Minki und die Kakteen

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Es begab sich zu einer Zeit, als Minki frisch bei seinem Retter eingezogen war. Er war noch sehr klein. Sehr jung.

Extrem unerfahren.

So kam es auch, dass der junge Kater alle Kuriositäten bei den Zweibeinern erkunden musste. Zum Beispiel war es wirklich seltsam, dass diese ihre eckigen Steinwände mit so lustigem Papier beklebten. Ach, war das herrlich, wenn er seine Krallen daran wetzte! Nun musste nur noch die Frau seines Retters aufhören, ständig danach mit ihm zu schimpfen. Also echt! Das war so gemein …

Aber wo er gerade bei seinen neuen Mitbewohnern war, so waren diese eh schon ganz schön komisch. Täglich zogen sie ihre spärlichen Felle aus. Sie zogen sie aus, knüllten sie zusammen und am Ende wurden sie gewaschen! Gewaschen! Mit Wasser! Brrr…

Außerdem fanden die Zweibeiner Gefallen daran, sich Grünzeug in die Wohnung zu stellen. Also, grünes Zeug. Nicht richtig Grünzeug. Sie nannten es zwar Pflanzen, jedoch musste das ein Fehler sein. Deswegen konnte Minki auch keine Blätter oder Blüten daran erkennen. Ja! Keine Grashalme! Stattdessen war dieses Grünzeug eher … stachelig?

Missmutig beobachtete der Kater diese Pflanzen, die auf seinem Fensterbrett thronten. Sie machten sich so breit. Dabei konnten sie doch gar nicht aus dem Fenster sehen! Was wollten sie hier? Und was wollten die Zweibeiner mit den Dingern anfangen?! Minki konnte einfach nicht verstehen, was sein Retter an diesen Dingern fand. Sie waren so hässlich!

Vorsichtig tapste er näher an eines der Nadelkissen und schnupperte daran.

Es roch nach nichts.

Das konnte nicht sein! Wieso hatte es keinen Eigengeruch? Er roch nur Erde. Nichts weiter!

Neugierig schlich er sich um den Topf herum und steckte die Nase tiefer hinein.

Ein Stachel drückte sich sachte gegen seine Nasenspitze. Dennoch war da kein richtiger Geruch. Kein Leben.

War so etwas denn möglich?

Gedankenverloren wollte er sich hinsetzen, als er einen stechenden Schmerz im Oberschenkel spürte. Abrupt sprang Minki vom Fensterbrett herunter. Er fiel. Hieb die Krallen in die Gardine. Schwang wie ein Affe zur Seite. Sah die Wand auf sich zukommen. Stieß sich ab!

Und purzelte jaulend zu Boden.

Eilig renkte er den Kopf nach hinten, um die Quelle seiner Pein zu erblicken.

Drei kleine Nadeln steckten in seinem Oberschenkel. Böswillig hatten sie sich in seine Haut gebohrt und schienen dabei noch zu grinsen!

Beschämt leckte er seine Wunden. Er kämpfte die Stacheln mit seiner rauen Zunge heraus. Spuckte sie weg. Begutachtete seinen Oberschenkel. Sah nochmal zu den Pflanzen hoch.

Nie. Wieder.

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