K: Lieber Niklas

Niklas beobachtete seine älteste Stiefschwester unsicher. Er hatte sie schon seit Monaten nicht mehr gesehen. Viel zu selten kam sie ihr altes Waisenhaus besuchen! Aber heute, zum Geburtstag ihrer Betreuerin und einem seiner anderen Stiefbrüder, zum Jahrestag ihres Waisenhauses, war sie endlich wieder nach Hause zurückgekehrt.

Lachend saß sie mit all den anderen Kindern, den Freunden aus dem Dorf und einigen ehemaligen Waisen an einem riesigen Tisch. Links von ihr hockte das jüngere Geburtstagskind, Florian, auf einem kippelnden Stuhl und erzählte von all den Dingen, die sie verpasst hatte. Rechts von ihr lauschte der ebenfalls ausgezogene Tom den prachtvollen Erzählungen. Auf ihrem Schoß hüpfte die zweijährige Lisa glucksend auf und ab. Letztere verlangte Lieder. Musik. Aufmerksamkeit.

Und Janine gab sie dem Kind genauso herzlich, wie sie es einst bei Niklas getan hatte.

Viel zu lange lagen diese Erinnerungen zurück.

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M: Aller Abschied ist schwer

„Jane … Bist du dir wirklich sicher?“, fragte Lisa leise und drückte dabei ihre Hand.

Die Jade erwiderte die Geste ohne zu ihrer Freundin zu sehen. Stattdessen galt ihr Blick den Straßen vor dem Café. Der graue November hatte die Stadt bereits in seine kühlen Klauen geschlossen und ihr Aufpasser vom Dienst fröstelte draußen im kühlen Wind. Doch störte sie das weniger. Er war einer der masochistischeren Mistkerle, die sie immerzu nervten. Und so einen wollte sie kaum bei sich wissen, wenn sie sich mit der einzigen Person unterhielt, der sie wahrhaftig alles anvertrauen konnte.

Seufzend wandte Jane sich ab. Sie sah zu dem Jungen herüber, den sie doch hätte bepaten sollen. Dieser kleine Charmeur mit den klaren blauen Augen, die er definitiv von seinem Vater geerbt hatte. Die noch nicht so kalt wirkten, wie die des Älteren. Die ihre Welt neugierig erkundeten. Die den Keks musterten, den sich der Zweijährige vorsichtig in den Mund schob. Irritiert knabberte er daran herum, legte den Kopf schief.

„Mortes wird dich fragen, wo ich hin bin. Er wird vermuten, dass du etwas weißt“, erklärte sie Lisa, die nur genervt die Augenbrauen hochzog.

„Wenn ich es nicht wüsste, würde ich ihm die Jungs aufdrücken und dich sofort suchen kommen.“

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M: Stiefel für den Kater

„Er braucht Stiefel, Mom! Bitte!“

„Er ist ein Kater, Marie.“

„Deswegen ja! Wie soll er sonst sprechen lernen? Oder auf zwei Beinen laufen?“

Sophie kicherte leise, während sie ihrem jüngeren Zwilling und ihrer Mutter lauschte. Mrs. Kleid hatte ihnen vorhin wieder das Märchen vom gestiefelten Kater aufgelegt und seitdem war Marie erneut davon überzeugt, dass man nur so den Zauber auf ihrem pummeligen Hauskater brechen könne.

„Warum tust du mir so etwas an?“, die Frage ihrer erschöpften Mom richtete sich an die ältere Frau, die die Schwestern immerzu betreute, wenn die Eltern arbeiten mussten.

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