Fujis Sabine

„Hallo, Sabine!“, grüßte Fuji die Sonne, als die ersten Strahlen nach einer weiteren Nacht über den Horizont krochen, „Wie geht es dir?“

„Huch! Hallo! Hallo! Hallo, oh schöne Welt!”, sang sie begeistert, ohne ihn zu erblicken, „Hallo! Oh! Schaut mal, wie hoch ich steigen kann! Schaut her! Schaut her!“

„Ja, das machst du toll, Sabine“, bestätigte er ihre Euphorie.

„Ich kann sogar- Moment. Sprichst du mit mir?“

Endlich senkte sich ihr Blick auf ihn und die kleine Wolke lächelte sie freundlich an.

„Natürlich, meine Freundin. Wie geht es dir, Sabine?“

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Fujis Sonne

Als die Sonne endlich erneut aufging, hatte sie ihn natürlich wieder vergessen.

Die kleine Wolke war überrascht, wie sehr es sie verletzte. Dabei hatte er es doch gewusst. Er hatte gewusst, dass sie die Welt als kindlicher Feuerball erblicken würde. Er hatte gewusst, dass sie ein frisches Leben beginnen würde. Er hatte gewusst, dass es auch ein kurzlebiges Leben sein würde.

Trotzdem tat es so weh.

Die Sterne hatten das Dasein der Sonne als Fluch betitelt. Aber konnte ein Fluch so grausame Auswirkungen haben? So wie die Dinge lagen, war die Sonne jeden Tag nur ein Schatten ihrer Selbst. Sie war nie komplett. Nie erinnerte sie sich. Nie konnte sie Freundschaften schließen. Und nie konnte sie aus ihrer Vergangenheit lernen.

Sprach deswegen niemand ihr?

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Fujis Unglauben

Die Erde drehte sich? Bitte was? Wie war das möglich? Wie sollte sich etwas so Großes drehen können? Und wie sollten die Sterne auch am Tage im Himmel stehen? Immerhin sah Fuji sie nicht. Und müssten sie nicht zu erblicken sein? Nein. Das konnte nicht stimmen!

Aber sie wussten, dass er der Sonne gefolgt war. Und dass, obwohl die demente Sonne ja nicht einmal selbst ihre Reise mitbekommen hatte. Diese hatte Fuji bis zu ihrem Untergang widersprochen. Die Sterne hingegen hatten eine Erklärung für das Verhalten des gewaltigen Himmelskörpers. Egal, wie abwegig diese auch erschien.

Ob er den Worten trauen konnte?

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Fujis Erde

Die Sonne glaubte ihm.

Fuji konnte es nicht fassen. Nach all ihrem Hochmut, nach all ihrer Bitterkeit, nach all ihrer unschuldigen Freude – glaubte sie ihm. Er konnte kaum die Augen von ihr lassen und eilte ihr zügig hinterher. Er musterte ihre Mimik. Beobachtete ihre fehlenden Falten. Betrachtete ihre Züge, während sie auf die Erde starrte.

Dass er bereits hechelte, weil es ihm so schwerfiel mit ihr Schritt zu halten, war zweitrangig. Eilig flog die kleine Wolke hinter ihr her. Er bemühte sich, ruhig zu atmen. Ausdauernd zu bleiben. Sich nicht zu übernehmen.

Und irgendwie ging die Sonne nicht weiter unter.

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Zum Mond

Einsam stehe ich hier,
Blicke in endlose Gier,
Rasend wie ein Tier,
Schier!
Ein wütender Stier.

            Die endlose Dunkelheit.

Die Arme umschlingen den Leib.
Sie verbieten den Neid.
Sie lassen das kleine Boot ziehen,
Können blind nicht fliehen,
Können nur niederknien.

            Erstreckt sich weit und breit.  

Der Mond bekümmert,
Erstrahlt zertrümmert,
Er flimmert und wimmert,
Glimmert und Schimmert,
Heller noch
Als das Loch
Hinter mir.

            Sie nimmt Geborgenheit.

Denn der Leuchtturm ist kalt,
Er ist düster und alt.
Er knirscht und knarrt
Von altem Verrat.

            Wandelt sie hilfsbereit.

Verrat, den das Meer beging,
Als es den Kahn empfing,
Als es mein Urteil verhing.

            Bei jeder Gelegenheit.

Und die Glühwürmchen
Aus dem Türmchen
Lockte.

            In Einsamkeit.

Nun sind sie im Himmel,
Bedecken ihn mit Gewimmel
Mit diesem Mond,
Der dort oben wohnt.
Der so grell und hell erstrahlt
Und meine Glühwürmchen bemalt.