M: Michaels Kette

Zischend lehnte Michael sich gegen die Mauer. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Er war so kurz davor gewesen, endlich Antworten zu bekommen! Und dann hatte er nur einen Moment nicht aufgepasst …

Er schloss die Augen und lauschte in sich hinein. Spürte, wie das Blut durch seine Ohren pochte. Obwohl er seinen rechten Arm noch bewegen konnte, so fielen die Bewegungen langsamer aus. Stockender. Schmerzhafter.

Michael presste die linke Hand auf seinen provisorischen Verband. Er hatte sein Shirt zerrissen und umständlich um seinen Oberkörper gebunden. Unter dem Mantel würde man es eh nicht sehen. Und solange der Durchschuss keine zu große Blutspur hinterließ, würde es hoffentlich niemanden auffallen.

Dabei hatte sich bereits eine kleine Pfütze dort gebildet, wo er sich so verrenkt verbunden hatte …

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B: Reingelegt? II

Mr. Michels war ein genervter, aber effizienter Lehrer, der selten seine Geduld präsentierte. Er forderte Shiloh als erstes auf, ihre Tasche auszuhändigen, doch schob Liane ihre dazwischen.

Sicher ignorierte sie den besorgten Blick ihrer Freundin. Was man auch finden würde, würde eben gefunden werden. Es hinauszuzögern brachte nichts.

Griesgrämig öffnete der Lehrer ihre Schultasche. Seine Augen verengten sich. Er schloss die Tasche wieder. Knurrte.

„Dann darfst du Miss Lavendel gleich einmal begleiten, Liane“, bemerkte er.

„Dürfte ich erst erfahren, weswegen?“

Verärgert schüttelte er den Kopf: „Weswegen?“

„Ja“, sie umklammerte ihrem Talisman fester, „Ich möchte-“

„Ach, nun hör schon auf und geh einfach mit! Wir haben keine Zeit für deinen Mist!“, rief Betty von hinten.

Shiloh fauchte etwas zurück. Jemand lachte.

Liane wandte ihren Blick nicht von dem Lehrer ab.

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M: Zusammenhalt II

Als Diana zurück nach Hause schlich, brannte kein Licht mehr. Haus und Hof lagen in seliger Dunkelheit da. Es wirkte einsam. Verlassen …

Die Lee hatte vier Zigaretten geraucht, ehe ihr davon übel wurde. Ihre Freundin nur zwei. Hustend hatten sie dem Zeug erstmal abgeschworen. Jedoch nahm sie ihre Worte nicht zu ernst. Beim ersten Alkohol war es ähnlich gelaufen …

Schwerfällig schleppte sie sich zum Springseil. Es hing noch immer an der Häuserwand – versteckt in dem Efeu, das unter ihrem Fenster wuchs. Sie begutachtete es einen Moment.

So lange war sie bislang noch nie fort gewesen. Ob jemand ihre Abwesenheit bemerkt hatte? Ob oben ihr Großvater auf sie wartete? Oder noch schlimmer: Ihre Mutter?!

Diana schüttelte die Angst hastig ab und bereute die abrupte Bewegung sofort, denn sogleich verkrampfte sich ihr Magen.

Na super …

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M: Zusammenhalt I

Zittrig presste Diana ihre Beine enger gegen ihren Oberkörper. Sie wollte in Ruhe gelassen werden. Wollte nichts mehr sehen. Nichts mehr hören. Nicht mehr-

„Diana! Mach auf!“, brüllte ihre Mutter hinter der verschlossenen Zimmertür.

Das Mädchen ignorierte sie.

Diese Frau wollte eh nur mit ihr meckern. Genau. Immerhin hatte Diana es ja gewagt, im letzten Mathetest nicht die volle Punktzahl zu erreichen! Wie konnte sie es nur wagen?! Sie musste doch perfekt sein! Immerzu perfekt sein! Perfekt, perfekt, perfekt, per-

Die Tränen verklebten ihre Augen und eilig wischte sie das Wasser weg. Sie starrte auf das Familienfoto neben ihrem Wecker. Da, auf der rechten Seite, stand sie. Mit ihren Eltern. Ihre Großmutter stand hinter dem einzigen Stuhl, auf dem der Diktator von einem Großvater saß. Links von ihm befanden sich Dianas Onkel. Dianas Tante. Rachel …

Rachel …

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