Minki und das perfekte Versteck

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

In der Wohnung der Zweibeiner gab es viele Lücken und Winkel, in die die Felllosen nicht hineinpassten. Es waren ruhige Orte … zumindest für den Großteil der Zeit. Einige von ihnen waren im Winter schön warm und kuschelig und aus anderen jagte ihn die Frau seines Retters immer wieder heraus, ehe sie die Wohnung verließ.

Also machte es sich Minki bald zur Aufgabe, das perfekte Versteck zu finden.

Es musste klein sein. Aber groß genug, damit er hineinpasste. Es musste leicht zugänglich für ihn sein. Aber es durfte keine Störungen von den Zweibeinern zulassen. Es musste ihn nach möglichen Mahlzeiten lauschen lassen können. Aber es durfte auf keinen Fall die nervigen Stimmen oder Straßengeräusche auffangen!

Und am wichtigsten: Er durfte dort nicht auffallen.

Denn jeden Tag, ehe die Frau seines Retters verschwand, suchte sie ihn. Sie suchte ihn solange, bis sie ihn fand. Und dann? Dann besaß sie immer wieder die Genugtuung, ihn aus seinem wohlverdienten Ruheort zu scheuchen!

Das erste Mal hatte sie ihn vom Bett runtergeworfen. Beim zweiten Mal von der Couch. Beim dritten Mal hatte sie ihn aus der Lücke zwischen Sessel und Heizung gefischt. Beim vierten Mal aus einem halbgeöffneten eckigen Baum, in dem so kuschelige Dinger lagen …

So zog sich ihr bösartiges Spiel in die Länge und Minki bemerkte schnell, dass sie all die Orte, die er mochte, mit einem albernen Katzenverbot ausstattete. Einem Katzenverbot! Wegen ihm!

Das konnte er nicht hinnehmen.

Also sah Minki sich gezielt nach Plätzen um, die sie schon länger nicht mehr aufgesucht hatte. Er suchte nach Anzeichen von Staub, der jedoch so stark in seiner Nase juckte, dass er die meisten Optionen sofort wieder verwarf. Er verkroch sich auf Schränken, in der Hoffnung, dass sie ihn dort oben übersehen würde. Er sprang aus dem Badezimmerfenster und kletterte auf die Dachterrasse, um-

Nun, dass ist eine andere Geschichte.

Letztendlich waren alle Verstecke nicht von Dauer. Sie fand ihn immer. Mal früher, mal später. Mal lachend, mal fluchend. Doch immerzu fand sie ihn.

Bis er auf die beste Idee seines Lebens kam.

Hierzu muss man wissen: Im Gegensatz zu Minki, trugen die Zweibeiner abziehbares Fell. Es war komisch. Nicht so gemütlich und flauschig, wie das von ihm, aber immer noch akzeptabel und in größeren Mengen ein wahrhaftiges Schnurrparadies!

Dieses abziehbare Fell wurde in einem Korb gesammelt. Es war ein großer, weißer Korb mit einem Deckel. Es wurde dort hineingeworfen und alle paar Tage – wenn der Inhalt sich zum Rand wölbte – nahmen die Zweibeiner es hinaus und packten es in die Donnertrommel.

Ein schreckliches Gerät. Minki hasste es. Es machte Krach. Es machte dieses abziehbare Fell nass. Es roch doof. Und nie konnte er dort hineinsehen, da die Felllosen es stets verschlossen!

Nicht aber den Korb.

Der Korb hatte einzig einen Deckel. Einen leichten Deckel. Einen Deckel, den er mit seinem Köpfchen beiseiteschieben konnte. Einen Deckel, unter dem sich Minki verstecken konnte.

Im Paradies.

Bestimmt hätte es noch bessere Orte gegeben, in denen sich der Kater schnurrend niederlassen könnte. Aber dieser hier war besonders. Alle Geräusche, bis auf das Singen von Besteck auf Geschirr oder Metall, kamen nur gedämpft bei ihm an. Er konnte sich unter den abziehbaren Fellen einkuscheln. Es war warm. Es war kuschelig. Es roch nach seinem Retter. Er hatte seine Ruhe. Und selbst wenn die junge Zweibeinerin noch zügig etwas oben rauf warf, so sah sie ihn nicht.

Und die Frau seines Retters suchte über die nächsten Tage und Wochen vergeblich nach ihm. Über Stunden rannte sie durch die Wohnung, während Minki schadenfroh ihren Schritten lauschte. Während er sein perfektes, kleines Versteck genoss.

Sie hätte ihn einfach auf dem Bett liegen lassen sollen.

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