NaNoWriMo 2019

Das war ein weiterer November mit durchschnittlich 1’667 Wörtern pro Tag.

Und mannometer! Manchmal war es schon schwer auf die Zahl zu kommen oder gar abzubrechen, um erst am nächsten Tag weiterzumachen. Aber das gehört für mich persönlich mit dazu. Wenn das Schreibtempo und vor allem die Schreiblast kontinuierlich bleibt, kommt wieder ein wunderbarer Rhythmus zustande, den ich sonst das restliche Jahr über schnell missen würde.

Aber genug davon! Die Worte sind geschrieben. Die Geschichte von Leben und Tod geht in die nächste Runde. Und Zeit hat endlich-

Ups. Beinahe wäre ein Spoiler zwischen die Zeilen gerutscht. Nun gut. Kommen wir zum eigentlichen Grund des Blogeintrags.

An alle, die mit mir angefangen haben, die die 50k knacken konnten oder die sich auf dem Weg dahin zwischen dem Weihnachtsschmuck verirrt haben:

Ich freue mich, dass Ihr mitgemacht habt! Danke für Eure Worte! Danke für die Hoffnungen, die Ihr in sie gesetzt habt. Danke für all Eure Träume, die nun das Papier berühren durften!

Ich finde es wunderbar, dass ich nicht der einzige komische Kauz bin, dem Geschichten etwas bedeuten.

Also Danke!

Für Euch.

Fujis Wunsch

„Vielleicht weißt du ja, wie man diese Welt noch retten kann und findest eine Lösung für das Desaster.“

Die Worte klangen für mehrere Tage in Fujis Ohren wider und unsicher wälzte er sie in seinem Kopf hin und her. Eine Lösung finden … Für etwas, was selbst die Sterne nicht zu beheben wussten.

War das denn möglich? Wenn selbst die unendlich vielen Himmelslichter sich uneinig waren? Was war er schon im Vergleich zu den Riesen des Himmelszelts? Sie waren immerhin die Älteren! Er war doch nur eine kleine Wolke. Eine Wolke, die für die längste Zeit nichts mit ihrem eigenen Leben anzufangen wusste …

Fuji beobachtete den Erdboden unter ihm. All die Wesen, die dort umhereilten … Es waren so viele. Viel mehr als in seinem letzten Leben. Sie alle schienen ein klares Ziel vor Augen zu haben. Sie besaßen Aufgaben, die erfüllt werden mussten. Die keinen Aufschub duldeten!

Keiner von ihnen sah zu der Wolke hinauf.

Weiterlesen

B: Seltsamer Schutzengel

Müde rieb sich Liane die Augen und schloss das Buch, in dem sie eigentlich noch lesen sollte. Es brachte nichts. Sie war fast zu Hause und die Busfahrt war einfach zu einschläfernd für diese Art der Lektüre. Die holprigen Straßen luden geradezu dazu ein, die Lider zu senken und sich den Träumen über andere Welten hinzugeben.

Welten, von denen einzig sie zu träumen schien.

„Zeitverschwendung“, knurrend steckte sie das Schulbuch in ihre Tasche und schielte auf ihr Handy. Kurz vor neun. Sobald sie zu Hause ankam, müsste sie sich ums Abendbrot kümmern, duschen und ins Bett. Ihr Vater würde nicht vor elf zurück sein und ihre Mutter?

Die Frau war doch schon seit zwölf Jahren überfällig! Seitdem sie Liane nach ihren Träumen ausgefragt und diese für zu anstrengend befunden hatte.

„Verzeihung?“

Irritiert sah Liane zu dem Mann schräg vor ihr. Er war klein. Etwas rundlich. Hohe Stirn. Kleine Augen. Kurzgeschorene Haare.

Seltsam.

Weiterlesen

Elf Punkt, Elf Punkt

Elf, Punkt,
Elf, Punkt.

Gerunzelte Stirn, 
Angestrengtes Hirn, 
Angeknabberte Finger,
Beine wie ein Springer.

Ich weiß nicht,
Was die Zeichen soll’n.
Ich weiß nicht,
Was sie von mir woll’n.

Da frag ich mich zurecht: 
Sind die Punkte echt?
Sind die Einsen recht?

Vier Linien –
Von oben nach unten,
Bemalt mit bunten:

Lilien, 
Fuchsien,
Zinnien,
Lobelien.

Dazwischen getunkte,
Disjunkte,
Samenpunkte:

Akazie
Und Pinie.

Doch was soll es mir sagen?
Warum kann es so an mir nagen? 

Dieses Blumengesteck,
Dient gewiss einem Zweck!
Bloß habe ich ihn noch nicht entdeckt …
Oder ist er zu gut versteckt?

Ich muss es wagen!
Da seit Tagen
Mich die Fragen
Plagen –
Oder jagen?

Lächelnd kommst du rein und nickst. 
Nun fühle ich mich ausgetrickst. 
Wie du mir eine Botschaft schickst –
Mit einem einzigen Blick. 

Verständnis erblüht in mir, 
Lässt mich lachen mit dir. 
Wir kuscheln uns gemeinsam ein.
Lassen keine Kälte herein!

So war es doch vor vielen Jahren geschehen. 
Wir hatten uns erstmalig wahrhaftig gesehen. 

Danke für Dich.

K: Renne, Schneewittchen

Ungeduldig wippte Melanie auf dem Kissen – ihrem provisorischen Kindersitz – hin und her. Ihre Gedanken drehten sich um ihre Familie. Um ihren Vater, der Melanie erklärt hatte, dass sie sich nichts mehr leisten konnten. Um ihre Mutter, die Melanie zuletzt weinend in die Arme geschlossen hatte. Um ihre Tante Jill, die sie überraschend besuchen wollte, nur um Melanie wütend mitzunehmen.

Fort aus dem leeren Haus, das immer stickiger, das immer komischer gerochen hatte.

„Wo sind deine Eltern?“, hatte sie Melanie gefragt, als sie den Notruf auf dem toten Telefon wählen wollte.

Die Leitung war ihnen bereits einige Tage zuvor abgeknipst worden.

„Papa hat gesagt, ich solle hier auf sie warten. Und Mama hat gesagt, dass es okay wäre. Auch wenn mich der Rauch zum Husten bringt, wird er alles besser machen und all unsere Probleme lösen.“

Danach hatte ihre Tante Jill sie ganz fest in die Arme geschlossen. Sie hatte geflucht. Sie hatte das Mädchen mit nach draußen genommen. Sie hatte Melanies Haare zurückgebunden. Das schwarze, dicke Gestrüpp, das das Kind kaum zu bändigen wusste.

„Das ist nicht richtig …“

Weiterlesen