Fujis Alpe

Alles was Fuji zu Sabine sagte, führte zum selben Ergebnis. Immer und immer und immer und immer wieder. Seine Worte drangen einfach nicht zu ihr durch! Und wenn doch?

Dann vermutete sie, dass die Wolke böse Absichten hätte!

Es war zum verrückt werden …

„Die Tage sind viel zu kurz, um irgendetwas zu bewirken! Was nützt eine Erklärung, wenn du sie eh nur vergisst? Der Tag ist viel zu kurz, um nach einem stetig wiederholenden Gespräch noch Zeit miteinander zu verbringen!“, schrie er in den Himmel.

„Still. Nervbold“, erwiderte eine andere Wolke plötzlich.

Erschrocken hielt Fuji inne. Nie zuvor hatte er mit anderen Wolken gesprochen. Und gewiss hatten sie auch nie das Wort an ihn gerichtet! Irgendwie …

Irgendwie hatten sie einander immer gemieden.

„Entschuldigung … Kennen wir uns?“, fragte er nun eingeschüchtert.

„Du nervst den ganzen Himmel. Wenn du so unzufrieden mit allem bist, dann regne doch nieder. Warum musst du uns ständig nerven? Hm?“, die volle Stimme der fremden Wolke dröhnte durch Fujis Ohren. Sie brachte ihn zum Beben, zum Zittern, zum-

Er schauderte.

„Ent… Entschuldigung … Aber … Ich …“, unschlüssig sah er zu den anderen Wolken, die immer noch schweigsam umher schwebten, ehe er seinen Mut zusammenfasste, „Ich brauche mehr Zeit mit der So- mit Sabine, meine ich. Ich brauche mehr Zeit mit Sabine. Aber sie geht immer so schnell wieder unter … Wenn ich jedoch … also … Wenn ich vielleicht mehr-“

„Und nun nervst du mich mit deinen Problemen!“, schnaubte die andere Wolke, „Ich hätte nichts sagen dürfen, oder? Da will man einmal nett sein …“

Fuji suchte unsicher etwas Abstand zu der fremden Wolke. Er sah hinab auf den Ozean. Fröstelte.

Der Ozean wirkte auf ihn wie ein gewaltiger Friedhof. Denn was sollte er sonst schon sein? Wo sollte das Wasser hergekommen sein, wenn nicht … aus den ganzen Wolken, die bereits in dem endlosen Meer verendet waren?

Sollte er wirklich herabregnen?

„Entschuldige, dass ich dich genervt habe“, murmelte er still, „Kommt nicht wieder vor.“

Niedergeschlagen wandte er sich ab. Irgendwie hatte er nicht gewusst, dass auch die anderen Wolken reden konnten. Irgendwie hatte er nie das Gespräch mit ihnen gesucht. Irgendwie hatte Fuji immer nur sein Leben gelebt. Er hatte sich nicht um die anderen weißen und grauen Dünste gekümmert. Er hatte nur an sich gedacht. Warum auch nicht?

Und nun kam er sich so egozentrisch vor, dass es sein kleines Herz schmerzte.

„Warte.“

Überrascht hielt Fuji inne und sah nochmal zurück. Er glaubte, die fremde Wolke erneut gehört zu haben, aber … Nein. Warum sollte sie das Gespräch mit ihm suchen? Sie hatte doch klargestellt, was sie von ihm hielt und-

„Warte, Nervbold“, wiederholte die fremde Wolke nun etwas missmutiger und schwebte ihm gemächlich hinterher.

„Ja …?“

„Du suchst nach einem längeren Tag? Nach mehr Zeit mit der Sonne?“

Fuji konnte seinen Ohren kaum trauen. Eilig hüpfte er hoch und runter: „Ja, das tue ich. Ja. JA. JA!“

„Nicht so laut“, belehrte ihn die fremde Wolke brummend.

Sofort machte er sich wieder ganz klein. Da wollte ihm die andere Wolke helfen und was tat Fuji? Er legte genau das Verhalten an den Tag, das sie gerade erst bei ihm bemängelt hatte.

„Entschuldigung“, flüsterte er zurück, „Ein längerer Tag wäre … wundervoll?“

„Hm …“

Die fremde Wolke schien zu überlegen. Nachdenklich schwebte sie an Fuji vorbei und schloss die Augen. Sie wirkte dabei so fürsorglich! So etwas kannte er gar nicht. Selbst, als die Sterne ihm geholfen hatten, hatte ihnen eine solche Wärme gefehlt!

„Mein Name ist Alpe“, stellte sie sich endlich vor, „Und …“, sie seufzte, „Flieg mir aus den Augen, Nervbold! Aber flieg der Kälte entgegen. Dann kommst du an den Ort des ewigen Tages … oder der ewigen Nacht. Alle halbe Jahre wechseln die Gezeiten. Für deine Zwecke sollten sie jedoch genügen.“

Damit kehrte sie um und ließ Fuji allein zurück.

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