B: Der verschollene Schlüssel

Es dauerte einige Minuten, bis Chemy sich wieder gefangen hatte. Erst hatte er zu schuldbewusst und ängstlich auf sie gewirkt, dann zu mürrisch und stürmisch. Aber erst als letzteres die Oberhand gewann, wusste sie mit ihm umzugehen.

Und so hatte sie ihn in eine kleine Sitzecke des Zimmers geführt. Eine, die fast genauso groß war, wie ihr altes Kinderzimmer. Generell war alles viel zu luxuriös für sie. Zu viel Platz. Zu viel glänzende Tür- und Schrankgriffe. Zu viele Veredelungen an Möbeln, Wänden und Decke!

„Hilf mir“, hauchte Lilith ihm entgegen, „Ich erinnere mich an drei verschiedene Leben. Aber ich sehe die Verbindungen nicht. Ich verstehe mich nicht. Ich … Bin ich verrückt?“

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Märchenstunde: Das Königreich der Hexen II

Es dauerte zwei Tage, bis der Prinz und die alte Frau wieder auf dem Pfad auftauchten. Nia saß wieder oben in den Bäumen. Sie beobachtete, wie die Nacktaffen am Waldrand herumlungerten. Fast so, als würden sie auf etwas warten. Oder auf jemanden? Vielleicht auf den Soldaten vom letzten Mal? Oder einen anderen? Er war ja diesmal nicht bei ihnen. Dabei war sich Nia sicher, dass sie ihn nicht zu stark verwundet hatte!

Kurz nach Sonnenhoch machten die Nacktaffen kehrt und liefen zum nächsten Dorf zurück.

„Was sie wohl wollten?“, fragte Aurora, die sich zu ihr gesellt hatte.

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Märchenstunde: Der Zirkel der Miracula II

„Hallo, mein Name ist Aura. Das ist die Kurzform von Aurora, weißt du?“, stellte sich der Vogel vor.

Das ängstliche Mädchen schüttelte den Kopf und schob sich gegen Miras Beine.

„Alles gut. Ich bin nicht hier, um dir zu schaden. Darf ich mir deine Stirn einmal ansehen? Nur kurz?“

Unschlüssig schaute das Kind zwischen Mira und dem großen Vogel hin und her. Sie wirkte angespannt. So, als wollte sie ablehnen. Als fürchtete sie sich jedoch, dann verstoßen zu werden. Deswegen schien sie auf Hilfe zu hoffen. Auf eine Eingebung.

Aber diese konnte Mira ihr nicht geben. Das Kind musste selbst entscheiden.

Jedem gehörte nur das eigene Leben!

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K: Heilwasser und Gift

Maggie lauschte den Worten des Lehrers uninteressiert. Es ging um irgendeine Epoche aus dem Mittelalter, die von Düsternis geprägt war. Krankheiten zogen damals durchs Land. Man hielt die meisten Frauen für Hexen. Zauberei war ein Teufelswerk.

Nachdenklich blätterte sie durch das Lehrbuch.

Mach es zu! Ich mag die Horrorbilder nicht!, meldete sich Alice und eilig schloss Maggie das Buch wieder.

Entschuldige, entgegnete sie ihrer anderen Seele, Ich habe nicht nachgedacht.

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Märchenstunde: Der Zirkel der Miracula I

„Wenn du ein neues Leben beginnen möchtest, so folge mir. Weder ich noch meine Familie werden sich von dir abwenden“, erklärte Mira dem winzigen Kind vor sich.

Es war ein Mädchen. Höchstens sechs Jahre alt. Ihre Lumpen erinnerten sie an ihre eigenen. An damals. Als sie in den Wald gejagt wurde. Fort, von den scheußlichen Menschen. Zu der einzigen Mutter, die sie bedingungslos annahm.

„Du bist eine … Hexe?“, flüsterte die Kleine.

„Miracula“, korrigierte sie sanft, „Möchtest du auch eine werden?“

Das Kind stolperte einen Schritt zurück. Sie schaute über ihre Schulter. Schien inne zu halten.

Nickte.

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