Minki, die kleine Zweibeinerin und das Netz

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Es hatte nicht lange gedauert, bis das größere Wesen zu einer kleinen Zweibeinerin heranwuchs. Es tapste zwar immer noch ein wenig schwankend umher und verschüttete ständig irgendwelche Flüssigkeiten, aber es verwöhnte Minki regelmäßig mit einer Vielzahl an Leckerlies.

Und letzteres erfreute den Kater mehr, als er sich anmerken ließ.

Sobald sie sein Reich betrat, präsentierte er sich stets aus sicherer Entfernung. Er wusste, dass diese kleine Zweibeinerin ihn dann streicheln wollte. Und er wusste, dass sie dafür nach Leckerlies für ihn bitten würde. Es war ein einstudiertes Spiel, mit dem er sich die köstlichen Krümel hart verdiente.

Umso mehr irritierte es ihn, als sie kam … und nicht einmal in Minkis Richtung blickte!

Nein! Stattdessen plapperte sie wild vor sich rum. Malte große Bögen in die Luft. Jaulte. Quengelte!

Bis Minkis Retter nachgab.

Kurz darauf rannte die kleine Zweibeinerin mit einem ulkigen Ball aus der Stube. Er war … schief. Und dröselte sich auf. Nein. Sie dröselte ihn auf!

Irritiert beobachtete der Kater, wie sie das Ende an einer Tür anknotete.

Dann spielte sie Spinne.

Sie rannte durch den ganzen Flur und das kleine Schlafzimmer. An jedem Loch oder Knauf wurde die Schnur befestigt. Es glich einem riesigen Netz! Wenn die Frau seines Retters daheim wäre, würde sie sich gewiss darüber aufregen. Minki selbst durfte ja nicht einmal in die Nähe dieser schiefen Bälle kommen!

Die kleine Zweibeinerin plapperte wild vor sich hin und warf den schiefen Ball an dem Kater vorbei, sodass die Schnur über die Tür ging. Dann zog sie es unter dem Türspalt straff.

Sie hatte ihn nicht einen Blick geschenkt.

Sich sicher fühlend schlich sich Minki näher heran. Er schnupperte an der Schnur. Stellte eine Pfote darauf. Nahm sie wieder runter.

Die Schnur schnellte nach oben!

Überrascht sprang der Kater zurück. Er sah zu der kleinen Zweibeinerin herüber. Sie hatte nun Tücher aus einem eckigen Baum geholt. Unbeholfen warf sie die Stoffe über verschiedene Schnüre. Dann spann sie ihr Netz weiter.

Minki trat auf eines der Tücher zu. Es bewegte sich leicht im Zugwind. Ja. Hier war ja das Fenster offen. Und so, wie das Netz gespannt war, konnte man die Türen nicht mehr schließen. Es war nur der Wind-

Dennoch erweckte er die Jagdinstinkte des Katers. Ehe er sich versah, sprang er die Stoffe und Schnüre an und spielte mit der kleinen Zweibeinerin. Immer wieder plapperte sie etwas. Als könnte er sie verstehen! Ha!

Aber dennoch konnten sie beide ihren Spaß haben.

Schnurrend versteckte sich der Kater nach einer Weile zwischen den Tüchern. Er beobachtete, wie die kleine Zweibeinerin seinen Retter holte, um ihr Kunstwerk zu präsentieren. Dieser lachte gutmütig und versuchte, sich durch das Netz zu winden.

Er schaffte es nicht.

So albern hatte sich sein Retter schon lange nicht mehr angestellt!

Minki schob den Kopf aus dem Versteck und schmierte mit dem alten Mann, der nur noch lauter lachte.

Vor allem, als die kleine Zweibeinerin ihn begann, abzukitzeln!

Nun gut. Vielleicht war sie doch für mehr zu gebrauchen, als nur ein paar Leckerlies.

Damit sprang der Kater erneut eines der Tücher an und zerrte es auf das Gesicht seines Retters herab.

Er hatte Gefallen am Spiel gefunden.

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