Seelenverwandte

Mein Herz schlägt für jemand anderen.
Ich weiß nicht für wen.

Mein Herz schlägt für jemand anderen.
Ich habe ihn noch nie gesehen.

Ich spüre nur die Verbindung – hinfort.
Ich spüre nur das Ziehen – zum anderen Ort.

Habe ich daher jede Beziehung erstickt?
Weil ich wusste: Das bist du nicht?
So war nach dem ersten Kuss
Stets Schluss.

Dabei weiß ich nicht mal, wer du bist!
Nur, dass mein Herz dich vermisst.
Nur, dass mein Herz für dich schlägt.
Nur, dass es das Warten kaum erträgt …

Bist du groß? Bist du klein?
Alt? Jung? Wirklich mein?
Mein Herz sagt, wir gehören zusammen.
Nur so könne uns‘re Liebe aufflammen.

Es ist sich so sicher …

Mein Herz schlägt für jemand anderen.
Ich habe ihn noch nicht gefunden.

Mein Herz schlägt für jemand anderen.
Ich bin an ihn gebunden.

Doch wie weiß ich sicher,
Wie mache ich mir gewahr,
Dass er nicht schon bei mir war?

Mein klein Blümlein

Grashalm klein, Grashalm fein,
Sollst in meinen Träumen sein.

Grashalm klein, Grashalm fein,
Sollst wachsen zum Schein.

Grashalm klein, Grashalm fein,
Meine Liebe soll dein sein.

Unser Sonnenschein erwartet dich,
Umarmt dich mit gold’nem Licht:
Möcht dich wachsen seh’n,
Möcht dich blühen seh’n!

Denn du bist kein Grashalm klein.
Du bist ein zartes Blümlein.
Mein klein Blümlein,
Versteckt im tristen Hain,
Versteckt hinter Stein’n,
Bleibst noch für dich allein.

Wächst du still heran,
Mit klarem Gesang,
Mit bunten Blättern
Die in die Höhe klettern!

Gern komm ich zu dir
Verlier‘ meine Sorgen hier.
Mein klein Blümlein
Du verjagst meine Pein,
Nur in deinem Schein
Bin ich daheim …

Dankbar betrachte ich dich
Erstrahle innerlich,
Sehe dich als einzigartig!

Oh, mein klein Blümlein,
Ich goss dich.
Ich pflegte dich.
Ich schützte dich.
Ich liebe dich-

Du bist mein Herzlein.

Von der anderen Seite

Ich sehe Dich in der Ferne.
Ich sehe Dich und ersehne,
Deine Wärme.

Dennoch verharrst Du so fern,
Wie ein entfernter Stern,
Verharrst Du gern?

Meinen Pfeiler habe ich für Dich poliert.
Ich habe ihn mit Marmor verziert.
Habe jeden Winkel tapeziert.

Für Dich.

Dennoch stehst Du am anderen Ende,
Am baufälligen Gelände,
Bei brüchigen Brettern
Über die jeder muss klettern!

So komm‘ doch rüber – lass es stürzen,
Lass die Bretter das Meer würzen!
An meinem Ende kannst Du bleiben,
Bei mir kannst Du auf ewig verweilen!

Meine Brücke ist nur für Dich so schick.
Für mich selbst machte ich’s nicht.
Für mich selbst wär‘ mir die Arbeit zu viel.
Für mich selbst wär‘ es kein freudige Spiel.

Aber für Dich?

Dich möchte ich hier empfangen.
Um Dich möchte ich nimmermehr bangen.
Ich möcht‘ Dich halten, Dich lieben,
Ich möcht‘ in Deinen Armen liegen!

Warum stehst Du stets so fern?
Hast Du den Marmor nicht gern?
Möchtest Du es heller? Schicker?

Oder mach‘ ich es so nur unbeliebter?

B: Mund auf …

Sich mit jemanden unterhalten zu wollen, war eine Sache. Leider war es eine gänzlich andere, das besagte Gespräch in die Wege zu leiten. Zumindest für Liane.

Fünfmal traf sie Oliver noch vor der zweiten Hofpause. Fünfmal wollte sie etwas sagen. Und fünfmal lief sie lieber schweigend davon.

Sehr zu Shilohs Vergnügen.

„Mund auf, eine Prise Ehrlichkeit in die Worte und schon wird es klappen“, hatte diese ihr nach dem letzten Mal zugeflüstert.

Einfacher gesagt, als getan!

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Märchenstunde: Die Geburt der Meernixen

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da lebte ein König auf seiner Insel. Dieser König hatte sieben Söhne, aber nur eine Tochter, welche jede Krankheit magisch anzog. Stets wurde sie von Husten oder Fieber geplagt, sodass sich der König immerzu um sie sorgte. Und so kam es, dass er seine Söhne vernachlässigte, die sich bald darauf alle als alleinige Erben sahen.

Jeder wollte nach dem Tod ihres Vaters das Reich regieren. Denn jeder sah sich selbst als perfekten Nachfolger an. So war der erste sehr geschickt in der Buchführung, der zweite hatte die Kunst der Diplomatie mit dem Festland erlernt, der dritte war in der Schiffsfahrt und der Meereskunde bewandert, der vierte wusste jede Nahrung herzustellen oder gar anzubauen, der fünfte war ein Gelehrter des Tempels, der mit Auszeichnungen überhäuft wurde, der sechste wusste jedes Tier zu besänftigen und für seine Zwecke zu gewinnen, der siebte lenkte die Stimme des Volkes mit seinem Gesang.

Wie konnten die Gaben der anderen Brüder wichtiger als die eigene sein? Geschweige denn für eine kränkliche Schwester ignoriert werden?

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