„Nicht so wichtig“, hallten SR’s Worte in ihren Ohren nach.
„Nein. Warte“, Maggie trat auf ihn zu, „Sag mir bitte, was du meinst.“
„Es- Wusstest du, dass TJ danach noch einmal herkam?“
Überrascht schüttelte sie den Kopf. Aus den Augenwinkeln bekam sie mit, wie Jessica wieder in den Flur trat. Wie sie den Phönix mitgebracht hatte und irritiert zwischen ihnen hin und her sah.
Johnny wartete einige Minuten im Verborgenen. Erst danach ging er in die Richtung des Hauses zurück. Er hielt sich dabei an die Straße. Blieb immer direkt neben dem Sandweg: Weit genug weg, um seine Umgebung zu überblicken, allerdings auch nah genug am Wald, um notfalls darin abzutauchen. Als er das Gebäude wieder mustern konnte, hielt er inne. Er beäugte die Fenster nachdenklich. Dann den kleinen Garten und die Treppe, die zum Haus führte.
Zu diesem Waisenhaus
Als er sich sicher war, dass niemand ihn beobachtete, lief er zügig auf das Haus zu. Trotz aller Vorsicht fühlte er sich dabei beobachtet. Also achtete er darauf, sich normal zu geben. Als würde er hier wohnen. Als wäre er jeden Tag hier.
Dennoch ließ dieses unbehagliche Gefühl nicht von ihm ab.
„Von hier aus muss ich wieder zurück. Tut mir leid, Junge“, murrte der Fahrer des LKWs.
„Schon gut. Ich komme schon klar“, entgegnete Johnny mit einem geübten Lächeln.
„Huh“, der Mann schüttelte jedoch den Kopf, „Wenn du meinst.“
Johnny ging nicht weiter auf den Fahrer ein. Er war nützlich gewesen, um ungesehen von den Straßen vor Merichaven zu verschwinden. Um keine direkten Spuren zu hinterlassen. Um von Niklas‘ Radar zu verschwinden …
„Mom, wirklich?“, grüßte ihr Junge sie, als er aus der Schule trat.
„Es ist dein allerletzter Tag“, entgegnete Jackie, „Und ich hatte dir zur Einschulung gesagt: Ich komme nur am ersten und letzten Tag her.“
Lachend schüttelte er den blonden Kopf. Die Haarfarbe hatte er von ihr und seinem Vater gleichermaßen. Genauso wie seine Größe. Seit zwei Jahren waren sie nahezu gleich groß. Ganz anders als damals, als sie ihn zum ersten Mal hierher gebracht hatte. Damals. Als der Rucksack fast genauso schwer wie ihr Junge gewesen war … Aber das war nun auch schon über zehn Jahre her.
„Pa kommt direkt nach Hause?“, flüsterte ihr viel zu großer Junge.
Maggie zwang sich ein Lächeln ins Gesicht, als Paul bei seiner Pointe ankam. Sie nickte ihm zu. Erkundigte sich, wie es mit den Eskapaden seines Kunden weiterging. Wie ihr Stiefbruder immer so ruhig bleiben konnte.
Beschämt schüttelte dieser den Kopf: „Musste ich zum Glück nicht. Mein Chef hat den Saufbold auseinandergenommen, weil er ein paar Gläser Gewürzgurken runtergeworfen hatte. Der Alte hat wie ein Matrose geschimpft, sag ich dir!“
Maggie nickte sachte. Sein Tonfall hatte sich verändert. Generell kam es ihr so vor, als ob sich ihr Stiefbruder jedes Jahr ein bisschen mehr veränderte – als ob er sich von ihr entfernte!