Fujis Sonne

Als die Sonne endlich erneut aufging, hatte sie ihn natürlich wieder vergessen.

Die kleine Wolke war überrascht, wie sehr es sie verletzte. Dabei hatte er es doch gewusst. Er hatte gewusst, dass sie die Welt als kindlicher Feuerball erblicken würde. Er hatte gewusst, dass sie ein frisches Leben beginnen würde. Er hatte gewusst, dass es auch ein kurzlebiges Leben sein würde.

Trotzdem tat es so weh.

Die Sterne hatten das Dasein der Sonne als Fluch betitelt. Aber konnte ein Fluch so grausame Auswirkungen haben? So wie die Dinge lagen, war die Sonne jeden Tag nur ein Schatten ihrer Selbst. Sie war nie komplett. Nie erinnerte sie sich. Nie konnte sie Freundschaften schließen. Und nie konnte sie aus ihrer Vergangenheit lernen.

Sprach deswegen niemand ihr?

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Fujis Unglauben

Die Erde drehte sich? Bitte was? Wie war das möglich? Wie sollte sich etwas so Großes drehen können? Und wie sollten die Sterne auch am Tage im Himmel stehen? Immerhin sah Fuji sie nicht. Und müssten sie nicht zu erblicken sein? Nein. Das konnte nicht stimmen!

Aber sie wussten, dass er der Sonne gefolgt war. Und dass, obwohl die demente Sonne ja nicht einmal selbst ihre Reise mitbekommen hatte. Diese hatte Fuji bis zu ihrem Untergang widersprochen. Die Sterne hingegen hatten eine Erklärung für das Verhalten des gewaltigen Himmelskörpers. Egal, wie abwegig diese auch erschien.

Ob er den Worten trauen konnte?

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Fujis Wunsch

„Vielleicht weißt du ja, wie man diese Welt noch retten kann und findest eine Lösung für das Desaster“

Die Worte klangen noch für mehrere Tage in Fujis Ohren wider und unsicher wälzte er sie in seinem Kopf hin und her. Eine Lösung finden… Für etwas, was selbst die Sterne nicht zu beheben wussten.

War das denn möglich? Wenn selbst die unendlich vielen Himmelslichter sich uneinig waren? Was war er schon im Vergleich zu den Riesen des Himmelszelts? Sie waren immerhin die Älteren! Er war doch nur eine kleine Wolke. Eine Wolke, die für die längste Zeit nichts mit ihrem eigenen Leben anzufangen wusste…

Fuji beobachtete den Erdboden unter ihm. All die Wesen, die dort umhereilten. Es waren so viele. Viel mehr als in seinem letzten Leben. Sie alle schienen ein klares Ziel vor Augen zu haben. Eine Aufgabe, die erfüllt werden musste. Die keinen Aufschub duldete!

Keiner von ihnen sah noch zu ihm hinauf.

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Fujis Zeitreise

„Wie viele Metallvögel es wohl gibt?“, fragte sich Fuji, als er dem nächsten auswich.

Viel zu viele hatten bereits durch ihn hindurchfliegen wollen. Mal waren es kleine. Mal große. Mal hatten sie Rotorblätter. Mal starre Flügel mit Turbinen. Aber immerzu waren sie mit derselben Höflichkeit ausgestattet. Einer Höflichkeit, die jegliche Entschuldigungen verbat.

Und das, obwohl sie die Wolke beinahe zerstört hätten!

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Fujis Auferstehung

Manche Erinnerungen verblassen über Nacht wie ein Traum, der sich in der Tür geirrt hatte. Andere vergehen mit der Zeit wie ein Baum der stetig und schläfrig seine Äste gegen den Himmel reckt. Im Endeffekt sind sie nur noch wirre Schatten, die zwischen unendlich vielen Gedanken umherschwirren. Unsicher flattern sie durch den Geist. Nehmen ab und zu Formen an. Erkennen das Déjà-vu. Lassen es im Winde vergehen. Schweben in Nostalgie, die sie nicht verstehen…

Das Leben ist zu kurz für all diese Gedanken.

Die Wassertropfen in der Atmosphäre schoben sich weiter zusammen.
Unruhig flogen sie umher – verzerrt von Wind und Wetter. Die kleine Wolke hatte sich erst vor wenigen Stunden gebildet und wäre seitdem schon mehrere Male beinahe von anderen, größeren verschluckt worden, ehe sie sich nun mit einer anderen kleinen verschmolz.

Gewaltig ragte eine finstere Wolke neben ihr auf und strich wortlos an ihr vorbei. Zwischen ihnen prickelte die Luft. Die Atmosphäre versuchte, Nieser aus ihren Nasen zu kitzeln. Der Wind juckte. Die Sonne war hinter einem Schleier von grauen, dunklen Massen verschollen.

Ein Bild von einem freudigen Feuerball schoss durch den Kopf der Wolke.

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