen für Zwischendurch.

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