Timothy – Die Farben des Verrats

Erst als wir am Abend in ihrem Zimmer beisammen saßen, schwebte ich erneut in Julie hinein, um so meine neusten Erinnerungen mit ihr zu teilen. Die Briefe, die Alexander diesmal bekommen hatte. Jene, die er nachmittags geschrieben hatte, während Julie mit Maria Tee trank. Die Dienstbotengänge, die von Tag zu Tag leerer erschienen.

Marias Vater entließ wahrscheinlich bereits die ersten Angestellten, damit der spätere Austausch der Bediensteten leichter von statten gehen würde. Damit keiner mehr Elisabeth erkannte. Damit seine Tochter die neue Lady des Hauses werden könnte …

Kranker Mistkerl.

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B: Drohendes Unheil

Chem Waks Träume waren schon immer anders gewesen. Sein Kopf suchte ferne Welten auf, wenn er in die Trance fiel. Welten, die einem Menschen zu sonderbar, zu seltsam erscheinen würden. Doch für ihn? Für ein Wesen, das verdammt wurde, da es nicht die Zukunft seiner eigenen Welt sehen konnte?

Dafür jedoch die Zukunft von Liliths Heimat?

Nachdenklich musterte er die Wesen, die durch seinen Traum wanderten. Wesen, die mit Gesten und Gerüchen kommunizierten. Die Lichter ausstrahlten, um sich Gehör zu verschaffen. Die schrien. Die ihre Gedanken übertrugen ….

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Märchenstunde: Die letzte herzlose Tat I

Domini benötigte zwei Tage, ehe er vor seinen Vater treten konnte. Zwei Tage, in denen er um Deitas Mutter trauerte. In denen er Deita und Nova versprach, dass sie in Sicherheit wären. In denen er sich belehrte, sein Herz zu verschließen und die Wahrheit zu verbiegen. Er musste seine eigenen Lügen glauben. Er musste vorbereitet sein. Wenn er seinem Vater gegenüberstand, durfte dieser nicht einmal erahnen, dass Nova noch lebte!

Dass er sie nie töten könnte …

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B: Ursachensuche

Die Bilder der Zukunft wurden mit jedem Mal verschwommener. Sie schwankten zu sehr zwischen verschiedenen Versionen: Versionen, in denen Leute starben. In denen sie überlebten. In denen sie depressiv wurden. In denen sie sich abwandten und sich wieder vertrugen …

Dabei hatte Chem Wak gehofft, dass sein Brief eine friedliche Zukunft stabilisieren würde!

Seufzend massierte er sich die Schläfen und wog alle Möglichkeiten erneut ab. In keiner schien Liliths Stiefvater noch gewaltsam sterben zu müssen. Gut. Damit konnte er ihr diese Trauer wohl ersparen. Aber als Kehrseite würde ihn der Mann daran hindern, mit ihr in Kontakt zu treten.

Eher würde ihr Stiefvater sie irgendwo einweisen lassen, als ihre Erinnerungen zu unterstützen.

Nachdenklich schaute er durch die getönten Scheiben zu dem großen Haus herüber. Er ignorierte, wie Mr. Brume ihn beobachtete. Stattdessen setzte sich Chem Wak ein neues Vorhaben in den Kopf. Eine Absicht, die er sich selbst einbrannte, ehe seine Welt ins Schwanken geriet. Alles drehte sich. Stimmen verdrehten sich. Gefühle purzelten durch ihn hindurch-

Dann befand er sich in seinem Büro.

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Minki und das Glöckchen I

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Minki spürte, dass etwas im Busch war, sobald die Tür aufging. Diese Zweibeinerin … Die Tochter seines Retters … Sie kam so leise auf ihn zu. So vorsichtig. So zögerlich …

Es behagte ihm nicht.

Langsam hob der Kater den Kopf und betrachtete die Felllose warnend. Egal, was sie vorhatte, sie sollte es gewiss zügig überdenken! Er würde sich nicht noch einmal wie ein Spielzeug von ihr rumschubsen lassen. Sollte sie sich doch eine andere Beschäftigung suchen. Er wollte seine Ruhe!

Ein Lächeln legte sich auf ihre Züge. Es wirkte so zart. So zerbrechlich! Wenn er die Zweibeinerin nicht besser kennen würde, hätte er diese Mimik als Olivenzweig angenommen. Er hätte sie wie eine tote Maus gewertet, die ihm entschuldigend dargeboten wurde.

Aber Zweibeiner fingen keine Mäuse.

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