K: Affinitätenwandel II

Als die Dunkelheit endlich von ihr abfiel, befand sich Cindy Lucy in ihrem Zimmer. Hier hatte sie den Großteil ihrer Kindheit verbracht. Der Raum war ihr so vertraut wie ihre eigenen Hände. Sie hatte hier ein riesiges Bett, gewaltige Schränke, hohe Decken, viel Platz um sich zu bewegen, zu tanzen, zu trainieren …

Und dennoch erschien ihr nun alles kleiner. Beengter. Erstickender.

Wie ein Käfig.

Zitternd streckte sie die Hand nach der Zimmerdecke aus. Diese Decke, die mit einem strahlenden Himmel bemalt war. Ein Himmel, der dem echten keine Konkurrenz machte. Der viel zu platt wirkte. Viel zu hohl. Er war nicht richtig. Nicht echt.

Nichts fühlte sich mehr echt an!

Weiterlesen

Tod und Leben

Er kommet.
Sie gehet.
Tod und Leben.

Er nehmet.
Sie gebet.
Körper und Seele.

Sein teuflischer Blick,
Ihr scheinendes Glück –
Eines und Alles.

Seine gespenstische Stille,
Ihr kämpfender Wille –
Harfe und Klinge?

Was ist schlecht?
Was ist recht?
Und wann rächt
Sich der Verstand?

Wenn der Funken schwand?

Bei diesem Gedicht handelt es sich um eine Übersetzung. Das Original habe ich vor Jahren mal auf Englisch verfasst und wollte es Euch nicht vorenthalten. Beides ist zwar kürzer, aber in der Kürze liegt ja bekanntlich die Würze, oder? C;
Medra

B: Ursachensuche

Die Bilder der Zukunft wurden mit jedem Mal verschwommener. Sie schwankten zu sehr zwischen verschiedenen Versionen: Versionen, in denen Leute starben. In denen sie überlebten. In denen sie depressiv wurden. In denen sie sich abwandten und sich wieder vertrugen …

Dabei hatte Chem Wak gehofft, dass sein Brief eine friedliche Zukunft stabilisieren würde!

Seufzend massierte er sich die Schläfen und wog alle Möglichkeiten erneut ab. In keiner schien Liliths Stiefvater noch gewaltsam sterben zu müssen. Gut. Damit konnte er ihr diese Trauer wohl ersparen. Aber als Kehrseite würde ihn der Mann daran hindern, mit ihr in Kontakt zu treten.

Eher würde ihr Stiefvater sie irgendwo einweisen lassen, als ihre Erinnerungen zu unterstützen.

Nachdenklich schaute er durch die getönten Scheiben zu dem großen Haus herüber. Er ignorierte, wie Mr. Brume ihn beobachtete. Stattdessen setzte sich Chem Wak ein neues Vorhaben in den Kopf. Eine Absicht, die er sich selbst einbrannte, ehe seine Welt ins Schwanken geriet. Alles drehte sich. Stimmen verdrehten sich. Gefühle purzelten durch ihn hindurch-

Dann befand er sich in seinem Büro.

Weiterlesen

Veröffentlichung: Der freche Kater Minki

Mit einiger Verspätung (da ich eigentlich dachte, dass ich es hier schon angekündigt hatte) möchte ich die nahende Veröffentlichung meines neuen Buches verkünden:

© Medra Yawa

Tada! Darf ich vorstellen? Der freche Kater Minki. C: Hierbei handelt es sich um eine überarbeitete Version der mauzenden Blogartikel, die ich in Gedenken an meinen Großvater rausbringe. Das Buch wird am 17. Oktober erscheinen. Seinem Geburtstag. Und es enthält darüber hinaus noch eine Vokabelliste des Katers.

Für den Fall der Fälle, versteht sich.

Medra Yawa

Timothy – In grauen Augen …

Fast zehn Jahre wachte ich über Jane. Ich beobachtete, wie der Exorzist sich von ihr verabschiedete. Ich blieb bei ihr, als ihr Vater im darauffolgenden Winter an einem Husten verstarb. Und ich folgte ihr wie ein Schatten, als ein altes Ehepärchen aus dem Dorf sie aufnahm.

Dennoch konnte sie mich nicht sehen.

Manchmal glaubte ich, dass sie meine Anwesenheit spüren musste. Dass sie bemerkte, wie ich hilflos die Hand nach ihr ausstrecken wollte. Sie hielt dann immer ganz kurz inne. Sie schien etwas sagen zu wollen. Sich zu entspannen. Sich in meine Richtung zu lehnen.

Nur um dann weiter zu machen.

Ich war zu einem vergessenen Traum verkommen.

Weiterlesen