Minki und die endlosen Stufen

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Er hechelte.

Wer Minki kannte, wusste, dass er das nicht sonderlich oft tat. Aber derzeit blieb ihm nichts anderes übrig. Er musste diese komischen Steine in aller Eile erklimmen! Die irre Zweibeinerin war ihm dicht auf den Fersen. Sie setzte ihm eilig nach und so tat der Kater das einzige, was ihm in den Sinn kam-

Er flüchtete sich in einer Spirale die Steine hinauf. Immer weiter. Immer höher. Denn: Oben wären seine Verstecke. Oben wäre er in Sicherheit. Oben hätte sein Retter sicherlich die Tür aufgesperrt, um den Kater mit Fressen zu begrüßen!

Alles, was Minki dafür tun musste, war, hinauf zu hetzen.

Während ihm die irre Zweibeinerin folgte.

Hastig nahm der Kater zwei Stufen auf einmal, während seine Gedanken zum Garten zurückwanderten. Es war so schön gewesen! Die Felllosen hatten ihn erneut dorthin mitgenommen und er war gejagt, geklettert, hatte sich vor den komischen Federdingern versteckt …

Minki wäre am liebsten dortgeblieben!

Nur hatte er mittlerweile verstanden, dass es nicht möglich war. Die Nächte wurden schon wieder kälter. Die Tage kürzer. Das Fressen sporadischer. Früher oder später, das war selbst dem Kater bewusst, würde er seinen warmen Fleck bei seinem Retter vermissen.

So war es sicherlich besser.

Die Zweibeinerin machte komische Geräusche hinter ihm und eilig nahm Minki diesmal drei Stufen auf einmal. Sein Puls raste. Sein Herzschlag hallte in seinen spitzen Ohren wider. Sein Schwanz hatte sich aufgeplustert.

Lange könnte er das nicht mehr durchhalten! Nahmen die Steine denn überhaupt kein Ende? Mittlerweile musste er doch sicherlich-

DA!

Erleichtert erkannte Minki eine offene Tür hinter den nächsten Steinen und mit Karacho sprang er hinein. Hier war er in Sicherheit. Hier hätte er seine Ruhe. Hier konnte er sich verstecken und den Zweibeinern wenn nötig trotzen, denn-

Moment.

Minki sah sich ungläubig um.

Wieso sah sein Reich so anders aus? Und warum roch es so komisch? Irgendwie dreckig. Irgendwie … Ja. Irgendwie fühlte es sich fremd an. So, als wäre es nicht sein Zuhause! Aber wie war das möglich? Oder war er nur zu lange fort gewesen? Er glaubte Ähnlichkeiten zu seinem Königreich zu entdecken, allerdings fielen diese so minimalistisch aus, dass es beinahe lachhaft war.

Etwas knurrte und erschrocken drehte Minki sich um.

Ein Hund stand vor ihm. Ein langgezogener, brauner Hund mit fletchenden Zähnen. Und ein fremder Zweibeiner. Letzterer rief ihm irgendetwas entgegen, während das Tier sich bereits auf Minki stürzte. Es bellte lauter, als jeder Knall. Als jeder Donner. Als jede Furcht.

Abrupt wandte sich der Kater ab. Er flüchtete sich die restlichen Steine hinauf. Nur am Rande bekam er mit, wie die irre Zweibeinerin ihm folgte. Sie gab nun andere Geräusche von sich. Wohltuende Geräusche. Doch vermochten sie Minkis Schwanz nicht wieder zu glätten.

Dieser war beinahe viermal so dick wie sonst.

Eine Hand voll Stufen später erblickte der Kater eine weitere offene Tür. In dieser stand sein Retter. Sofort wurde ihm bewusst, dass er diese Pforte kannte. Dies war sein Eintritt in sein Königreich. Dies war sein Heim. Und dieses Reich wartete wohlwollend auf ihn.

Zitternd sprang er hinein und flüchtete sich sofort in sein perfektes Versteck.

Für einen Tag hatte der Kater genug erlebt. Für heute würde er sich nicht mehr hinauswagen. Für heute würde er sich nicht mehr sehen lassen.

Für heute würde er nur noch seinen Schwanz putzen und hoffen, dass dieser wieder schrumpfte.

Und dass dieser Schreck ihm nicht zu viele Jahre geraubt hätte.

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