M: Durch Mark und Bein

Sophie hörte das Klingeln einiger Fahrräder und prompt zog sie den Kopf ein. Sie wartete. Lauschte.

Doch fuhren ihre Mitschüler an ihrem Haus vorbei.

Vorsichtig schielte sie an den Blumen vorbei, die die Veranda in ein verstecktes Paradies verwandelten. Auf der Einfahrt konnte sie ihren kleinen Bruder sehen. Tyler spielte mit seinem Freund Jimmy dort. Sie hatten den Boden mit Kreide bemalt und begannen gerade, sich Geschichten zu den wirren Bildern auszudenken.

Ach, was würde Sophie nicht dafür tun, in diese unbeschwerte Zeit der Kindheit zurückzukehren!

Stattdessen schob sie ihr Tagebuch beiseite, griff nach ihren Hausaufgaben und kämpfte mit Zinsrechenproblemen und Übersetzungen. Sie mochte weiterführende Schulen nicht. Der Stoff war anstrengender. Die Hausaufgaben zeitintensiver. Die Mitschüler …

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K: Lieber Niklas

Niklas beobachtete seine älteste Stiefschwester unsicher. Er hatte sie schon seit Monaten nicht mehr gesehen. Viel zu selten kam sie ihr altes Waisenhaus besuchen! Aber heute, zum Geburtstag ihrer Betreuerin und einem seiner anderen Stiefbrüder, zum Jahrestag ihres Waisenhauses, war sie endlich wieder nach Hause zurückgekehrt.

Lachend saß sie mit all den anderen Kindern, den Freunden aus dem Dorf und einigen ehemaligen Waisen an einem riesigen Tisch. Links von ihr hockte das jüngere Geburtstagskind, Florian, auf einem kippelnden Stuhl und erzählte von all den Dingen, die sie verpasst hatte. Rechts von ihr lauschte der ebenfalls ausgezogene Tom den prachtvollen Erzählungen. Auf ihrem Schoß hüpfte die zweijährige Lisa glucksend auf und ab. Letztere verlangte Lieder. Musik. Aufmerksamkeit.

Und Janine gab sie dem Kind genauso herzlich, wie sie es einst bei Niklas getan hatte.

Viel zu lange lagen diese Erinnerungen zurück.

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Ko-fi

So, darf ich Euch meine Ko-fi Seite präsentieren? (Whooot!)

Tada! C;

Von nun an könnt Ihr mir gern unter die Arme greifen, wenn Euch die Beiträge gefallen. Und da ich keine Unterstützung unbelohnt lassen möchte, gibt es als Dankeschön eine kleine Überraschung. Einfach einen Screenshot von der Spende machen und mir über das Kontaktformular zukommen lassen und ihr werdet belohnt!

Besten Dank im Voraus.

Medra

Minki und Kitty I

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Zusammengerollt kauerte Minki auf seinem Hocker und blickte auf den Boden herab. Er musterte seine Umgebung intensiv. Bedachte jede nicht vorhandene Bewegung mit so viel Aufmerksamkeit, wie schon lange nicht mehr. Die Zweibeiner wurden ausgeblendet. Dieser Gast, der ihm sonst immer etwas zum Naschen mitbrachte, wurde ausgeblendet. Sogar sein Retter wurde ausgeblendet!

Sie waren alle nicht von Bedeutung.

Nicht, solange sie da war.

Etwas berührte ihn am Schwanz und erschrocken fie… ehm, sprang er natürlich von dem Hocker, der seinen Thron darstellte. Seine Augen wanderten zu dem fremden Wesen hinüber, das ihm so ähnlich sah und doch so fremd erschien.

Sie war klein. Spitze Ohren zuckten auf ihrem Kopf herum. Ein brauner Fleck zierte ihr Näschen. Darunter, am Hals, baumelte ein rotes Halsband mit einem stillen Glöckchen.

Ja, still. Denn Minki hatte es bislang kein einziges Mal vernommen, während sie ihn geärgert hatte. Während die Zweibeiner nur dasaßen und nichts unternahmen. Während sie ihre Gespräche über sein Wohl stellten!

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Zum Mond

Einsam stehe ich hier,
Blicke in endlose Gier,
Rasend wie ein Tier,
Schier!
Ein wütender Stier.

Die endlose Dunkelheit.

Die Arme umschlingen den Leib.
Sie verbieten den Neid.
Sie lassen das kleine Boot ziehen,
Können blind nicht fliehen,
Können nur niederknien.

Erstreckt sich weit und breit.  

Der Mond bekümmert,
Er strahlt zertrümmert,
Er flimmert und wimmert,
Glimmert und Schimmert,
Heller noch
Als das Loch
Hinter mir.

Sie nimmt Geborgenheit.

Denn der Leuchtturm ist kalt,
Er ist düster und alt.
Er knirscht und knarrt
Von altem Verrat.

Wandelt sie hilfsbereit.

Verrat, den das Meer beging,
Als es den Kahn empfing,
Als es mein Urteil verhing.

Bei jeder Gelegenheit.

Und die Glühwürmchen
Aus dem Türmchen
Lockt.

In Einsamkeit.

Nun sind sie im Himmel,
Bedecken ihn mit Gewimmel
Mit diesem Mond,
Der dort oben wohnt.
Der so grell und hell erstrahlt
Und meine Glühwürmchen bemalt.