Minki und die Strumpfhosen

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Es ist noch nicht so lange her, da trugen viele weibliche Zweibeiner eine dünne Haut über ihren Beinen. Diese war durchsichtig. Mit einem sanften oder gar kräftigeren Farbton. Aus ganz feinen Maschen gefertigt.

Es war eine Haut, das sich keineswegs für einen Katerhaushalt eignete.

Vor allem wenn dieser Kater unzufrieden mit seinem verspäteten Frühstück war.

Minki hatte aus seinem Salzheringdiebstahl gelernt. Er hatte verstanden, dass nicht alles so gut und lecker war, wie es den Anschein erweckte. Deswegen forderte er nun sein Fressen mit einer verstärkten Frequenz von den Zweibeinern ein. Immerhin wusste er ja nicht, wann sie nochmal so etwas Grässliches rumliegen lassen würden!

Allerdings war sein Retter häufig nachts arbeiten und kehrte erst am späten Morgen. Und so erschien es Minki nicht verkehrt, sein Mahl auch von den anderen Zweibeinern zu verlangen!

Die Jüngere war ihm dabei zu suspekt. Wie sie durch die Wohnung sprang! Wie sie plötzlich über Hände und Füße ausgestreckt durch den Flur rollte! Es war eine einzige Zumutung. Nur er durfte sich dermaßen wirr aufführen!

Die Ältere war ganz anders.

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Das Meer

Endlos weit erstreckt es sich:
Manchmal grau,
Manchmal blau.

Diese Wellen und Gischt:
Manchmal rau,
Manchmal flau.

Das Nass wirkt gar wundersam,
Wie ein freudiger Balsam.
Doch schmerzt die Wunde sehr,
Wenn du sie lässt lecken vom Meer.

Das Salzige beißt.
Es krallt und es reißt –
Zerreißt Deinen Leib!

Das Meer versucht, Dich zu umweben,
Glück und Freude soll es geben.
Es weist auf den weiten Horizont,
Der Dich liebevoll besonnt.

Aber sieh nur, sieh!
Die Tiefenmelodie!
Sie versucht, Dich zu ergreifen-
Zu packen, zu reißen,
In den Abgrund zu geheißen,
Dich nie empor zu reifen!

Denn das Meer ist eine Täuschung,
Eine wundersame Verlockung,
Es malt mit den Wellen
Gedankliche Schellen.

Es wagt Worte zu winden,
Dich an es zu binden,
Deine Augen zu erblinden,
Kein Licht zu finden.

Das Meer ist kalt.
Das Meer ist hart.
Das Meer ist einzig
Eine herzlose Tat.

Und wenn der Sturm kommen mag,
Schaufelt es einen stillen Sarg,
Ein gefühlloses Leben,
Ohne jegliches Streben.

Das Meer mag mal sanft gewesen sein
– und das nicht nur zum Schein –
Doch das Meer vermochte zu wählen,
Sich gegen sein Schicksal zu lehnen.

Ach, wie schön wären sie gewesen!
Tage am Meer, mit freudvollem Streben!
In denen man sich im Wasser wärmt,
Sich keiner Missetat schämt.
Man hätte Lachen können, weinen.
Hätte sich getröstet ohne zu leiden.
Hätte die Sonne genossen.
Sich nicht in Eifersucht ergossen.

Tage am Meer wären ein Traum,
Der nun verschwindet im Schaum.
Die Wellen ziehen zum anderen Ort,
Hinterlassen einen eisigen Ford.

Dieser umgibt einen Leuchtturm,
Wurde erbaut im furchtbaren Sturm,
Kennt alle Gräueltaten,
Die Dich im Meer erwarten.

Es ist ein eisiger Schutz,
Mit gewaltigem Nutz.
So umgibt er meine Glühwürmchen und mich,
Die mir brachten, mein Licht.

Minki und die Salzheringe

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Manch einer hat sie sicherlich daheim zubereitet: Salzheringe. Fische zu denen Pellkartoffeln, Quark und ein bisschen Salat wirklich köstlich schmecken! Die Zubereitung ist heutzutage auch nicht mehr so schwierig. So gibt es nun die schuppigen Tiere häufig im Tiefkühlfach eines jeden Discounters oder manchmal gar vorgefertigt.

Dies war nicht immer so.

Vor allem nicht, wenn man die Salzheringe als eine Delikatesse zubereiten wollte. Dann muss man natürlich die Besten bekommen. Der starke Salzgeschmack muss den Fischen ausgetrieben werden. Das Mahl wird sorgfältig vorbereitet. Jeder Schritt dreimal überdacht.

