M: Mit Euphorie das Leben begrüßen

„Immer schön ruhig bleiben, ja? Nicht schreien. Nicht umhertollen. Ihr wollt eure Mom doch nicht stressen, oder?“

Bestätigend riss Sophie ihren Kopf hoch und runter. Die Reaktion ihres Zwillings hingegen fiel stockender aus. Marie hatte einfach einen zu schlechten Tag gehabt. Außerdem schien ihre Schwester noch mit den gestrigen Neuigkeiten zu kämpfen. Immerhin hatte ihr Vater da nur nebensächlich von der schwierigen Geburt ihres Brüderchens berichtet. Er hatte jegliche Probleme und medizinischen Eingriffe freudig erläutert, hatte jede noch so problematische Aktion der Ärzte unbeeindruckt wiedergegeben-

-und war dabei kein einziges Mal auf Maries Ängste eingegangen.

„Werden Mama und Tyler lange hierbleiben?“

Weiterlesen

Minki und das Versteckspiel

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Es klingelte. Dann donnerte es. Und nochmal lauter. Und lauter!

Minkis Ohren spitzten sich an. Sein restlicher Körper verschmolz mit dem Sofa. Erst sah er zu seinem lächelnden Retter. Dann lauschte er den Schritten seiner Frau. Die Zweibeinerin näherte sich der Geräuschkulisse. Sie klimperte mit den Metallstiften.

Und dann war das größere Wesen in seinem Reich.

Weiterlesen

Ankündigung: Meerjungfrauenanthologie

© Katharina Kolata

Oh je, oh je, oh je- Atmen!

Wo soll ich beginnen? Ich glaube, es war im März gewesen. Ja. Das klingt richtig. März. Da habe ich von dieser Ausschreibung zum ersten Mal gehört. Gesucht wurden „fünfzehn Kurzgeschichten, die das Thema Meerjungfrau auf möglichst vielfältige Weise beleuchten. Dabei interessieren uns vor allem Geschichten abseits der üblichen Disney-Romantik, und auch der x-te Abklatsch von „Plötzlich Meerjungfrau“ oder „Splash“ ist nicht erwünscht. Überrascht uns mit eurer Originalität.“

Und was machte das Medra damals?

Das Medra las die Ausschreibung. Das Medra klickte sie weg. Das Medra öffnete sie erneut. Das Medra runzelte die Stirn …

Denn das Medra war irgendwie interessiert. Immerhin waren Arielle, Simba und Tarzan zu ihrer Zeit ziemlich beliebt gewesen. Aber das war damals, in ihren Kindertagen, gewesen. Damals, als die Welt noch in pink und blau geteilt war. Damals als-

Damals als

Schrieb heutzutage eigentlich noch irgendwer über einen Meermann? Und wenn ja: Wie war dieser dargestellt? Als sexy Aquaman? Nein. Als groteske Verunstaltung? Nein. Das klang langweilig. Interessanter wäre es doch, wenn

Was soll ich sagen? Das Medra hat eine Geschichte eingereicht. Das Medra hat es in die Endrunde geschafft. Und wenn Ihr eine etwas andere Geschichte lesen wollt, wie wäre es, wenn Ihr Euch die Anthologie holt? C: Dann könnt Ihr selbst entscheiden, wie Eure Wassergeschöpfe aussehen sollen!

Das aufgeregte Medra wünscht ein frohes Lesen!

Medra

K: Ich kenne keine Mama

„Ach, Flo …“, begrüßte Janine ihn seufzend, als sie den Jungen fand.

Schniefend drückte er seine Jokerfigur gegen die Brust. In diesem Moment hätte er alles dafür gegeben, dass sie ihn einfach nur sich selbst überließ.

„Lass mich in Ruhe!“, forderte er verweint. Doch schien es sie nicht zu kümmern. Gelassen kletterte Janine über die vergessenen Tüten mit Dekorationen und alten Kleidern zu ihm in die hinterste Ecke der Nische. Gelegentlich fluchte sie über irgendeinen Gegenstand, der sich in der Dunkelheit des Zimmers versteckte. Ansonsten gab sie keinen Laut von sich.

Florian zog seine Knie enger an seinen Körper. Er hatte dieses Versteck doch ausgewählt, weil es nicht gut zu erreichen war. Hier – so hatte er gehofft – würde man ihn als letztes suchen. Hier hätte er seine Ruhe. Und hier müsste er keine dummen Fragen beantworten!

Weiterlesen

Der Fluch

Pinselstrich
Um Pinselstrich.
Erkennbar im matten Licht
Das eingefall’ne Gesicht.

Verfilzte Haare,
Asche und Ruß.
Weil es keine zehn Jahre
Alte gewesen sein muss.

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen
Taten.

Soll es verwirktes Leben
Wirklich immer geben?

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen
Sünden.

Soll dieser endlose Schmerz
Wirklich einziehen ins Herz?

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen-
Nein!

Dies ist kein Ende.
Dies ist kein Punkt.
Es ist ein Und-
Und eine Rückblende.

So erklärt dieser Fluch
Den wütenden Besuch
Der lodernden Hölle
Und erinnert uns …