Auch wenn eine Katze sieben oder gar neun Leben haben soll, so lebt sie dennoch nur ein einziges. Dieses eine ist nicht einmal besonders lang. Im Durchschnitt kommt es vielleicht auf 15 Menschenjahre. Plus/Minus.
Minkis erreichte sogar stolze 17 Jahre, ehe sein Körper eine Pause brauchte.
Der Kater spürte, dass er nicht mehr lange hatte. Von Tag zu Tag wurde er schläfriger. Er schmiegte sich immer häufiger an seinen Retter. Ärgerte dessen Frau weniger. Verzieh der kleinen Zweibeinerin ihre Lappalien öfter.
Alte Fehden erschienen ihm plötzlich so unwichtig.
Sein teuflischer Blick, Ihr scheinendes Glück – Eines und Alles.
Seine gespenstische Stille, Ihr kämpfender Wille – Harfe und Klinge?
Was ist schlecht? Was ist recht? Und wann rächt Sich der Verstand?
Wenn der Funken schwand?
Bei diesem Gedicht handelt es sich um eine Übersetzung. Das Original habe ich vor Jahren mal auf Englisch verfasst und wollte es Euch nicht vorenthalten. Beides ist zwar kürzer, aber in der Kürze liegt ja bekanntlich die Würze, oder? C; Medra
Fast zehn Jahre wachte ich über Jane. Ich beobachtete, wie der Exorzist sich von ihr verabschiedete. Ich blieb bei ihr, als ihr Vater im darauffolgenden Winter an einem Husten verstarb. Und ich folgte ihr wie ein Schatten, als ein altes Ehepärchen aus dem Dorf sie aufnahm.
Dennoch konnte sie mich nicht sehen.
Manchmal glaubte ich, dass sie meine Anwesenheit spüren musste. Dass sie bemerkte, wie ich hilflos die Hand nach ihr ausstrecken wollte. Sie hielt dann immer ganz kurz inne. Sie schien etwas sagen zu wollen. Sich zu entspannen. Sich in meine Richtung zu lehnen.
Ich fand Jane bei den Pferden. Sanft sprach sie auf die Tiere ein, während sie ihnen ihr Frühstück gab. Dabei streichelte sie die dürren Hälse und bedankte sich bei den Wesen.
Nie zuvor hatte ich jemanden gesehen, der so zärtlich mit Tieren umging!
„Wie kannst du so gelassen bleiben, wenn sie deinen Tod zum Morgengebet verlangen wollen?“, platzte es aus mir heraus.
Die Zeit lief ihr davon!
„Was passieren soll, wird eh geschehen. Meine Sorgen werden nichts daran ändern“, erklärte sie so leise, so schwach.
Aber dennoch zitterte ihre Stimme.
Gut. Das bedeutete, dass sie weiterleben wollte, oder? Es musste. Sie musste!
Unschlüssig beobachtete sie das Haus. Verglichen mit der Ruine im Wald erschien es ihr so riesig! Und dennoch hatte sie es nur durch Shizens Witze gefunden. Er hatte ihr von den nichtmagischen Bewohnern erzählt. Sie würden sich hier so irrsinnig verhalten. Gewiss waren ihre Leben einfacher. Einfacher und amüsanter.
Das hatte ihr Interesse geweckt.
Seither hatte sie sich alle paar Tage hierher getraut. So konnte sie die Menschen aus der Ferne beobachten. Es verwirrte sie, dass die Kinder sich so unbeschwert gaben. Dabei waren sie alle ungewollte Waisen, oder? Das behaupteten Shizens Desson doch!
„Es kommt jemand“, schnurrte Yuki in ihr Ohr und augenblicklich versteckten sie sich hinter dem nächsten Baum.
Fragend nickte Maggie hinter sich und die Gestaltwandlerin verwandelte sich in einen Käfer. Surrend flog sie um ihr Versteck, um die Lage aus zu peilen.
„Er räumt auf“, berichtete sie, als sie sich erneut auf ihrer Schulter niederließ.
„Hm.“
Mehr wusste Maggie nicht zu sagen. Nicht während sich die Stimmen in ihrem Kopf überschlugen. Die eine forderte den sofortigen Rückzug. Die andere wollte alles erkunden. Sie fühlte sich zwischen einer Einsiedlerin und einem kleinen Kind gefangen.