Minkis Retter hatte sich alles genaustens überlegt. Er war der Koch der Familie und lebte mit seiner Frau und Tochter in einer großen, geräumigen Wohnung. Schon viel zu oft hatte er die Salzheringe vorbereitet, sodass er seine Methoden bereits perfektioniert konnte:

Spüle putzen. Stöpsel rein. Wasser rein. Fische rein. Ziehen lassen.

Zwei-, dreimal musste er das kalte Nass wechseln, um die Salzheringe wahrhaftig perfekt zubereiten zu können. Sie durften nicht zu viel von dem salzigen Geschmack in sich tragen. Sonst konnte er sie im Anschluss nicht richtig würzen!

Nur sollte es nie dazu kommen.

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Der kleine Kater Minki

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Minki hieß nicht immer Minki.

Minki war einst ein kleiner Streuner. Ein schwarz-weißes Kätzchen ohne Zuhause. Seine Pfötchen waren so weiß wie Mehl. Auch Bäuchlein, Gesicht und Schwanzspitze wirkten wie bepudert! Allerdings sah man die Reinheit kaum unter dem ganzen verzottelten und dreckigen Fell.

Erst als ein Mann kam, um das kleine Raubtier von der Straße aufzulesen wandelte sich sein giftiges Antlitz. Endlich hatte das Kätzchen ein Zuhause. Es hatte Essen, das er sich nicht mehr aus dem Müll zerren musste. Er konnte sich putzen. Sich pflegen. War nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzt. War nicht mehr einsam. Nicht mehr allein.

Und er bekam seinen Namen.

Minki.

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Sturm der Gefühle

Man vermag sie kaum zu bändigen.
Man vermag sie kaum zu halten.
Sie fliegen umher.

Den Worten Anderer ausgesetzt.
Durch die Worte Anderer verletzt.
Nackt.

So lernte ich diese zu akzeptieren.
Das Innere zu maskieren.
Das Innere zu massakrieren.
Mich selbst zu verlieren.

Die Bande, sie brachen.
Und nun im Vorbeigehen
Mit versteckten Tränen –
Mit gekünsteltem Lachen
Fragst Du mich,
Warum sagte ich nichts?

Und so erwidere ich,
Bedeutete ich Dir nichts?!

Das Herz wart verschlossen.
Abgehackt die Sprossen,
Die einem Kind sonst halfen,
Die Welt zu gestalten.
Vergossener Schweiß –
Blut und Tränen waren Preis.
Doch waren sie viel zu leis‘
Im Vergleich zum frostigen Eis.

Das Eis, das die Seele umwob.
Mich in die Tiefen des Hurrikans schob,
Ins Auge des Sturms
Auf dem Balkon des Leuchtturms.

Apathie umkreiste die Gedanken,
Verschlang Freude und Glück.
Während sie im Meer versanken,
Führte kein Weg mehr zurück.

Ein Lächeln wurde aufgesetzt.

Dein Wille durchgesetzt.

Die Gedanken ersetzt.

Die Seele zerfetzt.

Unwissend, nichtsahnend –
Ich war ein Kind.
Was hätte ich sagen können?
Mein Innerstes zerrann zu geschwind …

Ich ließ mich fallen,
Ließ mich tragen,
Ließ mich ertränken,
Ließ mich verjagen,
Nickte artig ja,
Sagte kaum nein,
Akzeptierte stumme Ohren,
Wenn ich nur wollte schrei‘n!

Hörst Du mich nicht?!
Siehst Du mich nicht?!
Oder hast Du es bereits vergessen?
Mein Gesicht?

Die Dunkelheit brach ein,
Ließ kein Licht herein.
Sie schottete mich ab,
Schaufelte mein viel zu frühes Grab.

Ich war bereit zu gehen,
Konnte all das nicht mehr verstehen,
Konnte das Scheinheilige nicht sehen,
Wollte nur noch durchdrehen …

Da erblickte ich den ersten Funken.
Ich fühlte mich ertrunken,
Doch griff meine tote Hand danach,
Und weckte mich aus dem ewigen Schlaf.

Glühwürmchen –
So klein, so zierlich,
Verbreiteten ihr helles Licht,
Wärmten mein eisiges Gesicht,
Erleuchteten meine Sicht.

Eines nach dem anderen
Flogen sie in mein Leben,
Erweckten in meinem Inneren
Einen Traum nach ewigem Streben.

Ach! Wie sehr die Tränen doch flossen!
Wie warm meine Gefühle uns umschlossen,
Als die Glühwürmchen mich lenkten
Und mir endlich Liebe schenkten.