Minki und der Maulwurf

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Für Minki war der Garten ein Paradies. Es war ein wunderbarer Ort, an dem er sich selbst verlieren konnte. Stets genoss er die Sonne, mied die Vögel und fing sich gelegentlich sogar ein kleines Nagetier für den hohlen Zahn.

Im Garten kannte er jeden Winkel – jeden Baum, jeden Strauch, jedes Blatt. So musste er nicht einmal mehr die Augen öffnen, wenn er unter der strahlenden Sonne über den Rasen stolzierte und-

Erschrocken stoppte der Kater und blickte nach unten. Seine Pfote steckte fest. Da, wo eigentlich Rasen sein sollte, befand sich plötzlich ein kleiner Hügel. Ein Häufchen Erde. Mitten in seinem Garten!

Empört mauzte Minki.

Das hatte er nicht erlaubt!

Gefrustet leckte er sich seine Pfote, während er Ausschau nach dem Übeltäter hielt. Weit konnte dieser nicht entfernt sein. Dafür war die Erde zu feucht. Sicherlich versteckte er sich irgendwo. Aber Minki durfte ihn nicht entkommen lassen. Nicht, dass er nochmal SEINEN Garten verunstaltete!

Mürrisch sah sich der Kater um.

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Timothy – Siehst du mich?

Zuerst wusste ich nichts mit mir anzufangen. Alles fühlte sich falsch an. Alles fühlte sich so sinnlos an! Sollte ich hier bleiben? Hier, in den Ruinen meines Bettes? Oder sollte ich irgendwo hin? Aber wohin? Wo sollte ich lang? Was sollte ich tun? Nein. Was machte man generell, wenn man tot war? Musste man etwas Bestimmtes tun? Oder war alles egal, weil man eh tot war?

Und wo war eigentlich Evangeline?

Schwerelos hing ich in der Luft. Direkt über meinem Bett. Dort, wo ich verbrannt war. Mein Körper lag bestimmt noch immer unter dem Schutt begraben. Unter diesen verkohlten Holzbalken.

Ich wollte ihn nicht sehen. Er war nicht weiter wichtig. Er war nur eine Hülle. Eine leere Hülle, die sich einst von jeder Krankheit kontrollieren ließ.

Ja.

Etwas fiel von mir ab.

Mein Körper war nicht weiter wichtig. Nichts konnte mich mehr zurückhalten. Niemand kam, um mich zu sich zu rufen. Ich … Ich war frei.

Frei…

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Minki und der tropfende Wasserhahn

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Minkis Ohren folgten unruhig dem Poltern. Erst kam es von links. Dann von rechts. Nun wieder von links.

Müde öffnete er ein Auge und beobachtete, wie sein Retter durch den Flur hetzte.

Huh. Das war neu. Sonst war er viel besonnener und vor allem leiser! Aber es schien auch reichlich spät zu sein. Später als sonst, wenn sein Zweibeiner die Wohnung verließ. Hatte es damit zu tun?

Der Kater schloss das Auge wieder und dachte an seinen Traum zurück. Es war ein schöner gewesen. Eine riesige Futterschale war darin vorgekommen. Und ein entspannendes Sonnenbad, das er ohne-

Polter!

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Timothy – Das Leben nach dem Tod

1828 war ein verregnetes Jahr. Stets trommelte das Wasser gegen unser Dach. Es war ein unentwegtes Poltern. Rissel, rissel, poch, poch, poch!

Ich mochte es nicht.

Damals saß ich viel in meinem Zimmer. Ich sollte lernen. Ich sollte einmal Ruhm für unsere Familie ernten. Ich sollte erfolgreich werden und alle Konkurrenten in den Schatten stellen.

Ich sollte so vieles tun …

Aber nichts davon wollte ich tun.

Seitdem ich denken konnte, war mein Leben durchgeplant. Jeder Schritt, jedes Wort, jedes Husten wurden dokumentiert. Ich wurde daheim unterrichtet. Fünf Sprachen musste ich lernen. Das war der Standard unserer Familie: Förderung von klein auf. Meine ältere Schwester erfüllte die Erwartungen unseres hohen Vaters perfekt. Und ich sollte ihr in nichts nachstehen!

Sollte …

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Minki und die Kakteen

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Es begab sich zu einer Zeit, als Minki frisch bei seinem Retter eingezogen war. Er war noch sehr klein. Sehr jung.

Extrem unerfahren.

So kam es auch, dass der junge Kater alle Kuriositäten bei den Zweibeinern erkunden musste. Zum Beispiel war es wirklich seltsam, dass diese ihre eckigen Steinwände mit so lustigem Papier beklebten. Ach, war das herrlich, wenn er seine Krallen daran wetzte! Nun musste nur noch die Frau seines Retters aufhören, ständig danach mit ihm zu schimpfen. Also echt! Das war so gemein …

Aber wo er gerade bei seinen neuen Mitbewohnern war, so waren diese eh schon ganz schön komisch. Täglich zogen sie ihre spärlichen Felle aus. Sie zogen sie aus, knüllten sie zusammen und am Ende wurden sie gewaschen! Gewaschen! Mit Wasser! Brrr…

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