AdHdEk: Die Geburt

Tod

Als er die Augen das erste Mal öffnete, erfüllte ihn ein Name. Es war ein sturer Name, der sein Wesen gänzlich einnahm. Ein Name, den er nicht verstand. Den er für böse hielt. Der richtig und falsch zugleich schien und – und dennoch! Dennoch spürte er, welche Rolle dieser Name im großen Ganzen spielte. Wenngleich er es nicht in Worte zu fassen glaubte-

Wenngleich er das große Ganze nicht zu begreifen erhoffte.

Was er wusste, war … Nichts. Und trotzdem fühlte er sich, als müsse er nur an einem einzigen Gedanken festhalten, um alles zu erfahren. Um diese trostlose Einöde zu verstehen, die ihn umgab. Diese … Erde? Diese zerrissene tote Erde, die kein Feuer in sich trug. Kein Wasser. Keinen Geist. Nicht mal eine Seele.

Eine Seele?

Was war eine Seele?

Warum kümmerte sie ihn?

Er wandte sich ab. Zog sich hoch. Fand heraus, dass sein Körper sich nicht entscheiden konnte. Dass sich seine Knochen noch formten. Dass das Fleisch sich noch wandelte. Experimentierte.

Erst hatte er ein Bein.

Dann plötzlich zwei.

Dann vier.

Seine Arme wurden erst länger.

Dann kürzer.

Sein Rücken juckte und er spürte etwas daran wachsen.

Er sah Flügel, spürte Hörner und einen Schwanz aus ihm sprießen.

Und dann?

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Fujis Auferstehung

Manche Erinnerungen verblassen über Nacht – wie ein flüchtiger Traum, der sich in der Tür geirrt hatte. Andere vergehen mit der Zeit – wie ein Baum, der seine Äste schläfrig gen Himmel reckt. Am Ende sind sie alle nur wirre Schatten, die zwischen unendlich vielen Gedanken umherschwirren. Befangen flattern sie durch den Geist. Nehmen unklare Formen an. Erkennen das Déjà-vu. Lassen es im Winde vergehen. Schweben in Nostalgie, die sie nicht verstehen …

Das Leben ist zu kurz für eine solche Gedankenflut.

Die Wassertropfen schoben sich näher zusammen. Unruhig flogen sie durch die Atmosphäre – verzerrt von Wind und Wetter. Die kleine Wolke hatte sich erst vor Kurzem gebildet und wäre seitdem schon mehrere Male beinahe von größeren verschluckt worden! Unwillkürlich traf sie stattdessen auf eine kleinere und verschmolz mit dieser.

Es krachte.

Gewaltig ragte eine finstere Wolke neben ihr auf und strich wortlos an ihr vorbei. Zwischen ihnen prickelte die Luft. Die Atmosphäre versuchte, Nieser aus ihnen zu kitzeln. Der Wind juckte. Die Sonne versteckte sich hinter einem Schleier von grauen, dunklen Massen.

Das Bild von einem freudigen Feuerball schoss durch den Kopf der kleinen Wolke.

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Erholende Ruhe

Inmitten von Geschrei, Geplär,
Hupen, Kreischen, dem ganzen Verkehr,
Den Tönen der Feuerwehr
Und so vielem mehr!
Kommt man heut‘
Zwischen all den Leut‘
Stets bereut
Nicht erfreut
Einfach
Nimmermehr
Zur Ruh.

Stets steht etwas an.
Stets wird man gerufen.
Stets gibt’s was zu tun.
Stets sitzt man auf den Stufen.

Aufgaben stapeln sich,
Die Arbeit wartet nicht,
Sie fordert dich!

Sie fordert dich
Ein,
Heraus,
An,
Immerzu,
Ohne Ruh.

Denn das Leben wurde durchgeplant.
Es hat sich Deiner nicht erbarmt.
Es hat die Jahre ermahnt.
Einen Zeitplan entsandt.

Erst hierhin
Dann dorthin.
Zieht es dich
Von A
Nach B
Zu C
Über D
Hinaus zu E
Hinfort zu F …

Der Schlaf ist auf die Minute datiert,
Das Träumen wurde dreifach halbiert.
Stattdessen nahm das Lernen zu,
Das bisschen Arbeit schaffe man doch im Nu!
Pausen wurden abgeschafft,
Der Tag streng gestrafft.

Erholung wäre überbewertet,
Die Herzen seien eh verhärtet!
Ach, wann werde ausgewertet:

Der Stress in jungen Tagen
Im Vergleich
Zu den erholsamen Jahren,
Die doch nicht jeder von uns
erreicht.

AdHdEk: Prolog – Alles und Nichts

Als der Himmel die Erde küsste, regierte Zwielicht die Welt. Zwielicht, das weder dem einen noch dem anderen gehörte.

Es war hell und klar und …

… auch wieder nicht.

Es war kalt.

Und es war warm.

Es war da.

Und es war fort …

Es war ein ewiger Kampf. Ein ewiges Gefecht. Etwas, das wie das eine erschien und das andere offenbarte.

So wurde aus Nichts Alles.

Und aus Allem Nichts.

So ward das Eine Alles.

Und so ward das Eine Nichts.

So ward alles Andere Alles.

Und so ward alles Andere Nichts.

In diesen Gegensätzen erblickten sie das Licht der Welt.

Leben und Tod.


Mal ein kurzer Auszug aus meinem NaNoWriMo Projekt von 2018, „Als der Himmel die Erde küsste“.

Im Lauf der Zeit

Die Uhr,
Sie rennt.
Sie rennt geschwind

Hinfort.

Die Zeit
Vergeht.
Vergeht geschwind

Im Wind.

Von Ort zu Ort
Oder gleichbleibend
Verändert sie:

Dich.
Mich.
Sich–

Selbst.

So wird Neues geboren,
Zu Großem auserkoren.
So wird Altes indessen
Im Grabe vergessen.

Das Leben zieht fort.
Doch Stück für Stück
Erschafft es Glück –
Einen friedlichen Ort.

So singen die Ruinen,
So sprechen die Denkmale,
So erzählen verblasste Schriften,

Von gestern.

Von gestern,
Das Morgen nur ein Schatten ist.

Von gestern,
Das unser Heute formte im Bliss.

Von gestern,
Das eines Tages nichts weiter
Als der Hauch des Windes ist.

Vergessen–
Im Lauf der Zeit.