Seelenverwandte

Mein Herz schlägt für jemand anderen.
Ich weiß nicht für wen.

Mein Herz schlägt für jemand anderen.
Ich habe ihn noch nie gesehen.

Ich spüre nur die Verbindung – hinfort.
Ich spüre nur das Ziehen – zum anderen Ort.

Habe ich daher jede Beziehung erstickt?
Weil ich wusste: Das bist du nicht?
So war nach dem ersten Kuss
Stets Schluss.

Dabei weiß ich nicht mal, wer du bist!
Nur, dass mein Herz dich vermisst.
Nur, dass mein Herz für dich schlägt.
Nur, dass es das Warten kaum erträgt …

Bist du groß? Bist du klein?
Alt? Jung? Wirklich mein?
Mein Herz sagt, wir gehören zusammen.
Nur so könne uns‘re Liebe aufflammen.

Es ist sich so sicher …

Mein Herz schlägt für jemand anderen.
Ich habe ihn noch nicht gefunden.

Mein Herz schlägt für jemand anderen.
Ich bin an ihn gebunden.

Doch wie weiß ich sicher,
Wie mache ich mir gewahr,
Dass er nicht schon bei mir war?

B: Die Freundschaft und das Bauchgefühl

Das Tuscheln ihrer Mitschüler verfolgte Liane den ganzen Tag über. Selbst als sie bereits auf dem Heimweg waren, hörte sie ihren oder Bettys Namen noch aus den Gesprächen am Schultor heraus.

„Das die auch keine Ruhe geben“, schimpfte Shiloh vor sich hin.

Liane nickte nur. Sie wollte nichts sagen. An ihrer alten Schule waren die Gerüchte stets gegen sie gekippt. Man hatte über sie gelästert. Sie ausgegrenzt. Sie-

„Hey. Das wird schon, ja?“, Oliver drückte ihre Hand.

Für einen Augenblick fühlte sie sich besser und sie erwiderte die Geste.

Dann kehrte der Missmut zurück.

Wie viel waren ihre Freundschaften schon wert? Bestimmt waren Shiloh und Oliver innerlich schon ganz genervt von ihr. Was, wenn sie ihren Freunden zu sehr zur Last fiele? Wenn sie ihnen irgendwann egal wäre? Bestimmt wollten sie auch mal eine Pause von ihr!

Sie wollte gerade sagen, dass sie auch allein nach Hause gehen könnte, als Shiloh abrupt stehen blieb.

„Vielleicht solltest du lieber noch nicht heim. Ich meine, wir wissen beide wie dein Vater drauf war, als du nur etwas durch den Wind warst. Wenn der Helikopter dich so sieht, rattern die Rotorblätter gleich die ganze Stadt nieder“, ihre Freundin schnitt eine Grimasse.

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B: Reingelegt? I

„Bis nachher“, flüsterte Oliver ihr zu und drückte Liane kurz an sich.

„Treffen wir uns wieder vor der Bibliothek?“

„Hm, ich dachte-“

„Dass ihr Turteltäubchen schon spät dran seid“, unterbrach Shiloh mit wedelnden Händen, „Na los. Das ist nicht deine Klasse.“

„Jawohl“, lachend eilte Oliver den Gang runter. Liane beobachtete ihn noch einen Moment, ehe sie sich ihrer Freundin zuwandte. Nur war diese bereits auf dem Weg zu ihrem Tisch.

„Sind wir so schlimm?“, erkundigte sie sich zaghaft.

Die Frage musste einfach raus. Sie selbst konnte es nicht einschätzen. Das hier war ihre erste Beziehung, verflixt nochmal! Ging es zu schnell? Zu langsam? War es zu intensiv? Zu flach? Sobald Oliver nicht mehr bei ihr war, schlichen sich die Selbstzweifel an-

-und verschmolzen den Talisman mit ihrer Hand.

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B: Zwischen Traum und Erinnerung

„Du und Oli?“, hinterfragte ihr Vater zum vierten Mal.

Mittlerweile nickte Liane nur noch still, während sie sich ein Stück Gurke in den Mund steckte. Es war sinnlos, die Wahrheit zu leugnen. Immerhin hatte ihr Vater gesehen, wie Oliver sie nach Hause gebracht hatte. Ungeduldig hatte er auf sie gewartet. Er hatte sie erwartet gehabt. Sie. Nicht ihre Begleitung. Nicht den Kuss.

Dabei hatte letzteres sie ebenso überrumpelt.

„Hatte er dir …?“, unschlüssig wedelte ihr Vater mit den Armen umher und warf dabei fast seinen Teller vom Tisch. Er hatte sein Abendessen noch nicht angerührt. Stattdessen kämpfte er mit jedem zweiten Satz.

Angespannt hielt sie diesmal inne: „Was meinst du?“

„Deine Freundin. Die neulich hier war. Shiwo? Shino?“

„Shiloh“, korrigierte das Mädchen vorsichtig.

„Genau! Sie sprach von Liebeskummer und-“

„Nein“, abrupt stand Liane auf, „Lass es. Das ist … Das ist meine Sache, in Ordnung? Ich mache das allein.“

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M: Die Entscheidung

„Wir können nicht länger in Centy bleiben“, begrüßte Jane den Vater ihrer Kinder, sobald er durch die Tür kam.

Blinzelnd starrte er sie an. Er wirkte überfordert – aber das war nichts Neues für sie. Danni kam ihr öfters etwas verpeilt vor. Lisa hatte ihn sogar als langsam beschrieben. Zurück in Merichaven hätte es sie genervt, alles fünfmal zu erklären. Es war ineffizient. Zeitaufwendig! Doch seitdem sie dem Ort den Rücken gekehrt hatte, wusste Jane:

Sie brauchte diesen Ruhepol. Er war der Grund, warum sie ihre hastigen Entscheidungen immer noch einmal überdenken musste. Wegen ihm konnte sie nicht einfach aufspringen und losrennen, wenn die Unruhe sie heimsuchte. Sie konnte ihn nicht zurücklassen.

Danni war vielleicht ein Dussel, doch er war ihr Dussel!

„Dieser Ort ist nicht richtig. Er ist … wie ein Spiegelbild?“, versuchte sie, seinem schief gelegten Kopf zu erklären.

„Ein Spiegelbild?“, nachdenklich marschierte er zum Fenster.

Jane seufzte. Sie stand auf, durchquerte den Flur, schloss die Wohnungstür, schaute kurz ins Kinderzimmer und eilte dann ihrem Freund hinterher. Es war ihre eigene Schuld. Wieso musste sie ihn auch so überfallen? Der Mann würde seinen Kopf verlieren, wenn er nicht festgewachsen wäre!

„Ja“, bestätigte sie mit erzwungener Ruhe, „Spiegelbild.“

Er brummte. Nickte. Wandte sich ihr zu.

„Soll ich die Fenster dann lieber nicht mehr putzen?“

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