Timothy – Für dich …

Ich fand Jane neben ihrem Vater. Schroff wies er sie zurecht, weil die Waren nicht ordentlich festgebunden waren. Er meinte, dass sie etwas unterwegs verloren hätten, dass er Jane am liebsten zu Fuß durch den Schnee jagen wollte, bis sie es wiederfand!

Ein Teil von mir, hätte sich darüber gefreut. Dann könnte sie dem Pfarrer und diesem dummen Exorzisten entkommen!

Aber wenn sie starb …

„Verzeihung. Es wird nie wieder vorkommen, Vater“, sprach sie so gefasst und unterwürfig, dass es mir wehtat.

„Das hoffe ich für dich!“, fluchend wandte er sich endlich ab.

Erst danach sah sie auf. Ein eigenwilliger Gesichtsausdruck begrüßte mich. Er schrie von Ungerechtigkeit. Von Angst. Von Schmerzen.

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Minki, die kleine Zweibeinerin und das Netz

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Es hatte nicht lange gedauert, bis das größere Wesen zu einer kleinen Zweibeinerin heranwuchs. Es tapste zwar immer noch ein wenig schwankend umher und verschüttete ständig irgendwelche Flüssigkeiten, aber es verwöhnte Minki regelmäßig mit einer Vielzahl an Leckerlies.

Und letzteres erfreute den Kater mehr, als er sich anmerken ließ.

Sobald sie sein Reich betrat, präsentierte er sich stets aus sicherer Entfernung. Er wusste, dass diese kleine Zweibeinerin ihn dann streicheln wollte. Und er wusste, dass sie dafür nach Leckerlies für ihn bitten würde. Es war ein einstudiertes Spiel, mit dem er sich die köstlichen Krümel hart verdiente.

Umso mehr irritierte es ihn, als sie kam … und nicht einmal in Minkis Richtung blickte!

Nein! Stattdessen plapperte sie wild vor sich rum. Malte große Bögen in die Luft. Jaulte. Quengelte!

Bis Minkis Retter nachgab.

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Timothy – Die Flammen, die mich leiten …

Fortan blieb ich in Janes Nähe.

Schweigend beobachtete ich sie bei ihren Arbeiten. Wie sie ihrem schimpfenden Vater half. Wie sie jedem Befehl sofort Folge leistete. Wie sie sich sanftmütig um die Pferde kümmerte. Wie sie Schnee holte, um ihn überm offenen Feuer zu schmelzen …

Einzig in der Kirche schien sie zur Ruhe zu kommen.

„Du solltest dir eine Pause gönnen. Sonst bricht dein Körper noch zusammen“, bemerkte ich, als sie sich auf der hintersten Bank im Gotteshaus niederließ.

Jane nickte sachte.

Mehr war nicht aus ihr herauszubekommen, wenn andere Menschen zugegen waren. Sie schien sich regelrecht vor den Reaktionen der anderen Leute zu fürchten! Warum? War die Welt schon immer so erstickend gewesen?

Oder war es mir zuvor bloß nie aufgefallen?

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Minki und das Geheule

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Vieles musste der Kater bei seinen Zweibeinern ertragen. Von schiefen Stimmen über kratzige Schalplatten zu heulenden Radios. Wenn er konnte, suchte er das Weite. Der Krach peinigte seine Ohren einfach zu sehr. Wenn nicht …

Minki zuckte zusammen, als die Frau seines Retters ein Lied anstimmte.

Qualvoller Krähengesang! Das war eine Pein. Eine Tortur! Anders konnte man dieses Geheule nicht beschreiben!

Hastig floh der Kater ins Schlafzimmer. Er stemmte mit Kopf und Vorderpfoten eine Lücke zwischen Matratze und Bettzeug. Er musste einfach unter die dicken Kissen. Dort sollte es leiser sein. Dort sollte er verschont blei-

Er konnte es immer noch hören.

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Timothy – Ich suchte dich, weil …

Ich habe keine Ahnung, wie ich Jane und ihren Vater trotz des Schneesturms verfolgen konnte. Ich wusste ja nicht einmal, wo das nächste Dorf lag! Mein Instinkt leitete mich. Er musste mich leiten. Denn der Tornado der riesigen Flocken raubte mir jede Sicht. Es fühlte sich wie eine krisselige Masse an. Ohne Gerüche. Ohne Wärme oder gar Kälte.

Es war einfach nur … leer?

Ein sanftes Flimmern tauchte unter mir auf und so schwebte ich hinab. Der Kirchturm zeichnete sich endlich in dem Weiß ab. Wie ein Leuchtturm konnte er mir den Weg hinab zur eingeschneiten Straße weisen. Um mich herum erkannte ich allmählich noch mehr Wohnhäuser. Hohe Gebäude, die mir so unbekannt erschienen. Die jedoch neben der vertrauten Kirche standen. Die bereits so alt und erschöpft wirkten …

Wann war ich zuletzt hier gewesen? Evangeline wollte sonst immer hierher! Sie wollte hierher, um … um …

Warum noch mal?

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