B: Die Kirche der alten Schule I

„Ich muss morgen mit Shiloh in die Kirche“, eröffnete Lilith ihrem Vater, als sie ihn morgens in der Küche vorfand, „Kannst du uns hinbringen?“

„Morgen?“, er schaute kaum von seinen Papieren auf, „In welche?“

„In die der alten Schule“, erklärte sie, „Das ist die von Tinas Vater. Am See der Tränen. Ich habe gehört, dass sie wirklich schöne Buntfenster haben und eine gewaltige Statur im See-  Das möchte ich mir gerne ansehen und-“

„Nein.“

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B: Die stillen Worte I

Als die letzte Schulstunde endlich endete, hätte Lilith am liebsten aufgeseufzt. Zügig packte sie ihre Sachen ein und blickte in derselben Bewegung erneut zu Tina.

Das andere Mädchen schaute nur schwerfällig auf. Sie wirkte blass. Und angespannt. Als hätte die Glocke eher Pein als Erlösung gebracht.

„Ach ja. Wollte ich dir schon gestern sagen: Ich muss gleich noch meiner Mom mit ihrem Hochzeittaggeschenk helfen. Sie hat das Datum schon wieder verpeilt und muss alles bis heute Abend fertig haben, wenn Dad heimkommt“, bemerkte Shiloh, „Kommst du klar?“

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Timothy – Ein neues Leben

Die Madam entpuppte sich als Elisabeth. Sie war das älteste Kind und die Lieblingstochter eines Fürsten hinter der Meerenge. Und sie war es auch gewesen, die Sir Stark angewiesen hatte, nicht ohne Timmys Schwester aus den Wäldern zurückzukehren.

Nicht ohne Julie.

Denn sie wäre kein Teil des Dorfes. Sie müsse vom Befehl ihres Vaters verschont werden. Und sie müsse die Madam nach Hause begleiten, damit sich der Fürst selbst von der Wahrheit überzeugen könne.

All das erfuhr Julie jedoch erst, als sie Elisabeth traf. Dabei behauptete diese, dass Timmy von den Piraten erwischt worden wäre. Dass er gestorben war, um ihr das Leben zu retten. Dass sie deswegen von nun an auf Julie Acht geben wolle. Dass deswegen ihr Arzt auch für Julies Verletzung mit verantwortlich wäre und sie sofort zu behandeln habe!

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B: Reingelegt? I

„Bis nachher“, flüsterte Oliver ihr zu und drückte Liane kurz an sich.

„Treffen wir uns wieder vor der Bibliothek?“

„Hm, ich dachte-“

„Dass ihr Turteltäubchen schon spät dran seid“, unterbrach Shiloh mit wedelnden Händen, „Na los. Das ist nicht deine Klasse.“

„Jawohl“, lachend eilte Oliver den Gang runter. Liane beobachtete ihn noch einen Moment, ehe sie sich ihrer Freundin zuwandte. Nur war diese bereits auf dem Weg zu ihrem Tisch.

„Sind wir so schlimm?“, erkundigte sie sich zaghaft.

Die Frage musste einfach raus. Sie selbst konnte es nicht einschätzen. Das hier war ihre erste Beziehung, verflixt nochmal! Ging es zu schnell? Zu langsam? War es zu intensiv? Zu flach? Sobald Oliver nicht mehr bei ihr war, schlichen sich die Selbstzweifel an-

-und verschmolzen den Talisman mit ihrer Hand.

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B: Zwischen Traum und Erinnerung

„Du und Oli?“, hinterfragte ihr Vater zum vierten Mal.

Mittlerweile nickte Liane nur noch still, während sie sich ein Stück Gurke in den Mund steckte. Es war sinnlos, die Wahrheit zu leugnen. Immerhin hatte ihr Vater gesehen, wie Oliver sie nach Hause gebracht hatte. Ungeduldig hatte er auf sie gewartet. Er hatte sie erwartet gehabt. Sie. Nicht ihre Begleitung. Nicht den Kuss.

Dabei hatte letzteres sie ebenso überrumpelt.

„Hatte er dir …?“, unschlüssig wedelte ihr Vater mit den Armen umher und warf dabei fast seinen Teller vom Tisch. Er hatte sein Abendessen noch nicht angerührt. Stattdessen kämpfte er mit jedem zweiten Satz.

Angespannt hielt sie diesmal inne: „Was meinst du?“

„Deine Freundin. Die neulich hier war. Shiwo? Shino?“

„Shiloh“, korrigierte das Mädchen vorsichtig.

„Genau! Sie sprach von Liebeskummer und-“

„Nein“, abrupt stand Liane auf, „Lass es. Das ist … Das ist meine Sache, in Ordnung? Ich mache das allein.“

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