Am Boden

Einsam und verloren,
Im Inneren erfroren,
Nach Außen ein Lächeln,
Ich darf ja nicht schwächeln.

Erschöpft, ohne Kraft,
Während ein jeder lacht,
Während jeder sich freut,
Fühl‘ ich mich wie betäubt.

Die Steine liegen-
Nein! Sie fliegen,
Mir mitten ins Gesicht,
Doch Schmerz spür‘ ich nicht …

Wer spürt schon die Tropfen im Meer,
Wenn das Wasser drückt so schwer?
Beim Ertrinken wird es nicht vermessen,
Man wird stattdessen am Boden vergessen …

Am Boden unter so viel Nass,
Wird meine Haut ganz blass,
Während ich mich verlass …

Ein Lächeln nach oben
Vom untersten Boden
An jene mit ihren Sorgen,
An jene mit einem Morgen …

An jene, die mich hochziehen?

Die Hände sie reichen,
Sie sind mir ein Zeichen,
Sie wollen nicht weichen,
Lassen mich nicht erbleichen!

Sie zerren mich an die Luft,
Zerren mich aus der nassen Gruft,
Sie zerren mich zurück ins Leben,
Das ich beinah hätt‘ vergeben

Und schenken mir Seelfrieden.

K: Soyokazes Überlieferung

Zangasha erschuf das erste Leben. Es war nur ein Experiment. Eine Seifenblase. Mehr nicht. Nur wollten sich die anderen Dimen davon nicht übertreffen lassen. Sie experimentierten mit dieser kleinen Seifenblase. Erschufen Fische. Amphibien. Reptilien. Vögel. Säuger …

Und vor allem letzteres faszinierte sie.

So kam es, dass Mingasha die ersten Menschen kreierte. Anfangs waren es noch recht einfache Wesen. Geschöpfe, die voneinander abhängig waren. Die Steine als Werkzeuge benutzten. Die nur langsam lernten. Und denen als allererstes eine facettenreiche Seele geschenkt wurde.

Mingasha nannte sie Hutan.

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Märchenstunde: Die Nachfolgesuche II

Domini harrte mit seiner Schwester vier Tage außerhalb des Berges aus. Vier Tage, in denen ihre Mahlzeiten aus Wasser und Beeren bestanden. Er kümmerte sich gutmütig um Nova. Genauso, wie es seine Mutter gewollt hätte.

Wenn ihr fetter Vater sie nur am Leben gelassen hätte!

Am fünften Tag fand einer seiner älteren Halbbrüder ihr Lager. Grinsend schlenderte er herüber und setzte sich an das Lagerfeuer, das Domini verloren angestarrt hatte.

„Unter Tage wirktest du lebendiger. Bedrohlicher, weißt du?“, fragte er.

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Timothy – Hinterlassen in Ruinen …

Stumm lauschte ich Timmys Erzählungen über seine Großmutter. So hatte meine Jane noch vor ihrem sechzehnten Namenstag jemanden namens Oliver geheiratet und eine Tochter namens Marianne bekommen. Doch noch ehe das Mädchen laufen konnte, verstarb der Vater. Deswegen zogen die beiden zu dem alten Ehepärchen, das einst Jane aufgenommen hatte. Gutherzig vermachten sie ihnen das Haus. Von daher war das Leben zwar nicht einfach, aber durchaus machbar gewesen.

Einige Jahre später kam ein Reisender ins Dorf. Jonathan. Er war jung, stark, besaß Gold und verfiel Janes Tochter Marianne vom ersten Augenblick an. Auch diese schloss ihn herzlichst in ihr Herz und so hatten sie sich ein gemeinsames Leben aufgebaut. Zuerst kam Margarete, die jedoch alle nur Gretle nannten, dann Timothy und zuletzt die kleine Juliette. Alles war so friedlich gewesen. So traumhaft.

Bis ein anderer Reisender Jonathan beschuldigte, ein Verräter der Krone zu sein. Er wäre an einem Aufstand beteiligt gewesen. Anschuldigungen prasselten auf sie ein. Beleidigungen wurden durchs Dorf geschrien. Jonathan schwor, dass er nichts getan hätte. Dass er unschuldig wäre!

Dennoch ließ er seine Familie zurück und floh in die düstere Nacht, ehe die Soldaten des Königs erschienen.

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M: Im Auge des Schützen II

Es dauerte fast zwei Stunden, ehe Jennifer ein Zimmer in einem Hotel fand. Ausgelaugt bezahlte sie die teure Kaution und brachte Ann zum zweiten Mal in dieser Nacht ins Bett – doch dauerte es diesmal nicht so lange.

Ihr Kind war am Ende ihrer Kräfte.

Seufzend rollte sich Jennifer wieder von der Matratze und schlich zum Fenster. Von dort aus starrte sie auf die schlafende Stadt.

Ihre Mutter hatte sie so abrupt rausgeworfen. Sie hatten nichts mitnehmen können. Weder Anns Lieblingspuppe noch ihre Jacken. Es war gewiss ein Wunder, dass die Frau ihrer Flocke ein paar Schuhe zugestanden hatte, ehe sie das Mädchen durch die Nacht gezerrt hatte!

Wie sollte es nur weitergehen?

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