Minki und die Strumpfhosen

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Es ist noch nicht so lange her, da trugen viele weibliche Zweibeiner eine dünne Haut über ihren Beinen. Diese war durchsichtig. Mit einem sanften oder gar kräftigeren Farbton. Aus ganz feinen Maschen gefertigt.

Es war eine Haut, das sich keineswegs für einen Katerhaushalt eignete.

Vor allem wenn dieser Kater unzufrieden mit seinem verspäteten Frühstück war.

Minki hatte aus seinem Salzheringdiebstahl gelernt. Er hatte verstanden, dass nicht alles so gut und lecker war, wie es den Anschein erweckte. Deswegen forderte er nun sein Fressen mit einer verstärkten Frequenz von den Zweibeinern ein. Immerhin wusste er ja nicht, wann sie nochmal so etwas Grässliches rumliegen lassen würden!

Allerdings war sein Retter häufig nachts arbeiten und kehrte erst am späten Morgen. Und so erschien es Minki nicht verkehrt, sein Mahl auch von den anderen Zweibeinern zu verlangen!

Die Jüngere war ihm dabei zu suspekt. Wie sie durch die Wohnung sprang! Wie sie plötzlich über Hände und Füße ausgestreckt durch den Flur rollte! Es war eine einzige Zumutung. Nur er durfte sich dermaßen wirr aufführen!

Die Ältere war ganz anders.

Diese Zweibeinerin lief zwar zügig durch die Wohnung, war jedoch auch unachtsam unterwegs. Sie versperrte ihm die Zimmer. Sie war häufiger in der Küche. Sie bereitete „Stullen“ für sich und die Andere zu.

Aber nichts für Minki.

Das musste sich ändern!

Immer wieder versuchte er, ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen. Er versuchte es mit Mauzen. Er versuchte es mit Schnurren. Mit Schmieren. Sogar seinen Bauch präsentierte er dieser eingebildeten Zweibeinerin!

Doch war er ihr anscheinend nicht gut genug. Immerzu meinte sie, dass er schon noch etwas bekäme. Dass er nicht verhungern würde. Dass sich ihr Mann später darum kümmern würde. Dass er sich nur gedulden müsse.

Und verstand dabei nicht sein Problem.

Ja. Sein Retter würde ihn füttern. Ja, es wäre ein angemessenes Frühstück. Und ja, er würde die Zeit bis dahin bestimmt überstehen … Jedoch widersprach das seinem Plan.

Minki wollte doch zweimal Frühstück bekommen!

Also musste er ihr gewiss eine Lektion erteilen. Er musste sich bemerkbar machen – auf eine Art und Weise, die diese Zweibeinerin nicht so leicht ignorieren konnte. Sodass sie ihm lieber etwas geben und sich mehr mit ihm beschäftigen wollen würde, statt immer nur hastig abzuhauen und ihn dann in dieser großen Wohnung allein zu lassen …

Also lauerte er ihr auf.

Winzig klein rollte Minki sich unter dem Schuhregal zusammen und wartete. Er beobachtete, wie die Jüngere vorbeihüpfte. Wie sie nach nebenan verschwand. Wie sich die Ältere näherte. Wie sie beinahe in den Flur trat und-

Schon sprang er heraus. Mit ausgefahrenen Krallen blieb er an dieser künstlichen zweiten Haut hängen und hinterließ sechs Furchen. Tief genug, um den Stoff zu durchtrennen – flach genug, um diese Felllose nicht zu verletzen. Es war ein Zeichen. Ein Zeichen, das diese Zweibeinerin hoffentlich zu verstehen wusste!

Denn von nun an würde er sich jeden Morgen in ihrem zweiten Fell verewigen, wenn sie ihm keine Opfergabe darbot! Er würde hartnäckig bleiben bis er sein zweites Frühstück bekam. Komme was wolle!

Nur blieb sie es auch. Und die Kosten für die Strumpfhosenreparaturen durfte sein Retter tragen. Der arme Mann, der doch nach seiner Nachtschicht nur etwas Schlaf wünschte. Aber zu dem sich Minki jeden Morgen schnurrend ins Bett legte.

Immerhin ließ ihn dieser Zweibeiner nicht hungern!

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