Minki und der Weihnachtsbaum

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Es ereignete sich zu einer Zeit, in der Minki das erste Mal Schnee sah. Pardon. Für ihn waren es natürlich nur komische, weiße Krümel, die aus dem kalten Himmel segelten und sich draußen auf dem Fensterbrett ablegten.

Der junge Kater starrte sie gebannt an. Er hatte noch keine Worte für dieses Phänomen. Es sah ein wenig wie Papier aus. Aber kleines Papier. Ganz kleine Fetzen eines großen unbedruckten Blattes.

Wo sie nur herkamen?

Minki sprang fröstelnd vom Fenster weg und marschierte mauzend durch die Wohnung. Er hatte gehört, wie sein Retter vor einer Weile nach Hause kam. Der Zweibeiner hatte dabei seltsame Geräusche gemacht. Als würde er etwas hinter sich her schleifen. Aber der Kater hatte sich nicht weiter darum gekümmert.

Er hatte es für Einkäufe gehalten.

Ein Blick in die Stube offenbarte jedoch eine andere Wahrheit.

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B: Alles wird gut

Lianes Hände zitterten immer noch.

Unsicher verschränkte sie die Finger ineinander und bemühte sich, sie unter Spannung zu halten. Sie durfte sie nicht lockern. Sie durfte keinen Stift ergreifen. Sie durfte nicht wieder diesen Stern zeichnen …

Die letzte Stunde kam Liane wie ein Traum vor. Sie wusste sich ja kaum noch daran zu erinnern, wie ihr Physiklehrer sich nach ihrem Befinden erkundigt hatte. Wie ihre Klassenkameraden getuschelt hatten. Wie sie geweint hatte-

Ja. Stimmt. Sie hatte geweint. Sie hatte sich plötzlich so schuldig gefühlt. Es war ein schäbiges Gefühl gewesen. Beinahe so, als ob sie jemanden absichtlich verletzt hätte! Selbst nachdem der Physiker sie ins Sekretariat gebracht und die strenge Katholikin Lianes Vater angerufen hatte, wollte das Gefühl nicht verschwinden. Immer wieder kam das Salzwasser zurück und suchte sich seinen Weg in die Freiheit.

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B: Kritz, kritz, kratz

„Sie hat behauptet, dass irgendein komischer Typ sie gerettet hätte. Aber keiner will ihn gesehen haben.“

„Wenn du mich fragst, war Doppelzopf doch schon immer etwas eigenartig. Wahrscheinlich hat sie sich die Story nur ausgedacht.“

Kritz, kritz.

„Glaub ich auch! Tims Oma soll mit ihr im Bus gewesen sein und sie schwört felsenfest, dass Liane alleine ausgestiegen wäre!“

„Tim selbst ist halb blind. Wie viel kann da schon die alte Schnepfe sehen?“

Kritz, kritz.

„Ist doch egal, wie viel die Alte sehen kann. Fakt ist, dass nichts zu stimmen scheint. Ich sag dir, das sind alles nur dumme Märchen, damit Liane sich wichtig vorkommen kann!“

Kritz, kritz.

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Winter

Weiß. Flockig. Strahlend.
Die Welt bemalend.
Ein sanftes Kleid,
Der Gelassenheit.
Oder Einsamkeit?

Einst trennte es:
Dich und mich.

Einst nahm es:
Unser Licht.

Denn so hell sie doch sind,
Die Flocken im Wind,
So stahlen sie den Schein,
Ließen uns allein.
Die Nacht brach heran,
Umarmte ein jedermann.
Wog uns in Abgeschiedenheit.
Wog uns in Friedlichkeit.

So wundervoll der Winter erblüht,
So wundervoll ist er bemüht,
Wundervoll zu sein.

Der Frost aber ist eine andere Pein.
Glänzend im Angesicht der Sonne.
Fehlt ihm jegliche Wonne-

Winterkleid.
Winterneid.
Winterzauber.
Winterschauder.
Winterfrost-

Nein.

Nicht alles ist wundervoll.
Manches verlangt seinen Zoll.

Bitte seid vorsichtig. So sehr ich den Schnee und den Winter auch liebe, so gefährlich kann er auch sein.