Zitternd umschlungen Janes Arme ihren dünnen Leib. Der kühle Herbstregen durchnässte ihre Kleidung, sodass ihre Kleidung unangenehm an ihr haften blieb. Er ließ sie frösteln. Und er verbarg die Flecken, deren rostigen Farben in Merichavens Trostlosigkeit nicht aufzufallen vermochten.
Drei Blöcke entfernt erklang eine Polizeisirene.
Jane seufzte. Sie legte den Kopf in den Nacken und gab sich dem Regen hin. Sie wusste, was die Polizisten vorfinden würden. Sie wusste, warum sie diesen Horror in ihren Akten aufnehmen mussten. Und sie wusste, dass der Täter, dass sie es nicht gern getan hatte.
Minki wollte es verfluchen! Der Kater hatte dem Geschöpf von Anfang an nicht über den Weg getraut. Es hatte ihn seit jeher besorgt. Er war von dem Winzling so sehr schikaniert worden! Seine Ohren wurden gepeinigt. Seine Nase wurde ausgeräuchert. Sein Schwanz wurde massakriert!
Und endlich wusste er auch warum. Bei diesem Wesen handelte es sich um einen weiteren Zweibeiner. Einem ziemlich dummen Zweibeiner.
Der Kater sprang auf einen niedrigen eckigen Baum. Hier konnte ihn der Winzling nicht erreichen. Hier war er noch sicher vor diesen mickrigen Händen, die ständig nach ihm langten. Sicherlich würde die Frau seines Retters mit ihm schimpfen. Immerhin wusste er, dass er auf den eckigen Bäumen eigentlich nichts zu suchen hatte. Aber wenn Minki die Wahl zwischen ein paar bösen Worten und diesem winzigen Monster von einem Zweibeiner hatte, dann brauchte er nicht lange nachdenken.
Forschend glitten seine Augen über den Kasten, in dem das Wesen hing. Die zwei Beine des Geschöpfs strampelten wild umher, während das Gerüst des Kastens den Körper aufrecht hielt. Die Arme des Felllosen kamen kaum über die Gefängniszelle, in der es festhing. Dennoch streckte es sie fordernd nach dem Kater aus und gab dabei immer dieselben unklaren Laute von sich.
Verschlafen rollte sich Anja auf die Seite. Sie starrte auf die Wand zum Nebenzimmer. Runzelte die Stirn. Setzte ihre Brille auf. Blickte auf den Wecker. Seufzte.
Diesmal war es noch vor um drei.
Schlaftrunken schob sie sich aus dem Bett und schmiss sich eine dünne Jacke über. Ihr Zimmer war eiskalt. Kein Wunder. Die undichten Fenster und alten Heizkörper konnten schon ab September nachts keine ordentliche Temperatur mehr halten. Und mittlerweile kündigte sich Halloween an. Die Zeit der Geister, Gespenster und ruhelosen Seelen.
Eines dunkel. Eines hell. Eines warm und grell. Eines kalt, kein Pastell.
Schwarz. Weiß.
Weiß. Schwarz.
Mit Rot wären wir beim Darts!
Aber – ist dem so? Ist dies der Status quo?
Wie kommt es dann, Dass Dunkles so Heiß Und dass Weißes, Das Weiße wie Schnee, Das fröstelt mir die Zeh‘, Nicht verstanden werden kann.
Verquere Welt. Ein Ort, der gefällt. Voller Antonyme, Anonyme Homonyme?
Kompliziert? Komplex? Beinahe Verhext?
Vielleicht sollte es einfacher sein. Vielleicht sollte es gleicher sein. Vielleicht sollte es gemischt sein!
Schwarz und Weiß. Weiß und Schwarz.
Immerhin wäre es schlau, Ob nun zur Schau Oder durch Umbau, Grau zu wählen.
Nur sind Seelen, Gemacht, um zu leben. Sie sind nicht Grau. Sie sind nicht Schwarz. Sie sind nicht Weiß. Sie tragen keinen Preis.
Seelen sind bunt. Sie sind rund. Sie sind eckig. Fleckig. Verzogen. Gebogen.
Sie sind nicht Grau. Sie sind Gelb-Blau. Sie sind Grün-Rot. Niemals tot. Immer in Bewegung. Immer in Erregung.
Wegen diesem. Wegen jenem. Und nichts ist zu verstehen. Auf den Wegen Der Seelen.
Für Schwarz ist nicht Schwarz. Für Weiß ist nicht Weiß. Und Grau? Bei der perfekten Mischung wird mir flau. So existiert sie doch nicht! Ein jeder hat sein eig’nes Gesicht.