K: Zum Shanai II

Es war das erste Mal, dass Maggie sie so plötzlich überwältigte. Und wahrscheinlich würde es auch das letzte Mal sein.

Valerie konnte kaum mit ansehen, wie sich ihr Körper verkrampfte. Das Wasser zog sie nach unten. Die Strömung schob sie in die Finsternis. Der Shanai, dieser Heilwasserfluss – er zerrte sie in den Abgrund!

Panisch schlug ihr anderes Ich um sich. Sie war außer sich. Erschrocken. Ängstlich. Zu keinem klaren Gedanken fähig. Am liebsten wollte Valerie die Seele in den Arm nehmen, ihr gut zureden. Doch wurde sie immer müder. Die Winde fehlten ihr. Die Luft-

HI- HILFE!, war das einzig Vernünftige, das Maggie durch ihre Gedanken schreien konnte.

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B: Hineingezogen und verdammt

„Wie konntest du diese Sauerei nicht mitbekommen?“, schimpfte Shiloh, während sie Lianes Hand begutachtete.

Die erste Stunde war nur schleppend vorbeigezogen. Immer wieder war Getuschel ausgebrochen. Niemand konnte sich auf Mr. Michels konzentrieren. Ab und zu hatte man ihren Namen geflüstert. Dann Bettys.

Es war so albern.

Erschrocken zuckte Liane zusammen, als Shiloh ein paar Papierhandtücher auf ihre Wunde drückte: „Hörst du mir überhaupt zu?“

„Ja“, so halb, „Aber es sieht schlimmer aus, als es ist“, beharrte sie.

Murrend schüttelte ihre Freundin den Kopf.

Sie hatte die Wunde erst zum Klingelzeichen bemerkt. Eigentlich hatte sie Liane ins Sekretariat bringen wollen. Aber dann hätten sie auch Betty getroffen … Also war es aufs Mädchenklo gegangen.

„Woran hast du dich überhaupt so doll geschnitten? Hast du irgendwo ein Taschenmesser versteckt?“, schimpfte Shiloh.

Still schaute Liane auf den Boden. Ihre Freundin wusste von den Bildern. Von ihren seltsamen Gedanken. Aber der Talisman? Dieser greifbare Brief, der keine Einbildung, keine Erinnerung war? Konnte sie diesen mit ihr teilen?

Wäre Chemy damit einverstanden?

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Fujis zweite Sabine

„Du … Du kannst ja sprechen“, verdattert starrte Fuji auf den Mond.

„Natürlich“, antwortete der Stein erneut mit Sabines Stimme, „Du doch auch.“

„Ja, aber …“, Fuji sah sich hilfesuchend um – aber außer dem Mond und den entfernten bunten Lichtern, war niemand zu sehen, „Du bist ein Stein!“

„Und du eine Wolke“, erwiderte der Mond gelassen.

„Aber du hast sonst auch nicht gesprochen. Du hast noch nie gesprochen!“

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