K: Die Zukunftsvision

„Mom, wirklich?“, grüßte ihr Junge sie, als er aus der Schule trat. 

„Es ist dein allerletzter Tag“, entgegnete Jackie, „Und ich hatte dir zur Einschulung gesagt: Ich komme nur am ersten und letzten Tag her.“

Lachend schüttelte er den blonden Kopf. Die Haarfarbe hatte er von ihr und seinem Vater gleichermaßen. Genauso wie seine Größe. Seit zwei Jahren waren sie nahezu gleich groß. Ganz anders als damals, als sie ihn zum ersten Mal hierher gebracht hatte. Damals. Als der Rucksack fast genauso schwer wie ihr Junge gewesen war … Aber das war nun auch schon über zehn Jahre her.

„Pa kommt direkt nach Hause?“, flüsterte ihr viel zu großer Junge. 

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K: Ein Stück vom Geburtstagskuchen

Maggie zwang sich ein Lächeln ins Gesicht, als Paul bei seiner Pointe ankam. Sie nickte ihm zu. Erkundigte sich, wie es mit den Eskapaden seines Kunden weiterging. Wie ihr Stiefbruder immer so ruhig bleiben konnte.

Beschämt schüttelte dieser den Kopf: „Musste ich zum Glück nicht. Mein Chef hat den Saufbold auseinandergenommen, weil er ein paar Gläser Gewürzgurken runtergeworfen hatte. Der Alte hat wie ein Matrose geschimpft, sag ich dir!“

Maggie nickte sachte. Sein Tonfall hatte sich verändert. Generell kam es ihr so vor, als ob sich ihr Stiefbruder jedes Jahr ein bisschen mehr veränderte – als ob er sich von ihr entfernte!

Sie hasste es.

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M: Der Anfang vom Ende

Niklas grinste, als er die Verkehrsvideos beobachtete. Dort fuhr er. Matt. Er schien es eilig zu haben. Zu eilig.

Dieser dumme, dumme Kerl.

Nachdenklich gab er ein Kommando auf seinem Rechner ein. Er bezweifelte, dass sein einstiger Handlanger den Wagen gecheckt hatte. Nicht, wenn er so die Straßen runter raste. Er musste nur den richtigen Moment abpassen, um-

Enter.

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K2: Prolog – Die Ankunft

© Medra Yawa

Fiona Katja stürzte zitternd auf den Waldboden. Obwohl sich ihr Desson an sie schmiegte, ließ der Druck nicht von ihr ab. Das Ungleichgewicht ihrer Chakren zerriss ihre Seelen. Dabei spürte sie sonst den Sog ihrer Magie kaum! Aber nun? Es war ja nicht nur ihr Sahasrarachakra, das verrückt spielte. Viel eher fühlte es sich an, als würde der Kern ihres Seins zerrissen und neu zusammengesetzt werden. Als würde er hierhin gehören-

-und gleichzeitig fort müssen.

Angst strömte aus Katja heraus. Angst, die Fiona zu verdrängen versuchte, um eine Art Balance zu finden.

Stattdessen huschte ein stummer Schrei über ihre Lippen. Weißer Nebel entstieg ihrem Mund. Sie selbst mochte die Farbe. Ihre andere Seele nicht. Katja hatte sie seit jeher verabscheut. Weiß wäre zu rein für eine Welt, die von Leid und Schmerzen geprägt wurde!

»Langsam«, meldete sich jemand plötzlich.

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K: Verborgene Augen

Mit geschlossenen Augen saß Borei unter der Treppe und lauschte den hastigen Schritten. Die Waisen waren alle so unbedacht, so sorglos geworden. Erst hatte er es befremdlich gefunden. Doch nun? Mittlerweile hatte er ihre Naivität zu schätzen gelernt. Sie beruhigte ihn.

„Du sagst, sie kommt nächste Woche wieder. Fieber“, hörte er die Betreuerin den Nachzügler belehren.

„Ist gut. Aber du richtest ihr eine gute Besserung von mir aus, ja?“

„Ja, doch“, sie klang genervt, „Na los! Du kommst sonst wieder zu spät, Nik!“

Damit hetzten die letzten Schritte an seinem Versteck vorbei.

„Sie ist aber sonst nicht krank …“

Wäre Borei ein Mensch gewesen, hätte er Niklas‘ kindliches Meckern nicht vernommen. So konnte er sich jedoch über die kindliche Stimme amüsieren. Er selbst kannte den Waisen, seitdem dieser vor ihrer Tür abgelegt worden war. Damals hatte er geholfen, die Windeln zu wechseln, ihn zum Laufen zu animieren und so unendlich viele Karotten püriert, bis ihm davon schlecht war. Er wusste, dass der Junge stets erwachsen sein wollte. Er wusste, warum er wie verrückt lernte.

Und er wusste, dass er diesen kindlichen Tonfall nicht mehr oft hören würde.

„Bist du da, Borei?“, fragte eine andere Stimme in den Flur.

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