Die kleine Wolke Fuji

Es war einmal eine kleine Wolke. Sie war plötzlich da. Entstand einfach. Wusste nicht woher sie kam oder wohin sie sollte …

„Nun denn“, entschied diese kleine Wolke, als sie die Welt unter sich erblickte, „Ich möchte überall hinfliegen. Ich möchte groß träumen. Und niemand wird mich aufhalten!“

Sobald die kleine Wolke jedoch die Worte gesprochen hatte, erklang eine ältere Stimme. Rau und grummelig hallte sie in den Ohren der Wolke wider.

„Haha. Lieber Jüngling“, bemerkte die Sonne, „Das Leben ist bitter. Träum nicht zu viel – du wirst nur enttäuscht werden. Ziel nicht zu hoch – du wirst eh nur fallen. Versuch am besten nichts – du wirst es sowieso nicht schaffen!“

„Woher willst du das wissen?“, bemerkte die kleine Wolke trotzig, wenngleich sich Zweifel in ihr Herz geschlichen hatten.

„Der, der am höchsten steht,“, entgegnete die Sonne und küsste den Horizont, „fällt am tiefsten.“

Damit war sie verschwunden. Und mit ihr das Licht.

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IKdJ: Prolog – Namensfrage

Tod

Was ist ein Name?, fragte sie erschöpft. Ihre violetten Augen flatterten wild umher und ihr silbriges Haar hing ihr verschwitzt ins Gesicht.

Er hielt inne, ehe er sich ihr vollends zuwandte.

Es war wieder soweit.

Ein Name ist nur ein Wort, log er, Es ist nichts, um das man sich Sorgen müsste. Es ist eine einfache Beschreibung, gefangen in strikten Buchstaben oder Zeichen … ohne die Spur einer Seele.

Aber dann … Warum befehligen sie solche Macht?, klang ihre Stimme schwach hinüber, als sie versuchte, sich an ihrem so verzweifelt festzuklammern.

Ein Name besitzt keine Kraft. Zumindest nicht anfangs. Wir gaben ihnen Macht. Deswegen können wir die Illusion des Namen nicht sehen, dafür aber die Person dahinter, eine kalte Stille folgte seiner Erklärung.

Ist das der Grund, warum du Tod wurdest?

Aber Tod schwieg, als er mit seiner gewaltigen Sichel ausholte und sie in ihr winziges Herz rammte.

Er hatte nie eine andere Wahl…

…als Leben zu töten.


Das ist aus dem NaNoWriMo 2017. Mein erstes Projekt, dass einfach nur Spaß- und Motivationszwecken diente. Wow! Sowas war ja mal nötig!

Der Ton

Die Musik der Maschinen
Das Trommeln der Räder
Die Bänder sie wälzen
Das Leben hinfort

Sie wünschen Perfektion
Müssen ineinander greifen
Eine Symphonie,
Einzig derselbe Ton

Drum obliegt es uns
Diesen Ton zu bestimmen
Ihm Form zu geben.
Ihn neu zu entsinnen.

Ein friedvolles Dur?
Ein tragisches Moll?
Re, Mi oder Do?
Fa, La, Ti, So?

Welches Tempo sollen wir wählen?
Welche Tonart wird uns verschmähen?

Staccato? Legato?
Forte? Piano?
Der Klang wie beim Pop?
Oder beim Rock?

Der Ton gibt die Musik.
Der Ton gibt den Rhythmus.
Der Ton gibt die Stimmung.
Die Sorgen sind fort.

Oder tut er es wirklich?
Oder ist er nicht machtlos?
Denn vielleicht –
Vielleicht geben wir die Stimmung

Und entscheiden uns:
Tag ein, Tag aus
Immer wieder um.

Denn unser Ton,
Unsere Musik,
Unser Rhythmus,
Unsere Stimmung:
Ist die, die wir uns selbst

WÄHLEN!

M: Janes Gewissen

Still schlich sich Jane durch die düstere Wohnung. Die Schatten krochen an ihr hoch. Umwoben sie wie eine sanfte Liebkosung. Eine Zärtlichkeit, die ihr so vertraut war. Die sie weiter den Flur entlanglaufen ließ, obwohl sie kaum die Formen in der Schwärze ausmachen konnte.

Sie war viel zu spät dran. Wenn ihr Vater daheim war, wenn er bemerken würde, dass sie nun erst nach Hause käme, würde er sie nicht nur belehren. Er würde seine angedrohten Konsequenzen wahr machen – er würde vielleicht noch ihre Schwester mit hineinziehen!

Ihre Schwester, die zwar älter, aber so viel zerbrechlicher und naiver war. Dieser Mistkerl von einem Vater würde sie-

„Du bist spät dran.“

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